Gemeinden der Region
Bad Wildbad -  08.08.2023
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Enztalbahn wird für Anliegergemeinden deutlich teurer

Bad Wildbad/Höfen. Die Enztalbahn zwischen Pforzheim und Bad Wildbad ist im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) der Region kaum mehr wegzudenken. Damit der Zug auf der knapp 20 Kilometer langen Strecke auch weiterhin rollt, müssen die Anliegerkreise und -gemeinden nun allerdings ganz schön tief in die Tasche greifen.

Wildbad König-Karl-Straße
Normalerweise fährt die S 6 auch zwischen Wildbad Bahnhof und Kurpark. Seit Montag aber nicht mehr. Einen Ersatzverkehr gibt es nicht. Foto: Pforzheimer Zeitung

Auf Bad Wildbad und Höfen beispielsweise kommen rund 100 Prozent mehr Kosten zu. Statt 100.000 Euro im Jahr, muss die Stadt Bad Wildbad nun 200.000 Euro bezahlen. Die Gemeinde Höfen rechnet mit 34.000 Euro an Kosten, bisher waren es 19.000 Euro. Auch für den Landkreis Calw wird es teurer. 660.000 Euro muss der Kreis aufbringen. Darin enthalten sind allerdings bereits die Beiträge der Anliegergemeinden, wie Janina Müssle vom Landratsamt Calw auf Anfrage berichtet. Kreis und Kommunen tragen die Kosten jeweils zur Hälfte.

In Bad Wildbad kommt noch ein Sonderfall hinzu: Da die Strecke vom Bahnhof bis zum Kurpark formal als Straßenbahnabschnitt gilt, wird der Betrieb in diesem Bereich vom Land nicht finanziert. „Für den Abschnitt Bad Wildbad Bahnhof – Bad Wildbad Kurpark fällt als Straßenbahn die volle Finanzverantwortung an den Landkreis Calw. Hierdurch entstehen deutlich mehr Kosten als bislang“, erklärt Müssle.

Nicht mehr auskömmlich

Doch warum haben sich die Kosten für die Enztalbahn so drastisch erhöht? Der Sprecher des baden-württembergischen Verkehrsministeriums, Edgar Neumann, erklärt auf PZ-Anfrage: Der Altvertrag aus dem Jahr 2000 zwischen dem Land und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) als Betreiber der Strecke, sei für die AVG nicht mehr auskömmlich gewesen. Der Vertrag galt bis Dezember 2022.

Mit der Direktvergabe ab Dezember 2022 sei mit der AVG nun ein einheitlicher Zugkilometerpreis für alle von ihr betriebenen Stadtbahnlinien ausverhandelt worden. Neumann betont, dass die AVG zu Beginn dieser Verhandlungen einen noch höheren Zuschussbedarf reklamiert habe. In den Verhandlungen sei es jedoch gelungen, diesen Zuschussbedarf zu reduzieren. „Bestimmte Kostensteigerungen, etwa beim Personal oder der Instandhaltung der Fahrzeuge, waren aber nachvollziehbar, so dass jetzt auch eine höhere kommunale Mitfinanzierung für die Enztalstrecke angezeigt ist“, so Neumann.

Murren, aber keine Diskussionen

Die Anliegergemeinden im Landkreis Calw – also Höfen und Bad Wildbad – nehmen die satte Erhöhung zwar mit Murren, aber ohne Debatten zur Kenntnis. „Die Infrastruktur unserer Stadt gibt es nicht zum Nulltarif“, so Bad Wildbads Bürgermeister Marco Gauger. Für die Enztalbahn gebe es keine Alternative. Sie sei wichtig für Pendler und erschließe alle touristischen Angebote der Stadt. Auch eine Einstellung des kostenträchtigen Abschnitts Bahnhof–Kurpark stehe nicht zur Diskussion, macht Gauger deutlich.

Ähnlich verhält es sich in Höfen. Kämmerin Lena Rehklau hatte in der Gemeinderatssitzung berichtet, dass Höfen nun 2800 Euro monatlich bezahlen müsse. Das seien 15.000 Euro im Jahr mehr als bisher. Da die Enztalbahn auch durch Teile des Enzkreises und des Stadtgebiets Pforzheim fährt, sind diese Kommunen und Kreise ebenfalls von der Kostenerhöhung betroffen.

Wer aber genau jeweils wie viel Geld für den Betrieb der Enztalbahn bezahlt, will der Sprecher des Verkehrsministeriums nicht aufschlüsseln: „Wir bitten um Verständnis, dass wir keine Einzelheiten aus Verkehrsverträgen oder Mitfinanzierungsvereinbarungen zitieren können. Dies gebietet der Vertrauensschutz gegenüber den Vertragspartnern.“

Der Landkreis Calw geht im Gegensatz zum Land transparenter mit den Zahlen um. 40.500 Euro fließen seit Jahresanfang pro Monat aus dem Landkreis Calw in den Betrieb der Enztalbahn. Der Landkreis selbst trägt 50 Prozent der Kosten (20.250 Euro), die Stadt Bad Wildbad 43 Prozent (17.415 Euro) und Höfen sieben Prozent (2835 Euro).

Autor: Nicole Biesinger