Förderung für Sonderschule: Landesministerin für Kultus, Jugend und Sport zu Gast in Ispringen
Ispringen. Die Schule am Winterrain in Ispringen, ein sonderpädagogisches Bildungs- und und Beratungszentrum (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, unterrichtet zu 70 Prozent Kinder mit Autismus. Tendenz steigend. Um allen Schülern gerecht werden zu können, nimmt die Bildungseinrichtung nun am Startchancen-Programm teil. Die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Theresa Schopper, war vor Ort, um sich ein Bild zu machen.
Startchancen-Programm
Anfang Oktober fand der Auftakt zum sogenannten Startchancen-Programm – in Baden-Württemberg als Startchancen BW bezeichnet – statt. Mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro fördern Bund und Land Baden-Württemberg ab nächstem Schuljahr (2025/2026) rund 540 Schulen. Darunter die Schule am Winterrain in Ispringen. Es sollen Fortbildungen finanziert, eine wissenschaftliche Begleitung eingeführt sowie multiprofessionelle Teams mit konstantem Personal ermöglicht werden. In Zukunft möchte die Schule das Angebot um eine Autismustherapie erweitern und über eine Erziehungspartnerschaft die Eltern entlasten. Mit Blick auf den therapeutischen und systemischen Aspekt entstehen positive Veränderungen in Ispringen.
Autismus in der Region
Autisten verarbeiten Reize aus der Umwelt anders. Im Fachjargon wird von einer Neurodivergenz gesprochen. Einige Betroffene sind gemäß Sophie Schwartz, Lehrkraft Lernstudio, im Unterricht „gut händelbar, andere brauchen eine 1:1-Betreuung“. Dies ist abhängig davon, in welchem Umfang der Autismus ausgeprägt ist. Mit Blick auf die unterschiedlichen Formen der Entwicklungsstörung kann jedes Kind als individueller Fall mit abweichenden Bedürfnissen betrachtet werden. Die genetisch bedingte Erkrankung trägt der Betroffene dabei seit Geburt in sich. Diagnostiziert wird es meist viel später. „Je früher die Feststellung, desto besser gelingt die Teilhabe“, bemerkt Schwartz. In der Schule am Winterrain richtet sich die Förderung nach dem sozial-emotionalen Entwicklungsalter.
Als „Gamechanger“ bezeichnet Schwartz die sogenannte Skala der emotionalen Entwicklung. Mithilfe deren lassen sich die Kinder einordnen und gezielt unterstützen. Wichtig sind gemäß den Lehrkräften eine intensive Interaktion und gleichbleibende Bezugspersonen. Ohne letztere fallen einige Schützlinge in eine tiefe Krise. Der PZ wurde von Beispielen berichtet, in denen Betroffene völlig außer sich und nur schwer zu beruhigen waren. Laut Rektorin Kaiser-Coly seien manche Kinder selbst-, andere wiederum fremdgefährdend. Hier stießen die Lehrkräfte – zwei Drittel Sonderpädagogen und ein Drittel Fachlehrkräfte – an ihre Grenzen. Der Arbeitsumfang sei für zwei Lehrer pro sechsköpfiger Klasse zu hoch. Unter anderem Jana Schönberg, Stufenleitung, betreut die Kinder zum Teil mehrere Stunden am Stück, ohne eine Pause machen oder auf Toilette gehen zu können. Besonders „in der Grundschule steppt der Bär“, betont Konrektorin Simone Ruf. Ein erster Schritt in der Vergangenheit war es aus anderen internen Bereichen Kollegen zu engagieren. Damit verbunden sei ein hoher Koordinationsaufwand, wie Kaiser-Coly bemerkt. Nun soll mit dem Startchancen-Programm die Schule eine Hilfe vom Land erhalten.
Besuch von Kultusministerin
Wie sich im Gespräch mit der PZ ergab, legt Theresa Schopper Wert darauf, den Alltag hiesiger Bildungseinrichtungen kennenzulernen. „Jeder Schulbesuch bringt einen weiter“, sagt sie. Deshalb entschied sich Schopper für einen relativ spontanen Besuch in Ispringen. Neben ihr fanden sich an diesem Donnerstag der Ministerialrat Hubert Haag, die Regierungsschuldirektorin Nadine Hielscher-Füeß, der leitende Schulamtsdirektor Volker Traub, die Schulrätin Jutta Bäzner, Landrat Bastian Rosenau und Dezernent Frank Stephan an der Schule am Winterrain ein. Vom SBBZ nahmen Rektorin Christine Kaiser-Coly, Konrektorin Simone Ruf, Stufenleitung Jana Schönberg und Sophie Schwartz, Lehrkraft des Lernstudios teil. Nach einem kurzen Einblick in die Lernsituation der Schülerschaft mit sehr niedrigem sozial-emotionalen Entwicklungsalter fand ein Besuch in anderen Schulräumen statt. Bei einer als Speed-Talking bezeichneten Runde folgte anschließend der direkte Kontakt zu den Kindern, die eine schwähere Form des Autismus haben. Zuletzt wurde in kleiner Runde über die Zukunft diskutiert.
Was genau sind sonderpädagogische Schulen?
Sonderpädagogische Schulen sind Schulen, an denen unter anderem Kinder mit Lernproblemen, Entwicklungsverzögerungen und schweren Mehrfachbehinderungen auf individuelle Weise unterrichtet werden können. Pädagogen und Pädagoginnen geben entsprechende Hilfestellungen für eine schulische oder berufliche Eingliederung. Ziel ist es die fachlichen und überfachlichen Kompetenzen der Schüler zu erweitern und sie beim Erreichen des für sie bestmöglichen Bildungsgrads zu unterstützen. Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren unterscheiden sich durch verschiedeneFörderschwerpunkte wie Lernen, geistige Entwicklung, Hören, körperliche und motorische Entwicklung. Außerdem gibt es eine Besonderheit mit Blick auf die Finanzierung der Schule: Während die Stadt Pforzheim beispielsweise Realschulen selbst trägt, werden sonderpädagogische Schulen vom Landkreis finanziert. Viele Kinder aus Sonderschulen benötigen nämlich spezielle Transportmittel und Unterrichtsmaterialien, welche die Schule anschaffen muss.
