Gemeinden der Region
Nordschwarzwald -  05.09.2020
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Endlich etwas Würze im ansonst so faden CDU-Bewerberschaulaufen

Die CDU-Bewerber um ein Bundestagsmandat im Wahlkreis Calw/Freudenstadt, Klaus Mack und Alessandro Pagella, haben es in diesen Tagen wahrlich nicht leicht. Emsig ziehen sie von Ortsverband zu Ortsverband, beantworten geduldig Fragen, rücken sich ins rechte Licht und spulen dabei ein Mammutprogramm ab. Wer in die großen Fußstapfen von Tausendsassa Hans-Joachim Fuchtel treten möchte, muss fleißig sein. Es gilt, die Basis zu überzeugen, das hat schon Fuchtel vorgelebt und es damit bis zum Staatssekretär gebracht.

Alles eine Frage der Unterstützung? Klaus Mack (links) und Alessandro Pagella bei ihrer ersten öffentlichen Vorstellungsrunde in Enzklösterle. Foto: Krivec/PZ-Archiv
Alles eine Frage der Unterstützung? Klaus Mack (links) und Alessandro Pagella bei ihrer ersten öffentlichen Vorstellungsrunde in Enzklösterle. Foto: Krivec/PZ-Archiv

Eine Kolumne von PZ-Redakteurin Nicole Biesinger

Doch ganz ehrlich, so richtig spannend war der Wahlkampf zwischen Pagella und Mack bisher nicht. Eher bieder und berechenbar. Wir von der schreibenden Zunft haben uns da mehr erhofft. Nun hat Pagella aber die Lunte angezündet und die heiße Phase des Wahlkampfs um den Einzug in den Bundestag eröffnet. Ein Zeitungsinterview mit dem Freudenstädter Oberbürgermeister und CDU-Kollegen Julian Osswald hat den Haiterbacher derart in Rage gebracht, dass er in einem Leserbrief öffentlich gegen den OB schießt. Osswald habe ihn namentlich als Kandidaten nicht genannt und damit Mack einseitig beworben, er habe in die Meinungsbildung eingegriffen und sich nicht neutral verhalten.

Zwischen den Zeilen wirft Pagella Osswald gar Kungelei vor, da Macks Ehefrau „im Einflussbereich des Freudenstädter Oberbürgermeisters beschäftigt“ ist. Ja wird denn da mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Kein Zweifel, Pagella, der im Kreis Freudenstadt aufgewachsen ist, dort zur Schule ging und sich dort auch noch verwurzelt fühlt, setzt auf den Kreis Freudenstadt als Stimmenlieferant. Im Kreis Calw dürfte es schwer werden, am bestens vernetzten Mack vorbeizuziehen. Da passt es gar nicht ins Konzept, wenn der Freudenstädter Oberbürgermeister sich öffentlich für Mack als Bundestagskandidat ausspricht.

Als Reaktion auf Pagellas Leserbrief nimmt Osswald nun kein Blatt mehr vor den Mund und kontert mit einem offenen Brief. Er unterstütze Mack und habe das auch offen kundgetan. Pagellas Äußerungen würden populistische Klischees bedienen und zeugten nicht von einer Eignung für ein politisches Amt, schießt Osswald zurück. Schon in der Anrede wird deutlich, Osswald und Pagella sind vielleicht Parteikollegen, aber ganz sicher keine Parteifreunde. „Hallo Herr Kandidat“ schreibt Osswald.Endlich, endlich mag man den Akteuren zurufen. Endlich wird aus dem faden Bewerbschaulaufen in den Ortsverbänden in den Reihen der CDU ein richtiges Sommertheater mit Zoff und Zank und allem, was sonst noch dazu gehört.

Und was sagt Mack zu dem Schauspiel? Der Regionalverbandsvorsitzende und Bad Wildbader Bürgermeister schweigt – und genießt vielleicht sogar still, leise und heimlich ein bisschen. Sollen sich doch andere in der Öffentlichkeit zoffen und zanken. Durch die Aktion weiß nun zumindest jeder, dass er auch auf namhafte Unterstützung aus dem Landkreis Freudenstadt bauen kann.

Autor: nic