Gemeinden der Region
Einzelhandel -  19.06.2020
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Galeria Karstadt Kaufhof: Standorte in Pforzheim und Karlsruhe bleiben erhalten - so reagieren Vertreter von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaft

Pforzheim/Karlsruhe. Es sind erleichternde Nachrichten für die Beschäftigten im Einzelhandel in Pforzheim und für die Verbraucher in der Region: Die Filiale des von der Corona-Krise gebeutelten Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof in Pforzheim muss nicht schließen. Auch Karlsruhe bleibt verschont. Bis zuletzt war unklar geblieben, welche der 172 Standorte in ganz Deutschland einer Schließung zum Opfer fallen.

Sowohl der Kaufhof-Standort in der Pforzheimer Fußhgängerzone (Bild) als auch die Filiale in Karlsruhe bleiben von der Schließung verschont.
Sowohl der Kaufhof-Standort in der Pforzheimer Fußhgängerzone (Bild) als auch die Filiale in Karlsruhe bleiben von der Schließung verschont. Foto: Meyer/PZ-Archiv

Die gute Nachricht überbrachte der CDU-Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Gunther Krichbaum. Er gab am Freitag in einer Pressemitteilung bekannt, dass Galeria Kaufhof in Pforzheim keine der 62 Filialen ist, die ihre Türen schließen muss. Wie die Gerwekschaft Verdi  am Nachmittag bekanntgab, bleibt auch der Standort in Karlsruhe erhalten.

„Das ist natürlich vor allem für die Beschäftigten eine sehr gute Nachricht. Aber auch für Pforzheim und die ganze Region, weil damit attraktive Einkaufsmöglichkeiten mitten in der Stadt erhalten bleiben.“

Gunther Krichbaum (CDU), Bundestagsabgeordneter für Pforzheim und den Enzkreis

Die Schließung der Pforzheimer Filiale wäre eine Gefahr für die Attraktivität der Innenstadt gewesen, so Krichbaum weiter. Er verwies darauf, dass alle Mandatsträger in den letzten Wochen auf verschiedenen Ebenen Gespräche geführt hätten. „Es hat sich bestimmt förderlich auf den Prozess ausgewirkt, dass dabei die Diskretion größtenteils gewahrt blieb“, so der CDU-Bundestagsabgeordnete.

Entscheidung für Galeria-Führungsebene nicht leicht

Management, Betriebsrat und Gewerkschaften hätten sich die Entscheidungen über die Schließung vieler Filialen nicht leicht gemacht, so Krichbaum. „Es ist um jeden einzelnen Standort gerungen worden, denn ursprünglich sollten ja noch viel mehr Häuser geschlossen werden.“ Für Pforzheim hätten neben dem großen Einzugsbereich sicher auch strukturelle Gründe gesprochen.

Die Schließung von Galeria Kaufhof wäre für die Pforzheimer Innenstadt ein schwerer Schlag gewesen, so Krichbaum. „Unser Ziel ist es, die Innenstadt wieder zu beleben. Deshalb wurde bereits mit Bundesmitteln die Fußgängerzone saniert und bald startet das Projekt „Innenstadt Ost“.“ Ein großes Warenhaus trage ganz sicher viel zu einer attraktiven Innenstadt bei, was ein Outlet-Center auf der grünen Wiese aber nicht gewährleisten könne, bemerkt Krichbaum abschließend.

Pforzheims OB Peter Boch ist erleichtert

Auch der Pforzheimer Oberbürgermeister Peter Boch zeigte sich erleichtert über die Entscheidung der Galeria-Konzernleitung und unterstrich die Bedeutung des Kaufhauses für die Goldstadt.

„Ich bin erleichtert und freue mich sehr, dass der Standort (...) in Pforzheim bestehen bleibt. Das ist ein wirklich guter Tag für die Beschäftigten hier bei uns vor Ort, aber auch für uns als Stadt - insbesondere die Innenstadt und die Fußgängerzone.“

Peter Boch, Oberbürgermeister von Pforzheim

Für Boch stehe Kaufhof – auch unter den früheren Betreibern Merkur und Horten – für Angebotsvielfalt und -qualität und sei ein wichtiger Frequenzbringer für unsere Innenstadt. Deshalb halte der OB persönlich engen Kontakt zur Pforzheimer Leitung des Kaufhauses, habe in der Krise aber auch das Gespräch mit der Regionalleitung in Stuttgart gesucht und sich per Brief an die Geschäftsführung in Essen gewandt.

Ähnlich erfreut und erleichtert äußerte sich WSP-Direktor Oliver Reitz gegenüber der PZ. Er denke, dass mit dieser Entscheidung nicht nur den Betroffenen selbst als auch den Betreibern umliegenden Geschäfte und der ganzen Stadt ein Stein vom Herzen falle.

„Zwar habe ich stets an die gute Wettbewerbsfähigkeit gerade der Pforzheimer Filiale geglaubt, doch waren die letzten Tagen durchaus von Besorgnis geprägt. Für die Beschäftigten hoffe ich, dass man nun zuversichtlich nach vorne schauen kann. Für die Standortleiterin Stephanie Jeckel ist die Entscheidung sicherlich auch ein Beleg ihres sehr engagierten und erfolgreichen Wirkens hier vor Ort.“

Oliver Reitz, Leiter des Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim

So reagieren Betriebsräte in Pforzheim und Karlsruhe auf die Entscheidung

Mit großer Erleichterung reagierten auch die Betriebsräte der beiden Standorte auf die Mitteilung der Konzernleitung, dass beide Häuser weiterbetrieben werden. Einer Verdi-Mitteilung zufolge würden die Mitarbeiter am Freitag und Samstag über die Entscheidung informiert.

Auch wenn das schlimmstmögliche Szenario – eine Schließung der Standorte – nicht eingetreten sei, müssten dennoch Abstriche gemacht werden, so Verdi weiter. Demnach habe man zwar den vom Unternehmen geplanten Personalabbau von zehn Prozent in den verbliebenen Filialen verhindern können und der im Dezember 2019 vereinbarte Integrationstarifvertrag bliebe in Kraft. Die darin festgeschriebenen Entgelterhöhungen von 0,3 Prozent für das Jahr 2020 sowie die zu erwartende Entgelterhöhung im 2021 bekämen die Beschäftigten jedoch nicht ausbezahlt, sondern in Freizeit abgegolten. Ab 2022 sollen dann die Entgelterhöhungen der Flächentarifverträge eins zu eins an die Beschäftigten weitergegeben werden. Im Jahr 2025 sollen dann vollumfänglich die Verdi-Flächentarifverträge des Einzelhandels angewendet.

Mehr lesen Sie am Samstag, 20. Juni, in der Pforzheimer Zeitung sowie im Epaper auf PZ-news.de.

Autor: pm/pz