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Pforzheim -  14.07.2026
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Feuerwache in Eutingen: Der Knoten platzt – vorerst

Pforzheim. Nach drei Vertagungen ist die erste Abstimmung für eine Feuerwache in Eutingen erfolgt. Das letzte Wort ist damit jedoch noch nicht gesprochen.

Über 20 Feuerwehrleute verfolgen die Debatte um die Feuerwache in Eutingen auf der Tribüne im Ratsaal. Hegel
Über 20 Feuerwehrleute verfolgen die Debatte um die Feuerwache in Eutingen auf der Tribüne im Ratsaal. Hegel Foto: Hegel

In dunkelblauen T-Shirts oder weißen Kurzarmhemden sitzen zu Beginn der Hauptausschusssitzung an diesem Dienstagnachmittag rund 30 Feuerwehrleute auf den Zuschauerrängen. Endlich soll in der sich immer wirrer gestaltenden Debatte um eine neue Feuerwache in Eutingen eine erste Abstimmung erfolgen.

Um das Pforzheimer Stadtgebiet besser abzudecken, braucht die Stadt eine weitere Feuerwache im Ortsteil Eutingen. Die Verwaltung hatte zunächst den Sportplatz neben der Turnhalle des TV Eutingen ins Auge gefasst und dem Verein dafür eine millionenschwere Ersatzanlage samt Mehrzweckgebäude mit Lager und Duschen angeboten. Doch der Turnverein lehnte ab und drohte mit einer Klage – woraufhin die Stadt auf den Dreschplatz umschwenkte, um einen Rechtsstreit zu vermeiden, der alles in die Länge zieht. Allerdings passt auch dieser Standort vielen Eutingern nicht. Eine Bürgerinitiative soll bereits um die 700 Unterschriften gegen die Feuerwache im Eutinger Ortskern gesammelt haben, wie die „BNN“ berichtet.

Axel Baumbusch (Grüne Liste) erinnert vor der Abstimmung daran, dass Eutingen keine eigenständige Gemeinde, sondern ein Stadtteil Pforzheims sei. Der Egoismus gehe dort so weit, dass man selbst den von der Stadt geschenkten Sportplatz samt Gebäude – der zudem näher an der Schule gelegen hätte – abgelehnt habe. „Man darf mich in Eutingen gerne teeren und federn, aber jetzt stellt man dort einen Parkplatz über den Menschenschutz“, sagt Baumbusch.

Janis Wiskandt (FDP) beantragt dagegen eine Vertagung der Abstimmung, um zunächst abzuwarten, wie der Ortschaftsrat in Eutingen am Mittwochabend entscheidet. Auch die AfD will sich erst einmal enthalten. Baubürgermeister Tobias Volle (parteilos) nennt das ein fatales Signal und drängt auf eine Abstimmung, um endlich ein Ergebnis herbeizuführen. Er sei ein unverbesserlicher Optimist und hoffe weiterhin, den TV Eutingen von seiner Klagedrohung abbringen zu können – damit doch noch ein neuer Sportplatz entstehen und die beste Lösung umgesetzt werden könne.

Erster Bürgermeister Dirk Büscher (CDU) bezeichnet die Feuerwache Ost als sein am höchsten priorisiertes Projekt. Noch am Dienstagabend ging an Ortschafts- und Gemeinderäte ein Faktencheck, erstellt von Büschers Mitarbeitern, heraus, in dem zuletzt von Eutinger Projektgegnern verbreitete Falschinformationen aufgegriffen und richtiggestellt wurden.

Demnach sei ein Bau an der B10 wegen der Trinkwasserversorgung der angrenzenden Quelle nicht nur illegal, sondern auch verantwortungslos. Das Insel-Areal am Enzufer falle dagegen nicht in dieselbe Schutzkategorie. Auch die von Stadtrat Andreas Sarow auf seinem Instagram-Kanal verbreitete Behauptung, allein der Ortschaftsrat Eutingen dürfe über den Bau einer Pforzheimer Feuerwache entscheiden, trifft nicht zu – ebenso wenig wie die Aussage, das Mahle-/Behr-Grundstück sei als Standort geeignet, da dort die Anfahrtszeiten verlängern. Gerade für die Freiwilligen Feuerwehrleuute.

Am Ende wird die Vorlage der Stadt mit acht Ja-Stimmen bei fünf Enthaltungen angenommen. Endgültig entscheiden soll nun kommenden Dienstag der Gemeinderat. Maximilian Müssle sagt, er hätte sich von der Bevölkerung gewünscht, der Feuerwehr mehr Wertschätzung entgegenzubringen.

Nach der ausgesprochenen Empfehlung des Hauptausschusses für die Gemeinderatssitzung rücken die Feuerwehrleute aus dem Ratssaal ab – und einen Schritt näher an die Feuerwache in Eutingen heran.

Der Streit um den Standort schwelt seit über einem Jahr. Sowohl der Bauausschuss als auch der Ausschuss für öffentliche Einrichtungen hatten zuvor jeweils auf eine Empfehlung an den Gemeinderat verzichtet. Viele Eutinger wollen den Dreschplatz als Park- und Festplatz erhalten – gefeiert wurde dort zuletzt allerdings 2024 und davor 2004.

Auch der Sportkreis Pforzheim Enzkreis appelliert an alle Beteiligten, den festgefahrenen Konflikt zu überwinden und die Diskussion wieder zu versachlichen. In einer Mitteilung wirbt der Vorsitzende Henry Wiedemann dafür, die ausgestreckte Hand des Gemeinderats zu nutzen und den Streit als Chance für alle Seiten zu begreifen.

Die Position des Sportkreises Pforzheim Enzkreis lässt sich laut dem Vorsitzenden Henry Wiedemann auf folgenden Nenner bringen: die ausgestreckte Hand nutzen, aus dem Konflikt eine Zukunftschance für den Sport, die Schule, die Feuerwehr und die gesamte Gemeinde machen.

Man respektiere, dass bei „interessenüberschneidenden Planungen“ unterschiedliche Interessen berührt würden und diese sorgfältig gegeneinander abzuwägen seien. Diese verdienten Respekt und eine sachliche Auseinandersetzung.

„Wir bedauern“, heißt es in einer Mitteilung an die PZ, „dass die Diskussion in den vergangenen Wochen zunehmend emotional geführt wurde, dazu hat mit Sicherheit auch eine nicht immer ausreichende und transparente Kommunikation beigetragen. Umso wichtiger ist es jetzt, den Dialog auf einer respektvollen und faktenbasierten Grundlage fortzuführen.“

Der Sportkreis verstehe sich als Interessenvertretung des organisierten Sports und als kompetenter Ansprechpartner für seine Mitgliedsvereine. Daher habe man dem TV Eutingen Unterstützung angeboten, „allerdings in beratender Funktion“.

Der Sportkreis versteht sich nach eigener Aussage als Brückenbauer zwischen den unterschiedlichen Positionen und möchte zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen. Erfreulich sei, dass aus dem Gemeinderat bereits der Vorschlag eingebracht wurde, die Errichtung eines neuen Sportplatzes mit erheblicher finanzieller Unterstützung der Kommune zu ermöglichen. Nach wie vor sei die Hand des Gemeinderats ausgestreckt, indem die Bereitschaft bestehe, sich finanziell an einer tragfähigen Lösung zu beteiligen.

„Der Sportkreis hält diesen Ansatz für eine ernsthaft prüfenswerte Grundlage, um die festgefahrene Diskussion wieder in eine konstruktive Richtung zu lenken.“

Man rege daher an, diesen Vorschlag seitens des TV Eutingen erneut gemeinsam aufzugreifen und zu bewerten.

Der Sportkreis würde sich zudem wünschen, dass der seit mehr als einem Jahrzehnt mehrfach geäußerte Gedanke einer Dreifeldsporthalle im Oberen Wörth aufgegriffen wird.

Man werbe dafür, die Chance zu nutzen, eine zukunftsorientierte Sportstättenentwicklung zu gestalten.

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