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Kämpfelbach -  28.04.2026
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Gefahr im Straßenverkehr: So schützen sich Radfahrer besser

Kämpfelbach. Bundesweit immer mehr tödliche Radunfälle: Polizei kontrolliert beispielhaft in Bilfingen. Statt auf Strafen setzen die Beamten auf Aufklärung.

Kontrollaktion Zweiräder im Blick
Sicherheit beginnt beim Helm. Der muss sicher und gut sitzen. Darüber klärt Susanne Ziegelmeier, von der Verkehrsunfallprävention Pforzheim, im direkten Gespräch mit den Radfahrern auf. Foto: Meyer

Ein malerischer Radweg zwischen Kämpfelbach und Königsbach. In der Mittagssonne wirkt er fast idyllisch – ruhig, beinahe verlassen. Doch dieser Eindruck hält nicht lange. Mit dem Schulschluss füllt sich der Weg schlagartig: Unzählige Jugendliche strömen auf ihren Fahrrädern entlang, lachen, rufen sich etwas zu, kommen in kleinen Gruppen den Weg heruntergeradelt. Was sofort auffällt: einige mit, einige ohne Helm.

Für Banu Kalay von der Verkehrsunfallprävention Pforzheim eine klare Sache: Hier wird eingegriffen. Seit acht Uhr morgens kontrollieren Kalay und ihre Kollegin im Zuge des Aktionstags „sicher.mobil.leben“ sämtliche Zweiradfahrer. Dabei gehe es weniger um Sanktionen als vielmehr um Aufklärung, betont Kalay. So spricht sie Fahrradfahrer immer wieder direkt an, erklärt, hakt nach.

Grund für Präventionsprojekte wie diese sind unter anderem aktuelle Zahlen, etwa vom Statistischen Bundesamt. Demnach sind im vergangenen Jahr 462 Radfahrer in Deutschland bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen.

Und was passiert nun am Aktionstag in Bilfingen mit denen, die keinen Helm tragen? Tatsächlich: nichts. Denn was viele nicht wissen – beim Fahrradfahren besteht keine Helmpflicht. Trotzdem kann ein Helm im Ernstfall entscheidend sein. Genau dafür wollen die Polizistinnen sensibilisieren.

„Es muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, was passieren kann, wenn man keinen Helm trägt“, sagt Kalay.

An Erklärungen, warum sie gerade heute keinen Helm tragen, mangelt es den Schülern nicht. Kaum angesprochen, folgen die Ausreden prompt: Der Helm sei „zu Hause vergessen worden“, „irgendwo verloren gegangen“ – oder er ist zwar dabei, steckt aber im Rucksack statt auf dem Kopf. Davon lassen sich die Polizistinnen jedoch nicht beirren: Ruhig, aber bestimmt klären sie weiter über die Risiken auf.

„Bei vielen ist es einfach das Alter“, sagt Kalay. „Die haben in der vierten Klasse die Fahrradprüfung gemacht und kennen die Regeln, dann gibt es in der sechsten Klasse noch die Aktion ‚Schütze dein Bestes‘ zur Verkehrssicherheit. In der achten Klasse haben die meisten das wieder vergessen.“ Oft spiele auch Bequemlichkeit eine Rolle – und die jeweilige Freundesgruppe. Das zeigt sich direkt vor Ort: Während eine Gruppe geschlossen mit Helm unterwegs ist, kommt die nächste komplett ohne an. Doch selbst wenn ein Helm getragen wird, sitzt er oft nicht richtig. Schief, zu locker, falsch eingestellt – das fällt Kalay immer wieder ins Auge. Dabei komme es gerade darauf an, dass der Helm korrekt sitzt und der Riemen fest anliegt.

Neben dem Helm nehmen Kalay und ihre Kollegin auch die Fahrräder genau unter die Lupe: Funktionieren Licht und Bremsen, sind Lampen und Reflektoren angebracht? Die meisten Räder seien jedoch in einem guten Zustand.

Und noch ein Problem sticht den Polizistinnen ins Auge: Einige Schüler haben beim Fahrradfahren ihr Handy in der Hand. Eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt habe, so Kalay.

Neben dem Tragen eines Helmes gibt Kalay Fahrradfahrern noch weitere Tipps mit auf den Weg: gut sichtbare Kleidung etwa. Gerade weil Fahrräder nur eine schmale Silhouette haben, seien sie im Straßenverkehr sonst leicht zu übersehen. Auch auf Kopfhörer sollte man möglichst verzichten – schließlich müsse man jederzeit hören und wahrnehmen können, was um einen herum passiere.

Für Kalay ist die Aktion ein Erfolg. Entscheidend sei vor allem, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, Präsenz zu zeigen und so Bürgernähe herzustellen.

„Wenn wir es schaffen, den einen oder anderen zum Umdenken zu bewegen, haben wir schon viel erreicht“, sagt Kalay.

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