Feuerwehrübung unter Polizeischutz: 1000 Pforzheimer Hilda-Schüler und der pöbelnde Autofahrer
Pforzheim. Sie hupen und sie schimpfen: Wenn Einsatzkräfte der Feuerwehr bei Einsätzen oder Übungen Straßen zeitweise sperren müssen, liegen die Nerven bei Autofahrern teilweise blank. Jüngstes Beispiel: Für eine Feueralarmübung wurden am Montagvormittag die Schülerinnen und Schüler des Hilda-Gymnasiums evakuiert und unter Federführung der Pforzheimer Feuerwehr zum neuen Sammelpunkt auf der gegenüberliegenden Poststraße geleitet. Eigentlich ein Routineeinsatz. Wegen eines aggressiven Pöblers im vergangenen Jahr ist dieses Mal allerdings die Polizei mit dabei. Warum Einsatzkräfte wie Feuerwehr und DRK in Pforzheim trotzdem entspannt bleiben.
Größere Eskalationen blieben am Montag auf der Kiehnlestraße aus. Einige Autofahrer zeigten sich dennoch ungeduldig und hupten, während die Evakuierung lief – ungeachtet dessen, dass es sich um einen realen Feuerwehreinsatz hätte handeln können. Ein Feuerwehrmann sprach gegenüber der PZ von vergangenen Fällen, in denen gegen zwei Pöbler sogar Anzeigen wegen Beleidigungen erstattet wurde. Viele alltägliche Situationen, so der Deutsche Feuerwehrverband, würden von den Kameraden aber gar nicht offiziell gemeldet. Weil sie ohnehin nicht mit einer Strafverfolgung rechnen würden.
Ganz so schlimm, wie solche Fälle klingen, sei die Sache aber nicht, meint der Pforzheimer Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer. Dass die Polizei am Hilda-Gymnasium bei einer Evakuierungsübung mit dabei sei, liege daran, dass es im vergangenen Jahr bei der gleichen Räumungsaktion zu einem „bedrohlichen verbalen Disput“ zwischen einem Autofahrer auf der einen, und Lehrerinnen, Lehrern sowie Feuerwehrkräften auf der anderen Seite gekommen sei. Es handele sich um „absolute Einzelfälle“, so Fischer – und: „Es besteht kein alltägliches Problem.“ Wäre der Einsatz am Hilda-Gymnasium ein tatsächlicher Notfall gewesen, wäre die Polizei ohnehin vor Ort präsent, um großräumig abzusperren. Von „Polizeischutz“ möchte er gar nicht sprechen, eher von einer Absprache zwischen Feuerwehr und Polizei, die an Einsatzstellen immer eng zusammenarbeiten würden. Seine Kameraden seien in Deeskalation geschult.
Obwohl die Zahl der Gewaltfälle gegen Einsatzkräfte laut Bundeskriminalamt deutschlandweit steigt, äußerte sich zuletzt auch der DRK-Kreisverband Pforzheim/Enzkreis auf PZ-Nachfrage wenig empört. Anfang des Jahres, rund um Silvester, startete Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen Anlauf, um Angriffe auf Einsatzkräfte härter zu bestrafen. Der DRK-Kreisverband, der es wie die Feuerwehr regelmäßig mit Gaffern und einhergehend schwierigen Situationen zu tun hat, plädierte für Augenmaß. Härtere Strafen machten wenig Sinn, da das bisherige Höchststrafmaß von fünf Jahren bereits hoch angesetzt sei und so gut wie nie angewandt werde.
Es komme zwar immer wieder zu Übergriffen auf Einsatzkräfte, jedoch befänden sich viele Menschen in mentalen Ausnahmesituationen, unter Alkohol- oder Drogeneinfluss oder litten an psychischen Erkrankungen. In der Praxis bewähre sich bei verbalen Auseinandersetzungen vor allem die geschulte Deeskalationsstrategie.
