Für Versorgung enorm wichtig: Es tut sich etwas in Sachen Ärztehaus Vaisana in Vaihingen an der Enz
Vaihingen an der Enz. Vaihingens Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth blickte optimistisch in die Zukunft bei einem gut besuchten Informationsabend am Donnerstag in der Stadthalle. Dabei zeigte er sich froh gestimmt, dass vielleicht noch in diesem Jahr Vollzug gemeldet werden kann. Bürger und Ärzte würden dies gleichermaßen begrüßen.
Während auf Bundesebene über Bezahlbarkeit und Strukturreformen gestritten wird, möchte Skrzypek-Muth mit Blick auf die medizinische Versorgung vor Ort Fakten schaffen. Das Vaisana-Areal soll gekauft werden, um den Standort langfristig abzusichern. Die Stadtbau würde dann als Vermieter auftreten. Die Möglichkeit besteht, weil die Stadt nicht nur ein Vorkaufsrecht hat, sondern vor allem auch das große Interesse, die Ärzte in der Stadt zu halten, zumal man in Sachen Bedarfsplanung ohnehin schon Schlusslicht in Baden-Württemberg ist. Die Gespräche mit der RKH laufen demnach vielversprechend. Es sei bereits ein Wertgutachten erstellt worden, das nun die Basis für die laufenden Verhandlungen über einen Kauf des Areals bildet, so der OB. Zwar sei weiterhin klar, dass die Interessenslagen unterschiedlich sind, die RKH möchte einen möglichst hohen Preis erzielen und die Stadt muss auf die Wirtschaftlichkeit achten, aber, so Skrzypek-Muth: „Wir nähern uns stetig an und ich bin sehr zuversichtlich, dass es in diesem Jahr noch klappt.“
Altes Konzept ging auf
Bei den Bürgern und Ärzten kommt das gut an. Dr. Martina Lott, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Frau der ersten Stunde im Vaisana, erinnerte im Rahmen der Veranstaltung an die Gründungsidee: „Wir wollten keine Einzelkämpfer mehr sein“. Das Konzept ging auf. Heute arbeiten 15 Fach- und Hausärzte sowie rund 130 Angestellte im Vaisana. Ihr Fazit ist klar: „In der Gemeinschaft sind wir stark.“ Besonders die kurzen Wege zwischen Physiotherapie, Apotheke und Fachärzten seien für viele der Patienten notwendig. Dr. Julia Schwarz-Kumpf, Allgemein- und Palliativmedizinerin, warnte daher eindringlich vor den Folgen eines Scheiterns der Verkaufsgespräche: „Es würden auf jeden Fall Hausärzte verloren gehen in Vaihingen.“ Das scheint sich nun aber verhindern zu lassen. Damit richtet sich ein Blick auch schon darauf, dass man den Standort für den Nachwuchs attraktiv hält. Das mahnte Allgemeinmediziner und Herzchirurg Michael Ray an. Für ihn sei die interdisziplinäre Arbeit im Vaisana im Vergleich zum „knallharten Klinikalltag“ fast ein wenig „wie Urlaub“, sagte er. Dass schnelles Handeln erforderlich ist, untermauerten Nicola Sprung und Sven Gnoth von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Bis zum Jahr 2030 werde der Anteil der über 65-Jährigen in der Gesellschaft auf 29 Prozent steigen. Gleichzeitig verlassen viele Hausärzte der Babyboomer-Generation das System.
Mit Begegnungsstätte?
„Wir haben eine Situation, dass etwa 40 Prozent der Hausärzte das 60. Lebensjahr reichlich überschritten haben“, so Gnoth. Die junge Ärztegeneration wiederum, die zu 80 Prozent weiblich sei, suche vermehrt Anstellungen in modernen Zentren statt in der klassischen Einzelpraxis. Auch deshalb gibt es Überlegungen, wie man das Vaisana-Areal für sie attraktiv machen kann. Eine Idee ist: Seniorenwohnen, betreutes Wohnen, Mitarbeiterwohnen und Kinderbetreuung. „Eine Begegnungsstätte stünde dem Quartier gut zu Gesicht“, zeigte sich der Geschäftsführer der Sozialstation Vaihingen, Frank Kontermann, überzeugt. „Das wäre ein ganz neuer Gedanke, der uns gut zu Gesicht stehen könnte.“
