Fast eine Million Euro Fehlbetrag in Unterreichenbach: Gemeinde legt nach sechs Jahren ihre Finanzen offen
Unterreichenbach. Sechs Jahre Finanzgeschichte in einer Sitzung: Der Unterreichenbacher Gemeinderat hat die noch offenen Jahresabschlüsse von 2020 bis 2025 festgestellt – allesamt einstimmig. Damit hat die Verwaltung einen jahrelangen Rückstand aufgearbeitet. Die Zahlen geben allerdings wenig Anlass zur Entspannung.
„Erstmals seit sechs Jahren haben wir wieder ein klares und auch ungeschöntes Bild davon, wo wir als Gemeinde finanziell tatsächlich stehen“, sagte Lukas Klingenberg. „Die finanziellen Spielräume sind extrem eng.“ Gleichzeitig ließen sich notwendige Investitionen in Pflichtaufgaben wie Feuerwehr und Kanalnetz nicht beliebig verschieben. Für die Aufarbeitung mussten laut Klingenberg rund 500 Buchungen nachgeholt werden.
Kämmerer Sascha Elsner sagte: „Das war wirklich ein Kraftakt für viele Leute hier im Haus.“ 2020 schloss noch mit einem Plus von rund 118.000 Euro. 2021 folgte ein Minus von rund 434.000 Euro. 2022 konnte mit einem Überschuss von rund 455.000 Euro der Fehlbetrag des Vorjahres ausgeglichen werden. Danach ging es wieder abwärts: 2023 standen rund 388.000 Euro Defizit zu Buche, 2024 rund 501.000 Euro und 2025 weitere 273.000 Euro. Ende 2025 summierten sich die Fehlbeträge auf knapp 987.000 Euro. Gleichzeitig stiegen die Verbindlichkeiten von gut drei Millionen Euro 2020 auf rund 5,75 Millionen Euro.
„Das ist schon sehr alarmierend“,
sagte Elsner.
Künftig müsse die Gemeinde Pflichtaufgaben priorisieren, Gebühren regelmäßig neu kalkulieren und Investitionen genau prüfen. Gemeinderat Karl-Heinz Kortus räumte ein, das Gremium hätte früher reagieren müssen. „Die Situation ist so, wie sie ist.“ Statt alte Positionen ausführlich zu diskutieren, gelte es, Konsequenzen zu ziehen. Gemeinderat Robin Kaiser sah auch eine Chance: „Ich glaube, dass es auch eine Chance sein kann, jetzt, wo man quasi alles mal auf dem Tisch hat.“ Nun könne untersucht werden, ob hohe Umlagen oder strukturelle Probleme die Gemeinde belasteten. Kritik gab es an der Finanzaufsicht des Kreises.
„Wo waren die?“, fragte Gemeinderat Carsten Göz, der ergänzte: „Die hätten viel früher Veto einlegen müssen, als die Jahresabschlüsse über Jahre ausblieben.“ Klingenberg wollte vor allem einen Schlussstrich unter offene Abschlüsse ziehen. Ganz geschafft ist die Aufarbeitung noch nicht: Sechs Abschlüsse des Eigenbetriebs Wasser fehlen. Sie sollen im Oktober/November folgen.
