Falsch befüllte Biotonnen: 1500 Pforzheimer erhalten Post vom Amt
Pforzheim. Zuletzt verstärkt weist die Pforzheimer Stadtverwaltung öffentlich auf ihren Kampf gegen Störstoffe im Bioabfall hin. Aus gutem Grund: Zu viele Fehler können der Kommune mächtig Ärger bereiten, denn seit dem Frühjahr dürfen Verwerter jene Lastwagen wieder vom Hof schicken, deren Fracht zu stark verunreinigt ist. Deshalb linst den Pforzheimern ein auf Künstlicher Intelligenz basierendes System der Firma C-Trace in die Tonnen und schlägt oft Alarm.
Als wie alltagstauglich erweist sich das eingesetzte C-Trace-Modell?
Es zeige sich „im Alltag grundsätzlich stabil“ und liefere gute Bildauswertungen, berichtet die städtische Sprecherin Emma Teuscher: „Zugleich muss betont werden, dass es sich um eine lernende Technologie handelt, die kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert werden muss.“


Welche Erkenntnisse zur Qualität des Biomülls und zur Sorgfalt der Pforzheimer hat es bislang erbracht?
Pforzheims Bürgerinnen und Bürger seien „überwiegend interessiert und bemüht“, ihre Abfälle korrekt zu trennen, so Teuscher. Auffällig sei jedoch, dass biologisch abbaubare Plastiktüten, sogenannte BAW-Beutel, in den Biotonnen landen. „Diese gehören nicht hinein, da sie die Aufbereitung erschweren.“ In solchen Fällen seien einfache Aufklärungsgespräche hilfreich, die oftmals telefonisch geführt würden.
Wie oft werden falsch bestückte Biotonnen enttarnt, wie ist die Quote zwischen korrekt und falsch befüllten Tonnen?
Eine pauschale Quote sei nur schwer anzugeben, da das Verhältnis stark von der jeweiligen Anzahl bereitgestellter Tonnen abhänge. Grundsätzlich zeige sich, dass „die allermeisten Tonnen“ korrekt befüllt würden. Seit Anfang des Jahres habe die Abfallwirtschaft rund 1500 Informationsschreiben an Bürger verschickt, in denen auf eine fehlerhafte Befüllung hingewiesen wurde. Die Sprecherin stellt heraus: „Ziel dieser Anschreiben ist es nicht, zu sanktionieren, sondern Hinweise zu geben und für die richtige Handhabung der Biotonne zu sensibilisieren.“
Wie wird vor Ort verfahren, wenn eine falsch befüllte Tonne auffällt? Lässt man sie stehen?
Das nicht. Aber der Vorgang werde dokumentiert, und die betroffenen Bürger erhalten eben ein solches Anschreiben mit Hinweisen sowie einer Telefonnummer, unter der sie Beratung erhalten können. Zudem gebe es unmittelbare Gespräche – telefonisch wie persönlich vor Ort.
Wurden schon Knöllchen verteilt und wenn ja: Wie viele? Und gilt das dann als Ordnungswidrigkeit?
Die Abfallwirtschaft setze in erster Linie auf Information und Beratung, unterstreicht Teuscher. Ziel sei, die Bürger „bei der korrekten Abfalltrennung zu unterstützen und nicht zu sanktionieren“. Eine falsch befüllte Biotonne könne zwar grundsätzlich eine Ordnungswidrigkeit darstellen, in der Praxis stehe jedoch die Aufklärung im Vordergrund.
Wie wird öffentlich aufgeklärt?
Bei der Aufklärung setze die Abfallwirtschaft auf eine breite Öffentlichkeitsarbeit in Schulen, Kindergärten, auf Plakaten im Stadtgebiet und sogar in Kinospots. Auf www.abfallwirtschaft-pforzheim.de finden sich Informationen und Tipps zum richtigen Befüllen der Biotonne.
Was sind die größten Fehler, die man beim Befüllen der Biotonne machen kann?
Die häufigsten Fehler seien das Einwerfen eben solcher BAW-Beutel sowie von Restabfällen verschiedenster Art. „Viele Bürgerinnen und Bürger möchten es eigentlich richtig machen, greifen aber zum falschen Hilfsmittel“, so Teuscher. Für Bioabfälle sollten Papiertüten verwendet werden, die es im Einzelhandel gibt. Ebenso sei es sinnvoll, Bioabfälle locker einzufüllen, den Behälter regelmäßig zu entleeren und feuchte Küchenabfälle mit Papier auszulegen, um Geruchs- oder Hygieneprobleme zu vermeiden.
Werden Maßnahmen gegen falsches Entsorgen verschärft?
Die Anforderungen an die Qualität des Bioabfalls werden künftig bundesweit strenger geregelt, erläutert die Sprecherin. Mit der seit 1. Mai in Kraft getretenen Novelle der Bioabfallverordnung hätten die Betreiber von Kompostierungs- und Vergärungsanlagen ein erweitertes Rückweisungsrecht. „Das bedeutet, dass angelieferte Bioabfälle, die zu stark mit Störstoffen wie Plastik, Glas oder Metallen verunreinigt sind, nicht mehr angenommen werden müssen.“ Diese Regelung unterstreiche die besondere Bedeutung einer sauberen Getrenntsammlung. Denn nur wenn Bioabfälle möglichst frei von Fremdstoffen seien, könnten sie „hochwertig verwertet“ und als Kompost oder Biogas genutzt werden. „Für die Kommunen und die Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies, dass auf eine noch sorgfältigere Trennung zu achten ist.“ Deshalb sei das Projekt zur Erprobung der KI-gestützten Tonnenerkennung nicht befristet, sondern werde fortlaufend begleitet und ausgewertet.
