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Keltern -  12.10.2026
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Erst Höhenkammer, dann Titeljagd: Moritz Augensteins ungewöhnliche WM-Vorbereitung

Bahnradprofi Moritz Augenstein aus Dietlingen hat sich ganz besonders auf die WM in China vorbereitet. Für die kommende Saison steht für den 29-Jährigen eine Veränderung an.

Radsport/Bahn: Europameisterschaft
Nach dem EM-Titel im Madison Anfang des Jahres mit Roger Kluge (links) will der Dietlinger Moritz Augenstein nun auch bei der WM in Shanghai um eine Medaille mitfahren. Foto: picture alliance/dpa/Roth

Moritz Augenstein hat für die Bahnrad-Weltmeisterschaft in Shanghai nichts dem Zufall überlassen. Der 29-Jährige aus Dietlingen bereitete sich sogar in einer Höhenkammer in den eigenen vier Wänden auf die Titelkämpfe in China (14. bis 18. Oktober) vor. Dort will der amtierende Scratch-Weltmeister nach seinem sensationellen Gold-Coup bei seiner WM-Premiere im vergangenen Jahr erneut aufs Podest fahren – am besten natürlich wieder einen Titel holen.

Für seinen Traum von einer weiteren WM-Medaille ging Moritz Augenstein buchstäblich in die Höhe – und das, ohne sein Zuhause zu verlassen. Zweieinhalb Wochen lang verbrachte der 29-Jährige aus Dietlingen einen Großteil seiner Zeit in einer eigens installierten Höhenkammer.

Doch was hat es mit der ungewöhnlichen Vorbereitung auf sich? In einer Höhenkammer werden die Sauerstoffbedingungen großer Höhen künstlich simuliert. Leistungssportler nutzen diesen Effekt, um ihren Körper an die dünnere Luft zu gewöhnen und ihre Ausdauerleistungsfähigkeit zu verbessern. „Dem Raum wird durch einen Generator Sauerstoff entzogen“, erklärt Augenstein gegenüber der PZ.

Ungewöhnliches Umfeld

Trainiert hat der Radprofi in der Höhenkammer allerdings nicht. Stattdessen wurde sie für zweieinhalb Wochen zu seinem Lebensmittelpunkt. Hier verbrachte er die Tage und Nächte, hier schlief und erholte er sich. „So richtig merken tut man nichts“, erzählt Augenstein über das ungewöhnliche Umfeld in den eigenen vier Wänden.

Der positive Effekt machte sich dafür beim anschließenden Höhentrainingslager in der Sierra Nevada bemerkbar. „Die Anpassung fällt einem dann dort viel leichter. Deswegen habe ich die Höhenkammer auch bei mir daheim installiert“, erklärt der Dietlinger, der einst für den RSV Schwalbe Ellmendingen in die Pedale trat und derzeit für den RSV Irschenberg startet.

Auch Benni Boss dabei

Neben dem Trainingslager in Spanien stand für Augenstein zuvor noch ein Lehrgang in Frankfurt/Oder auf dem Programm. Seit vergangenem Mittwoch befindet sich der Bahnradprofi nun mit seinen Nationalmannschaftskollegen in Shanghai. Mit dabei ist auch Benjamin Boos, der ebenfalls einst für Schwalbe Ellmendingen fuhr.

„Ich fühle mich gut. Die Vorbereitung lief super“, sagt Augenstein wenige Tage vor dem WM-Start. Dass er nach seinem Triumph im vergangenen Oktober nicht mehr als Außenseiter, sondern als amtierender Weltmeister anreist, lässt ihn ziemlich kalt. „Ich spüre keinen Druck. Noch bin ich relativ entspannt. Am Wettkampftag wird die Nervosität wohl steigen. Aber aus der Ruhe bringt mich ja sowieso nichts so schnell“, sagt der 29-Jährige gelassen.

Seinen WM-Titel im Scratch wird Augenstein allerdings nicht verteidigen können. Nicht etwa, weil er darauf keine Lust hätte, sondern weil er in dieser Disziplin gar nicht erst an den Start geht. „Es passt nicht so gut vom Ablaufplan“, erklärt er.

Stattdessen richtet der Dietlinger seinen Fokus auf zwei andere Disziplinen: Am Freitag greift er im Punktefahren an, am Sonntag steht das Madison gemeinsam mit seinem Partner Roger Kluge auf dem Programm.

Noch Rechnung offen

Gerade im Zweier-Mannschaftsfahren haben die beiden noch eine Rechnung offen. Bei der vergangenen WM in Santiago de Chile sorgte ein Punktechaos für mächtig Ärger. Nach einer Entscheidung der UCI-Kommissare verloren Augenstein und Kluge eine bereits sicher geglaubte Medaille und mussten sich letztlich mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. Nun wollen sie einen neuen Anlauf nehmen – und diesmal soll es mit Edelmetall klappen.

Entsprechend groß ist die Motivation. „Ich werde alles geben, mal schauen, was am Ende dabei herausspringt. Bei einer WM kann vieles passieren. Man braucht einen guten Tag und auch etwas Glück“, sagt Augenstein. Sowohl im Punktefahren als auch im Madison rechnet er sich „gute Chancen“ auf einen Podestplatz aus.

Olympia 2028 fest im Blick

Zusätzlichen Ansporn liefert der Blick in die Zukunft. Denn bei den Titelkämpfen in China geht es nicht nur um WM-Medaillen, sondern auch um wichtige Punkte für die Olympia-Qualifikation. Die Sommerspiele 2028 in Los Angeles sind das große Fernziel des Dietlingers. „Das ist mein nächstes Ziel“, sagt Augenstein. Ein erfolgreiches Abschneiden in Shanghai würde wichtige Punkte für die Qualifikation geben.

Eine Veränderung steht für den Bahnradprofi nach der Saison derweil schon fest. Augenstein wird künftig für das Schweizer Birchmeier-Cycling-Team an den Start gehen. Nach einer Anfrage des Teams entschied er sich für die neue Herausforderung. Die Mannschaft konzentriert sich vor allem auf Wettkämpfe auf der Bahn – und bietet dem Europameister und mehrfachen deutschen Meiter damit beste Voraussetzungen für seine weiteren sportlichen Ambitionen.

Doch erst einmal gilt die volle Konzentration der WM in Shanghai. Dort will Augenstein erneut für Furore sorgen – und vielleicht auch den zahlreichen Radsportfans seines Heimatvereins RSV Schwalbe Ellmendingen, die vor den Bildschirmen mitfiebern dürften, wieder Grund zum Jubeln geben. Die WM-Rennen mit Moritz Augenstein werden bei Eurosport und im Livestream bei Discovery+ übertragen.