Gastronom Daudert kein Teil der Pforzheimer Winterwelt: Das sind die Neuerungen in diesem Jahr
Pforzheim. Die Besucher des Oechsle Fests haben reichlich Gesprächsstoff. Just zur an diesem Freitag beginnenden Weinsause auf dem Marktplatz wird eine spektakuläre Neuerung für den Advent auf dem nahen Waisenhausplatz bekannt.
Stadl-Legende Frank Daudert, seit 18 Jahren das Gesicht der winterlichen Pforzheimer Event-Gastronomie, ist nicht mehr mit von der Partie bei der Winterwelt. Stattdessen führt Rafael Müller – wie Daudert Oechsle-Fest-Wirt und aufstrebender Erlebnisgastronom aus Gräfenhausen – mit seiner Partnerin Sandra Noack den „Schwarzwald-Stadl“. Die zuletzt von Müller betriebene „Waldschänke“ heißt künftig „SP 6-Winterhütte und steht unter der Regie von Vincenzo „Enzo“ Bottazzo, bekannt von der Strandbar auf dem Sparkassenparkhaus. Daudert sieht den Wechsel wohlwollend – auch wenn er sich nicht zwingend vom Stadl trennen wollte.
Die winterliche Gastronomie war einst auf Dauderts Initiative aus der Taufe gehoben und von ihm stetig ausgebaut worden – lange in „Goldis Stadl“ auf dem Marktplatz, zuletzt für zwei Saisons im „Schwarzwald-Stadl“ als Teil der neuen Winterwelt. Im Vergleich zur Premiere habe sich die Standgebühr im zweiten Jahr mehr als verdoppelt, berichtet Daudert, hinzu seien deutlich höhere Kosten für Energie, Waren und Personal gekommen. Auch das Anheben der Mehrwertsteuer von sieben auf den früheren Wert von 19 Prozent schlage ins Kontor. Andererseits sei die Neugestaltung als Blockhaus reizvoll und ein Erfolg gewesen.
„Das war das Nonplusultra, wie man es sich vorstellt für einen Stadl“, sagt Daudert und betont: „Wir hätten weitergemacht.“
Allerdings zu anderen Konditionen, auf die er WSP-Direktor Oliver Reitz frühzeitig angesprochen habe. „Es kam kein Feedback“, so Daudert, „und dann macht es keinen Sinn.“ Also verzichtete er darauf, sich zu bewerben – und freut sich nun, den Stadl in guten jungen Händen zu wissen. Zumal er selbst 60, sein Vater 85 Jahre alt sei und zwei bislang in der Küche tätige „elementare Leute“ in Rente gegangen seien. „Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören“, sagt Daudert. Müller sei „ein hervorragender Gastronom“, den er nach Kräften unterstützen werde: „Das ist der richtige Mann.“
Rafael Müller (32) hebt ebenfalls das enge kollegiale Miteinander hervor: „Wenn sich Frank Daudert beworben hätte, hätten wir es nicht gemacht.“ Er wolle in dessen Fußstapfen treten – wohlwissend, dass diese „riesengroß“ seien. Um so dankbarer sei er für dessen Unterstützung. Kulinarisch wollen er und seine Partnerin bewährte Klassiker übernehmen und um eigene Kreationen ergänzen. Auch tüftle man bereits an weiteren Optimierungen, etwa hinsichtlich Deko, Musikprogramm, Platzierung von Bar und Bühne sowie Akustik. Dauderts Personal habe er eine Weiterbeschäftigung angeboten und wolle beide Teams zusammenführen.
„Die Qualität muss insgesamt auf einem hohen Level sein“, weiß der auch als Landwirt tätige „Hühnerglück“-Chef, der Erzeugnisse aus eigenem Anbau verwendet.
Eben regionale Lieferketten und Nachhaltigkeit, aber auch Referenzen sowie Größe und Charakter der Gastronomie seien für Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim Kriterien bei der Ausschreibung gewesen, erläutert Oliver Reitz, der einräumt, dass ihn Dauderts Rückzug „zunächst überrascht“ habe. Müller und Noack hätten im regional geprägten Bewerberfeld am meisten überzeugt. Reitz zollt ihnen großen Respekt: „Es ist schon einiges, was da über gut 50 Tage zu stemmen ist.“ Freude auf beiden Seiten herrscht auch bezüglich der weiteren Besetzung. „Wir kommen vom Sommer- in den Winterbetrieb, sind da aber bei Rafael Müller und dem WSP gut aufgehoben“, weiß Enzo Bottazzo um guten Rat zum Start. Er will italienische Speisen und winterliche Getränke, aber auch Cocktails anbieten und wird für Schlittschuhbetrieb wie Stockschießen verantwortlich sein. Der Vergabezeitraum umfasst drei Jahre mit Verlängerungsoption für zwei weitere Jahre. Es sei gut, dass nun Klarheit herrsche, sagt Reitz eben gerade mit Blick auf den Start des Oechsle Fests, bei dem ganz sicher bereits viele Besucher Tische für private Treffen, Weihnachtsfeiern, Firmenfeste und die große Silvestersause im Stadl reservieren wollen.
