Funklochsuche im Müllauto: Darum fehlt im Enzkreis noch ein Ergebnis
Enzkreis. Der Enzkreis hat zusammen mit dem Entsorgungsunternehmen PreZero weit über ein Jahr lang jede Menge Daten zum Mobilfunknetz gesammelt. Bis man mit den entdeckten Lücken ins Gespräch mit den Netzbetreibern gehen kann, um beispielsweise neue Mobilfunkmasten zu erreichen, will der Kreis seine Erkenntnisse mit den Daten aller bisherigen Antennen abgleichen. Und bei diesem Vorhaben sieht man sich im Enzkreis sich aber von der Digitalumstellung einer Bundesbehörde ausgebremst. Im ostfriesischen Kreis Leer ist man bei einem ähnlichen Projekt schon weiter. Den Abgleich mit Antennendaten hat man da von vornherein ausgeklammert.
Am Anfang war der Zweifel: Angaben von Betreibern zur Qualität des Mobilfunkempfangs im Enzkreis trauen einige nicht so recht. Weil für eine angeblich 99-prozentige Netzabdeckung im Alltag zu viele Funklöcher auftauchen. So haben das im Frühjahr 2023 Landrat Bastian Rosenau und der Enzkreis-Wirtschaftsförderer Jochen Enke beschrieben. Rosenau dachte dabei an Menschen, die in freier Natur unterwegs sind, aber in Notlagen unter Umständen keine Hilfe rufen können. Enke berichtete von Klagen aus der Wirtschaft über schlechte Verbindungen. Deshalb hat der Enzkreis eigene Daten zum Netz gesammelt. Mit Hilfe von Messgeräten an Bord der Müllfahrzeuge von „PreZero“.
Das ist nun drei Jahre her. Aber was ist aus der Idee geworden? Die Müllabfuhr hat laut Enke ihren Teil erledigt. Die Idee dahinter war, ohne zusätzliche Kosten und ohne zusätzlichen CO2-Ausstoß lückenlos alle Wohnstraßen im Enzkreis für die Messungen zu erreichen. Schließlich sind die Müllfahrzeuge dort ohnehin regelmäßig unterwegs. Für Erkenntnisse im Grünen waren passionierte Radfahrer und Jogger der Kreisverwaltung selbst gefragt. Und tatsächlich habe man seit damals und bis vor etwas über einem Jahr kräftig Mobilfunkdaten gesammelt. Schwieriger stellt sich deren Auswertung dar.
Das hat laut dem Wirtschaftsförderer zum einen mit der komplizierten Aufgabe selbst zu tun. Die Messergebnisse müssten im nächsten Schritt mit den Daten aller Mobilfunkantennen abgeglichen werden. Dabei sei etwa „zu prüfen, welche Anbieter, Frequenzbereiche, Sendeleistungen, Reichweiten vorhanden sind“, so Enke. Und dann habe noch die Bundesnetzagentur unwissentlich eine Rolle gespielt. Damit Kommunen künftig besser etwa mit dem Bevölkerungsschutz zusammenarbeiten können, habe die Regulierungsbehörde das Registrierungsportal für Städte, Gemeinden und Kreise grundlegend verändert. Zeitgleich mit dem Ende des Funkdatensammelns im Enzkreis. Ein Nebeneffekt der Umstellung: „Dadurch war uns für längere Zeit ein Abruf der benötigten Daten und damit ein Abgleich nicht möglich“, sagt Enke. Der Wirtschaftsförderer geht aber davon aus, „dass wir in Kürze die nötigen Registrierungen bei der Bundesnetzagentur bekommen“. Dann könnten noch im Lauf dieses Jahres von einem Dienstleister die Daten endausgewertet werden.
„Ich gehe davon aus, dass noch dieses Jahr von einem Dienstleister die Endauswertung der Daten durchgeführt werden kann.“
Jochen Enke, Wirtschaftsförderer des Landratsamts Enzkreis
Das aber sei dann ebenfalls nicht das Ende des „auf mehrere Jahre ausgelegten Prozesses“, so Enke weiter. Denn danach gehe es an die Suche nach potenziellen, am besten kommunalen Antennen-Standorten, um Lücken zu schließen. Solche Standorte müssten natürlich einer baurechtlichen Prüfung unterzogen werden. Und erst dann könne man Mobilfunkanbieter wegen eines Ausbaus kontaktieren.
Im Kleinen funktioniert die Kooperation laut Enke bereits. Sein Beispiel: Straubenhardts Happiness-Festival mit Zehntausenden Besuchern und entsprechendem Bedarf an gutem Handy-Empfang. 2025 hätten zwei Anbieter mit mobilen Containern dafür gesorgt. Dieses Jahr werden laut Enke alle drei Anbieter an Bord sein.
Ein Vorreiter der Funkloch-Suche per Müllabfuhr ist der ostfriesische Kreis Leer. Dort wurden ab 2022 über ein Jahr lang rund 680.000 Daten gesammelt, so Jens Gerdes von der Pressestelle in Leer. 2024 wurde über erste Ergebnisse berichtet. Die eigenen Messdaten seien eine gute Gesprächsgrundlage mit Mobilanfunkanbietern gewesen, so Gerdes. Auch ohne weiteren Abgleich. Erste Effekte für ein besseres Netz sehe man schon. Neue Masten sollen immer mehr Lücken schließen.
