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Nordschwarzwald -  28.05.2021
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Familienvater aus dem Nordschwarzwald soll Nichte missbraucht haben: „Diese Jahre haben mich kaputt gemacht“

Tübingen. Im Tübinger Prozess um einen 44-jährigen Familienvater aus der Region Nordschwarzwald, dem vorgeworfen wird, sich über viele Jahre hinweg immer wieder an seiner Nichte vergangen zu haben, hat am Donnerstag Gutachterin und und forensische Psychiaterin Marianne Clauß vor der Jugendstrafkammer die Aussagen des inzwischen 16-jährigen Mädchens bewertet.

Den Rat der Freundin, sich der Mutter zu offenbaren, beherzigte das Mädchen schließlich. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Den Rat der Freundin, sich der Mutter zu offenbaren, beherzigte das Mädchen schließlich. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Verlesen wurde dabei auch ein handschriftlicher Bericht des Mädchens, der zu Beginn der Ermittlungen, Ende 2018, an dessen Therapeutin gerichtet worden war. Einen „Alptraum“ habe sie erlebt, und „diese Jahre haben mich kaputt gemacht“, heißt es darin. In dem Brief bestätigt die Jugendliche vor allem auch den Übergriff aus dem Jahr 2018. Eine der Taten, hatte der Angeklagte schon beim ersten, wegen Corona geplatzten Prozess eingeräumt. Allerdings sei das eine kurze, kleine Grenzüberschreitung beim Kuscheln gewesen, über die er selbst erschrocken gewesen sei, wie er sagte.

Die Gutachterin wertete die Aussagen des „schwer depressiven“ Mädchens als glaubwürdig. Zudem habe es einen kritischen Punkt gegeben, im direkten Zusammenhang zum jüngsten Vorfall: Im Kinderzimmer der damals 13-Jährigen hatte im Herbst 2018 ihr damaliger Freund die Grenzen wohl so heftig überschritten, dass er nach einer Anzeige der Mutter wegen Vergewaltigung zu einer Jugendstrafe verurteilt worden war. Dieser Vorfall war auch Thema von Gesprächen unter der Geschädigten und einer Freundin im November 2018 gewesen, bei denen dann auch die Sache mit dem Onkel aufgekommen sei. Den Rat der Freundin, sich der Mutter zu offenbaren, beherzigte das Mädchen schließlich. Mit der Zeit „überschlugen sich die Ereignisse“, so die Gutachterin, und das jetzige Verfahren sei ins Rollen gekommen. Die Gutachterin hielt es für ausgeschlossen, dass sich die Jugendliche die in sich stimmigen Details der Missbrauchsvorfälle ausgedacht haben könnte.

Nach den Plädoyers soll am kommenden Dienstag das Urteil der Jugendstrafkammer verkündet werden.

Autor: Martin Bernklau