Erdarbeiten im Großen Wald bei Königsbach sorgen für Ärger
Königsbach-Stein. Königsbach-Stein. Dass in jüngerer Zeit relativ viel Erde in den Großen Wald bei Königsbach-Stein gebracht worden sein muss, darüber sind sich im Wesentlichen alle einig. Auseinander gehen die Meinungen allerdings mit Blick auf den Umfang und den Zweck der Aktion. Gleich mehrmals ist das Thema in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats aufgetaucht: sowohl in der Bürgerfragestunde als auch bei den Anfragen der Gremiumsmitglieder.
Imke Querengässer (Bürgerliste) sieht aktuell „zahlreiche offene Fragen, die einer dringenden Klärung bedürfen“. Am Ende der Sitzung stellt sie daher den Antrag, das Thema in der kommenden Sitzung öffentlich zu behandeln, die Bürger umfassend zu informieren und den Ratsmitgliedern die Möglichkeit zum Nachfragen zu geben. Querengässer möchte unter anderem wissen, warum das Ganze im Forstbericht nicht vorkam, den der Revierförster im Herbst im Gemeinderat erstattet hat. Zudem interessiert sie, warum der Gemeinderat im Vorfeld weder informiert noch in die Entscheidung eingebunden wurde.
Laut Bauamtsleiter Sören Rexroth handelt es sich um „eine Maßnahme des Forstamts“ mit dem Ziel, Maschinenwege an zwei Stellen „nach forstlichen Gesichtspunkten zu ertüchtigen“. Damit sie tragfähig bleiben, komme dafür steiniges Material zum Einsatz, das beprobt und vom Landratsamt freigegeben sein soll. Aus Thomas Kauchers (FWV) Sicht ist die Aktion auch deshalb „nicht ganz ideal“ über die Bühne gegangen, weil es beim Anliefern des Materials aufgrund der Witterung „etwas feuchter“ war. Handwerklich sei nichts dagegen zu sagen, erklärte Kaucher, der die Gemeinderatssitzung in Vertretung für Bürgermeister Heiko Genthner leitete und in der ersten Februar-Hälfte von den Vorgängen erfahren hatte. Kaucher ging am Dienstagabend davon aus, dass die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind und bei gutem Wetter noch eine Verbesserung der Oberfläche aussteht. Aus Querengässers Sicht kann allerdings „keineswegs von einer Ertüchtigung“ die Rede sein, denn nach ihren Angaben existierte an der betreffenden Stelle bislang nur ein alter Forstweg, der bis zu den Arbeiten streckenweise kaum als solcher zu erkennen und nur rund 3,5 Meter breit gewesen sein soll. Querengässer versteht nicht, warum in dem Gebiet „jetzt überhaupt in solchen Dimensionen ein Weg“ entsteht. Ein Weg, der ihren Angaben zufolge 200 bis 300 Meter in den Wald führt und dann „blind in einem unbefestigten Matschweg“ endet. Zudem soll er ihren Angaben zufolge jetzt wesentlich breiter sein als vorher: „in weiten Strecken sechs Meter, teilweise acht bis zehn Meter“.
Sorgen macht sich Querengässer auch um den besonders geschützten Feuersalamander, dessen Vorkommen sie in dem Gebiet nicht ausschließen kann. Sie befürchtet, dass Tiere bei den Arbeiten von Erde begraben worden sein könnten, während sie sich in Winterstarre in kleinen Löchern am Rand des alten Wegs zurückgezogen hatten. Auch in der Bürgerfragestunde wurden die Erdbewegungen angesprochen. Die Rede war von mehreren Hundert Lastwagen, von großen Steinbrocken und von einer Großbaustelle in Pforzheim, von der das Material angeblich stammen soll. Ob das tatsächlich so ist, bleibt zumindest vorerst offen.
Auf PZ-Nachfrage erklärt das für den Forst zuständige Landratsamt: „Es ist richtig, dass uns zwischenzeitlich Fragen aus dem Gemeinderat bezüglich der Arbeiten im Bereich der ehemaligen Deponie im Großen Wald erreicht haben.“ Zu den Arbeiten selbst, zu den Gründen und den Verantwortlichen sagt die Behörde nichts. Man wolle den inhaltlichen Austausch zunächst direkt mit der Gemeinde führen. „Wir werden die offenen Fragen zeitnah beantworten und gehen davon aus, dass sich die Fragen klären lassen“, heißt es.
Die Bürgerliste sieht „einen sehr großen Informations- und Klärungsbedarf“. Von der Verwaltung verlangt sie, dem Gemeinderat alle im Zusammenhang mit den Arbeiten stehenden Unterlagen zukommen zu lassen, auch das aus ihrer Sicht nötige artenschutzrechtliche Gutachten.
