Für eine Einbahnstraßen-Regelung: Kommt der Millionen-Umbau von Pforzheims Innenstadtring?
Pforzheim. Es gibt Themen, bei denen drehen sich die Pforzheimer Stadtgesellschaft und ihre kommunalpolitischen Entscheider im Kreis – und trotzdem immer noch eine und noch eine und noch eine Runde. Paradebeispiel ist der 2014 in Betrieb genommene Innenstadtring. Diese große Hoffnung im Kampf gegen Pforzheims Dauerstaus, die sich nicht erfüllte. Weil das Konzept schon vor dem Start verwässert wurde und nie eine Chance hatte. Nun soll der Ring noch einmal auf den Prüfstand. Genauer: die etwaigen Vorzüge einer möglichen Einbahnstraßenregelung. Die Tücken sind mannigfaltig, die Hürden hoch – und kontroverse Diskussionen programmiert.
Anlass für den neuerlichen Boxenstopp ist ein Antrag von ZfP, UB und GfP, also der sogenannten Zitronenfraktion, um ihren Vorsitzenden und Ex-CDU-Stadtrat Maximilian Müssle. In diesem bereits vor eineinhalb Jahren vorgelegten, von Müssle und Fraktionsvize Thomas Goßweiler (UB) unterzeichneten Schreiben plädieren die „Zitronen“ für einen solchen One-Way-Kniff. Verbunden mit Kreisverkehren und „digitalen Verkehrsschildern“, verspricht sich die Fraktion dadurch eine „signifikante Optimierung des innerstädtischen Verkehrs“.
Die Rathausspitze – genauer: OB Peter Boch und Baubürgermeister Tobias Volle – scheinen eine solch späte Wende zum Guten zumindest nicht auszuschließen. Sie empfehlen dem Gemeinderat eine Untersuchung durch ein Fachbüro, allerdings „ergebnisoffen“, wie es in der Vorlage für den am 10 Juni tagenden Planungs- und Umweltausschuss heißt. Denn die dreiseitige Begründung hat es in sich. Alleine 100.000 Euro müssen lockergemacht werden, um überhaupt solch eine „Mikrosimulation“ zu ermöglichen. Also quasi ein Modell in Auftrag zu geben, mit dem nachgeahmt und berechnet werden kann, wie sich die Verkehre verändern, verlagern, verdichten, könnten. Und natürlich hoffentlich vor allem entzerren.
4,1 Kilometer voller Tücken
Der große Wurf, also die tatsächliche Änderung der Verkehrsführung, würde laut Boch und Volle nach groben Schätzungen rund drei Millionen Euro kosten. Mindestens. Denn die abzuarbeitende Checkliste ist lang. Schließlich wäre mit „erheblichen Auswirkungen auf das innerstädtische Verkehrssystem“ zu rechnen.
4,1 Kilometer ist der Innenstadtring lang. „Eine Einbahnstraßenregelung hätte zur Folge, dass Verkehre in der jeweils gesperrten Fahrtrichtung deutlich längere Wege zurücklegen müssen“, geben Boch und Volle zu bedenken – und gleich ein Beispiel. Bei einer Einbahnstraße im Uhrzeigersinn und der ja irgendwann im Zuge des Großprojekts Schlossberghöfe dauerhaft gesperrten Schlossberg-Auffahrt müssten Autofahrer, die von der Wilferdinger Höhe aus die Tiefgarage unterm Marktplatz ansteuern wollen, den Ring bis zur Parkstraße nutzen, um von Osten über die Altstädter Straße beziehungsweise die Östliche ans Ziel zu gelangen. Oder aber sie suchen sich Schleichwege durch die Weststadt sowie über Habermehl- und Zerrennerstraße – was man mit dem Cityring ja gerade hatte verhindern wollen.
Und dann sind da die 21 Ampelanlagen entlang des Innenstadtrings, zehn davon inzwischen barrierefrei. Wie viele davon müssten Kreisverkehre weichen? Und wäre überhaupt an Knotenpunkten genügend Platz für Kreisel? Generell sei das Queren von Kreisverkehren für Fußgänger und Radfahrer riskanter, insbesondere für Menschen mit Beeinträchtigungen.
Gartenschau als Antrieb
Und was wäre mit dem Busverkehr? Dessen Netz ist auf die aktuelle Situation abgestimmt. Linien, Haltestellen, Fahrzeiten und Abläufe müssten aufwendig angepasst werden.
Planung, Markierungen, Schilder, Wegweiser: Ein Kraftakt wäre die Umwandlung. Und bis dahin gäbe es erst einmal eine zähe Umbauphase mit Provisorien. Danach ein stetes Prüfen und Nachjustieren. Das wissen und betonen auch Volle und Boch.
Und doch plädieren sie zumindest für den ersten kleinen prüfenden Schritt in eine solche Richtung. Denn der Ring sei eben nie vollendet worden. Man denke nur an den eigentlich vorgesehenen, dann aber doch nicht umgesetzten Wegfall der Linksabbiegespur von der Calwer Straße auf die Kreuzstraße. Ein funktionierender Ring könnte nicht nur die Nerven von Fahrern schonen, sondern die Innenstadt attraktiver machen, dort die Aufenthaltsqualität erhöhen, so die Rathausspitze. Gerade mit Blick auf die anvisierte Landesgartenschau, die sich quer durch die Kernstadt schlängeln soll, ein auch strategisch hehres Ziel.
