Folgen der Hitze in Mühlacker: Warum junge Bäume jetzt bis zu zehn Jahre Wasser brauchen
Mühlacker. Braune Rasenflächen, Schäden an Gehölzen und selbst Präriestauden, die zusätzlich versorgt werden müssen: Die heißen Wochen haben in den Enzgärten Spuren hinterlassen. Wie sehr sich die Grünpflege verändert hat – und warum 150 Liter Wasser pro Baum und Woche nur das Minimum sind.
Die ganz große Hitze ist erst einmal vorbei, die Temperaturen sind inzwischen zurückgegangen. In den Enzgärten aber haben die vergangenen Wochen deutliche Spuren hinterlassen. Das Gras hat vielerorts seine satte Farbe verloren, Stauden blühen weniger prächtig als sonst und mancher Baum wirft bereits Blätter ab. Die Böden seien „extrem trocken“, sagt Vanessa Roller von der Rats- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Mühlacker. Messungen zur Bodenfeuchte führt die Stadt nicht durch. Wie sehr der fehlende Niederschlag dem Erdreich zugesetzt hat, lässt sich dennoch erkennen: An einigen Stellen haben sich Risse gebildet. Auch an Bäumen und anderen Gehölzen sind laut Stadt bereits Schäden sichtbar. Auf die Frage, welche Bereiche besonders betroffen seien – Rasenflächen, Bäume, Stauden, Blumenbeete oder Neupflanzungen –, antwortet Roller knapp: „Alle.“
150 Liter pro Baum und Woche
Vor allem die Bäume benötigen Unterstützung. Exemplare, die von der Stadt zusätzlich versorgt werden, erhalten nach Angaben Rollers einmal pro Woche rund 150 Liter Wasser. Doch selbst diese Menge bezeichnet sie lediglich als „Minimum“. Mehr sei aufgrund der personellen Möglichkeiten nicht zu schaffen.
Wie sehr die extremen Witterungsbedingungen die Pflege des Stadtgrüns verändert haben, zeigt ein Vergleich mit früher. Einst wurden Bäume vom Pflanzjahr bis zum dritten Standjahr gegossen. Mittlerweile begleitet die Stadt sie erheblich länger.
„Durch die extreme Trockenheit und Hitze gießen wir Bäume bis zum zehnten Standjahr“, sagt Roller.
Auf diese Weise sollen unter anderem jene Bäume erhalten werden, die künftig Schatten spenden.
Das benötigte Nass kommt zum einen aus der Leitung, zum anderen greift die Stadt auf drei Brunnen-Zapfstellen der Stadtwerke Mühlacker in Mühlhausen, Lienzingen und Lomersheim zurück. Fließgewässer standen als Quelle dagegen nicht zur Verfügung: Zum Zeitpunkt der Auskunft war die Entnahme nach Angaben der Stadt bereits seit einigen Wochen nicht mehr erlaubt.
Der zusätzliche Pflegeaufwand beschränkt sich nicht auf die Bäume. Auch die Präriestaudenflächen mussten versorgt werden. „Selbst denen muss in dieser Zeit geholfen werden“, sagt Roller. Dass dennoch nicht jede Pflanze unbeschadet durch den Sommer kommt, lässt sich nach Einschätzung der Stadt kaum vermeiden. Mit einzelnen Ausfällen sei zu rechnen. Ersetzt werden sollen betroffene Pflanzen allerdings erst im Herbst oder im kommenden Frühjahr.
Robustere Pflanzen
Auf die veränderten Bedingungen reagiert Mühlacker nicht erst seit diesem Sommer. Nach Angaben Rollers setzt die Stadt bereits seit Jahren verstärkt auf trockenheitsresistente Pflanzen. Die Wechselbepflanzung aus Zeiten der Gartenschau in den Enzgärten wurde durch dauerhafte, vergleichsweise robuste Stauden ersetzt. Bei Neuanlagen werden zudem, soweit möglich, Bewässerungssysteme eingebaut. Als Beispiel nennt Roller den Marktplatz in Dürrmenz.
Auch bei neu gepflanzten Bäumen wird vorgesorgt. Sie erhalten einen Weißanstrich am Stamm, der nicht nur bei Kälte und Frost schützen, sondern auch Sonnenbrand verhindern soll. Die Stadt geht davon aus, dass der Klimawandel längere Phasen mit hohen Temperaturen und wenig Niederschlag künftig häufiger auftreten lässt. Ob sich die heißen Tage auch auf die Nutzung der Enzgärten ausgewirkt haben, lässt sich nicht beziffern. Besucherzahlen werden dort nicht erfasst. Deshalb kann die Stadt nicht sagen, ob während dieser Zeit weniger Menschen kamen oder sich deren Verhalten veränderte.
Inzwischen sind die Temperaturen gesunken. Die Folgen der vergangenen Wochen aber zeigen, wie sich die Anforderungen an die Grünpflege verändert haben: Aus drei Jahren zusätzlicher Versorgung bei jungen Bäumen sind bis zu zehn geworden. Und selbst Pflanzflächen, die bereits für niederschlagsarme Bedingungen angelegt wurden, kamen zeitweise nicht ohne zusätzliches Wasser aus.
