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Enzkreis -  23.05.2019
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Erste Zeugen im Paulus-Prozess sagen aus: Was die Nachbarn in der Mordnacht beobachteten

Birkenfeld-Gräfenhausen/Karlsruhe. Am dritten Prozesstag im Mordfall Simon Paulus hat sich ein weiterer Mitangeklagter, ein 42-jähriger Deutscher, vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Karlsruhe geäußert. Außerdem kamen die ersten Zeugen zu Wort: die 80-jährige Vermieterin des Opfers und ihr Schwiegersohn, der am Tatabend mit seinem Hund draußen war.

Fotos: Meyer
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Drei Verhandlungstage gab es bisher im Fall Simon Paulus.
Drei Verhandlungstage gab es bisher im Fall Simon Paulus.
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Am zweiten Verhandlungstag im Fall Simon Paulus sagte ein 27-jähriger Deutscher (hinten rechts) aus.
Am zweiten Verhandlungstag im Fall Simon Paulus sagte ein 27-jähriger Deutscher (hinten rechts) aus.
Fotos: Meyer
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Die Schilderungen des 42-jährigen Mitangeklagten über den Tatabend:

Er soll dem Hauptangeklagten geholfen haben, die Leiche des 50-jährigen Büchsenmachers sowie knapp 30 Waffen des Opfers aus der Wohnung in Gräfenhausen abzutransportieren.

Er sei an jenem 29. August 2018 im Fitnessstudio gewesen, bevor ihn der Hauptangeklagte, ein 30-jähriger Italiener, dort abgeholt und mit in seine Pforzheimer Wohnung genommen haben soll. Er solle ihm helfen und etwas erledigen, habe der 30-Jährige dem Deutschen erklärt. Gemeinsam seien sie im Wagen des Italieners nach Gräfenhausen gefahren, wo der Haupttatverdächtige dem 42-Jährigen ein Haus gezeigt habe. Dann habe er im Auto am Ortseingang warten sollen, während der 30-Jährige zu Fuß dorthin ging. Er habe keine Uhr dabei gehabt, sagte der Mitangeklagte vor Gericht, aber er schätze, eine halbe Stunde später habe der Italiener über ein Walkie-Talkie gesagt: „Wir sind fertig, komm schnell.“

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 [ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]

Der 42-Jährige sei mit dem Auto zurück zum gezeigten Haus. Dort sei Simon Paulus vor der Wohnung in einem Beet gelegen. Ob er tot sei, habe der Deutsche gefragt, der Italiener soll das bejaht haben. Am Eingang zur Wohnung hätte der 30-Jährige bereits die Waffen hingelegt. Gemeinsam hätten sie die Leiche und die Waffen in den Wagen des Italieners geschafft, berichtete der Deutsche vor dem Landgericht. Die Waffen hätten sie anschließend in die Garage der Eltern des Italieners gebracht. Dann sei zwei Wochen Funkstille gewesen.

Im Anschluss an die Äußerungen des 42-Jährigen sagten die ersten Zeugen vor der Schwurgerichtskammer aus.

Was die 80-jährige Vermieterin mitbekam:

Die ältere Frau bewohnte die Wohnung über Simon Paulus. Sie habe den Büchsenmacher am 29. August am frühen Abend noch beim Gießen getroffen und mit ihm gesprochen – es sei alles wie immer gewesen. Am Abend selbst habe sie – anders als ihr Schwiegersohn, der zu später Stunde noch mit seinem Hund draußen war – nichts mitbekommen, erst wieder am nächsten Morgen.

Sie habe sich gewundert, warum das Auto von Paulus am Vormittag noch vor dem Haus stand. Normalerweise sei er zu dieser Zeit bereits bei der Arbeit. Außerdem seien die Rollläden noch unten gewesen. Vor dem Eingangsbereich von Paulus' Wohnung seien Blumenkübel umgeworfen gewesen. Sie habe sich gewundert, dann aber angefangen, den Dreck wegzufegen – nichtsahnend, dass dies Spuren waren, die für die Ermittler der Kriminalpolizei später möglicherweise wichtig werden würden.

Wen und was der 59-jährige Nachbar am Abend sah:

Der 59-jährige Schwiegersohn der Vermieterin wohnt genau gegenüber von Paulus' Anwesen. Gegen 21.30 Uhr sei er am 29. August mit seinem Hund Gassi gegangen. Als er das Haus verließ, sei alles normal gewesen. Eine halbe Stunde später kam er zurück – und wunderte sich über ein unbekanntes silbernes Auto, das direkt vor der Einfahrt von Simon Paulus parkte.

Der Kofferraum sei geschlossen gewesen, allerdings habe er im hinteren, schwer einsehbaren Eingangsbereich zur Wohnung leuchtende Taschenlampen gesehen. Man hätte ihn bemerkt, dann seien die Lampen ausgegangen und zwei Männer, die Kapuzen ins Gesicht gezogen hatten, ins Auto gestiegen. Einmal hätten sie den Wagen abgewürgt, dann seien sie weggefahren. Weil dem Nachbar die Situation derart merkwürdig vorkam, notierte er sich das Speyrer Kennzeichen des Fahrzeugs.

Was sonst am Donnerstag am Prozesstag geschah:

Am Vormittag wurden zudem Vernehmungsprotokolle von den anderen beiden Beschuldigten, einem 27-jährigen Deutschen und einem 26-jährigen Griechen, verlesen. Dabei ging es unter anderem um die zweite geplante Tat. Der Italiener und die beiden sollen laut Staatsanwaltschaft geplant haben, eine 60-Jährige im Enzkreis zu töten, um an ihr Erbe zu kommen.

Rückblick: Aussagen des 27-jährigen Deutschen am zweiten Prozesstag

"Du musst mir noch was helfen" – mit diesen lapidaren Worten habe ihn der 30-jährige Hauptbeschuldigte im Mordfall Paulus mit in den Hagenschieß genommen. Das sagte der 27-jährige Mitangeklagter am 13. Mai vor dem Karlsruher Landgericht aus. Gemeinsam hätten sie Ende August vergangenen Jahres die Leiche des Gräfenhausener Büchsenmachers vergraben. Sein Freund habe ihm gegenüber eingeräumt, diesen getötet zu haben. Und auch einen Berg Waffen habe er ihm anschließend in einer Garage gezeigt.

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Autor: ir/ben