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Schömberg -  10.09.2026
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Gedenkkreuz nach tödlichem Unfall versetzt: Das hat die Witwe nun vor

Schömberg. Ein halbes Jahr lang erinnerte ein Holzkreuz an der Unfallstelle bei Schömberg an den tödlich verunglückten Fahrer. Nun hat es jemand abmontiert und an einen anderen Baum geschraubt. Polizei, Gemeinde und Kreis wissen von nichts. Seine Witwe hat jetzt diesen Plan.

Tödlicher Unfall Oberlengenhardt
Das Holzkreuz für den verstorbenen Unfallfahrer steht seit einigen Tagen zwei Bäume weiter. Foto: Röhr

Der tödliche Unfall kurz vor Schömberg Ende Februar, bei dem der 38-jährige Fahrer und eine 18-jährige Beifahrerin gestorben sind, hat viele Menschen tief bewegt – und er tut es bis heute. Spenden wurden für die Familien der beiden Opfer gesammelt. Eine Unterschriftenaktion wurde ins Leben gerufen, um die Strecke sicherer zu machen, damit sich solche Tragödien nicht wiederholen. Als Details über den Zustand des Fahrers in der Unfallnacht ans Licht kamen – er hatte 1,4 Promille Alkohol im Blut – kochten die Emotionen teils über. Vor ein paar Tagen nun wurde das Kreuz, das an der Unfallstelle an ihn erinnert, abmontiert und an einen anderen Baum geschraubt – während das für die 18-Jährige an Ort und Stelle blieb. Die Polizei, die Gemeinde und das Landratsamt wissen von nichts. Die Witwe des Unfallfahrers will das Kreuz nun wieder dorthin versetzen, wo es sechs Monate lang hing.

„Leider ist es mir nicht gelungen, herauszufinden, wer die Versetzung veranlasst hat und warum“, schreibt die Frau der PZ nun auf Nachfrage. Vergangene Woche hatte sie den Fall auf Facebook öffentlich gemacht – und viel Echo, aber keine Antwort bekommen. Eine mutmaßliche Zeugin habe am 1. September offenbar einen Mann und eine Frau dabei beobachtet, wie sie das Kreuz versetzt hätten, schreibt sie weiter. Beschädigt worden sei es jedenfalls nicht. Auch alle Grablichter für den 38-Jährigen seien umgestellt worden, berichtet die Witwe. Fotos zeigen, dass das Holzkreuz an einem anderen Baum wie zuvor mit zwei Schrauben fixiert worden ist.

Wer ist dafür verantwortlich?

„Da hatte vielleicht jemand ein Problem damit, dass beide Kreuze am gleichen Baum stehen“, hatte ein Facebook-User den Beitrag der Witwe kommentiert. „Das sehe ich auch so“, antwortete die Hinterbliebene. Hintergrund: Der Fahrer war mit seinem hochmotorisierten Audi laut der Polizei in der Unfallnacht zu schnell gewesen. Später kam heraus, dass er 1,4 Promille Alkohol im Blut hatte und damit absolut fahruntüchtig war und dazu keine gültige Fahrerlaubnis besaß – aus welchem Grund ist unklar.

Trotzdem will die Frau nicht einfach akzeptieren, dass das Kreuz ein halbes Jahr später versetzt worden ist. „Vielleicht hat derjenige es jetzt erst zum Ausdruck gebracht“, antwortete der Mann darauf. Die Hinterbliebene solle sich doch überlegen, ob der neue Standort doch besser geeignet sei.

Doch: „Ich beabsichtige, das Kreuz wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückzubringen“, schreibt die Frau der PZ jetzt. „Niemand hat mich um Erlaubnis gefragt. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass jemand so etwas macht und das Kreuz einfach an einen anderen Baum versetzt.“

Eine Anzeige bei der Polizei habe sie nicht gestellt. Dem Präsidium Pforzheim ist nichts zu dem Vorfall bekannt. Die Frage sei auch, welcher Tatbestand überhaupt vorliegen könnte, so ein Sprecher. Sachbeschädigung und Diebstahl kämen eher nicht infrage. Und Störung der Totenruhe ebenso nicht – das wäre eher bei einem Grab auf dem Friedhof.

Behörden wissen nichts

Die Gemeinde hat ebenso nichts veranlasst. „Mir ist dazu nichts bekannt. Beschwerden, Anfragen oder Ähnliches liefen auch keine über meinen Tisch“, so Hauptamtsleiter Daniel Schabbach Anfang der Woche. Der Straßenmeisterei des Kreises Calw sind die beiden Kreuze zwar bekannt, so Sprecherin Anja Reinhardt. Von den jüngsten Ereignissen wisse man jedoch nichts. „Von der Straßenmeisterei Calw wurde dies nicht veranlasst.“ Die beiden betreffenden Bäume gehörten ohnehin nicht in den eigenen Zuständigkeitsbereich, sondern in den der Gemeinde.

Gedenkstätten: Was ist erlaubt? Was ist zu tun?

Kreuze, Kerzen, Blumen erinnern meist an tödlich Verunglückte. „Rein rechtlich bräuchte man eine Genehmigung“, so Schömbergs Hautamtsleiter Daniel Schabbach. Jedoch würden Gedenkstätten in der Praxis eher stillschweigend geduldet. „Zumindest so lange, wie die Sicherheit für den öffentlichen Verkehr gewährleistet ist. Wenn dies nicht zutrifft, muss natürlich gehandelt werden.“

Darauf verweist auch Landratsamtssprecherin Anja Reinhardt. „Sofern keine Gefährdung für Verkehrsteilnehmer besteht, werden kleinere Gedenkstätten geduldet.“ Sollte es jedoch Probleme geben, würden die Verantwortlichen kontaktiert oder die Gedenkstätte abgebaut. Die Straßenmeisterei müsse grundsätzlich gefragt werden, ob an gewünschter Stelle Kreuze, Kerzen, Lichter oder andere Dinge zum Gedenken aufgebaut werden dürfen. Wie viele Gedenkstätten es im Kreis Calw gibt, kann das Landratsamt nicht sagen.