Entscheidung zu Vaisana-Ärztehaus in Vaihingen vertagt: Bürger und Ärzte enttäuscht
Vaihingen/Enz. Wie geht es weiter mit dem Vaisana-Ärztehaus in Vaihingen? Eigentlich hätte der Gemeinderat in einer Sondersitzung am Donnerstag Klarheit schaffen können. Die betroffene Ärzteschaft und zahlreiche Zuhörer waren in der voll besetzten Stadthalle anwesend. Trotzdem stand am Ende eine unerwartete Vertagung. Nun soll im Dezember erneut über das Thema diskutiert werden.
Die Stadtverwaltung hatte sich akribisch vorbereitet, zwei juristische Gutachten eingeholt und einen Plan vorgelegt, wie das Ärztehaus und damit die medizinische Versorgung gesichert werden können. Ein Vertreter der SPD hatte im Vorfeld sogar eine Petition zum Erhalt gestartet, die gut 4000 Bürger unterzeichnet haben. Sie soll kommende Woche dem Landrat übergeben werden. Als alles schon gesichert schien, der Gemeinderat einhellig sein Interesse am Erwerb bekundet hatte, gab es jedoch eine unerwartete Wendung: Eberhard Berg (SPD) beantragte, die Frage des Vorkaufsrechts zu vertagen und in Ausschüssen weiter zu debattieren. Elf Ratsmitglieder stimmten zu – Ärzte und Zuhörer verließen den Saal. Nun gibt es sogar Hinweise, dass mehrere Ärzte das Vaisana verlassen wollen. OB Uwe Skrzypek sprach von einem „schlechten Signal an die Ärzteschaft“.
Auch am Folgetag herrscht Unverständnis. „Wir bedauern, dass das wirklich positive Konzept und das kraftvolle Signal, das Ärztehaus zu erhalten, auf dem Rücken von formaljuristischen Fragen nicht zustande kam“, heißt es aus dem Rathaus. Eigentlich war für den Freitag die Haushaltsklausurtagung angesetzt. Skrzypek übergab wegen der Lage die Leitung an Kämmerer Kern, um Gespräche mit den Ärzten zu führen und Schaden zu begrenzen. Einige Ärzte erwägen nach der Vertagung die Annahme des Angebots eines Investors aus Oberriexingen, der das Vaisana laut Presseberichten kaufen und Ärzte in sein projektiertes Engelareal in Vaihingen umsiedeln möchte. Die Stadt befürchtet hohe Kosten für Umzug und Einrichtung.
Das Rathaus betont: „Wir senden das Signal an die Ärzte, an deren Patienten und an die Bevölkerung, dass wir als Stadt weiter für den Erhalt des Ärztehauses kämpfen.“ Ein Wegzug von Ärzten und die weitere Verschlechterung der ohnehin angespannten Versorgung müssten verhindert werden. Das Thema kommt deshalb am 1. Dezember in den Verwaltungsausschuss und am 10. Dezember erneut in den Gemeinderat.
Parallel appelliert Skrzypek an Landrat Dietmar Allgaier, den Kreistag und die Aufsichtsräte, sich nicht von Investoreninteressen leiten zu lassen. „Die öffentliche Hand darf die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung nicht Gewinnmaximierungsbestrebungen einzelner privater Investoren opfern – auf dem Rücken von Patienten und Steuerzahlern.“ Ein Abriss der zum Teil erst 18 Jahre alten Gebäude für Luxuswohnungen sei weder ökonomisch noch ökologisch vertretbar.
Die Stadt will nun von ihrem privilegierten Vorkaufsrecht Gebrauch machen. Zwei unabhängig voneinander erstellte Gutachten bestätigen dieses Recht. Der Rückkauf des Areals gilt als einzige verlässliche Möglichkeit, langfristige Strukturen zu sichern und die Versorgung nicht Investoren zu überlassen. Geplant ist, das Areal zu einem Gesundheits- und Sozialquartier weiterzuentwickeln – mit Erhalt des Ärztehauses, Nutzung leerstehender Flächen und Angeboten für eine älter werdende Bevölkerung, etwa Tagespflege, betreutes Wohnen, oder Wohnraum für soziale Berufsgruppen.
