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Eisingen -  16.01.2026
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Gegen den Krach in Eisingen und für mehr Sicherheit

Eisingen. Beim Ortstermin dauert es keine zehn Minuten, bis das passiert, was Bürgermeister Sascha-Felipe Hottinger zuvor detailreich beschrieben hatte: Am Ortsausgang von Eisingen in Richtung Kieselbronn, rund 100 Meter hinter dem Ortsschild, schert der Fahrer eines leistungsstarken Vehikels aus, um ein anderes, deutlich langsamer den Berg hinauf rollendes Auto zu überholen. Verboten ist das an dieser Stelle der Kreisstraße 4530 zwar nicht, aber Hottinger wäre es lieber, wenn derartige Manöver in Zukunft nicht mehr möglich wären, schon allein aus Sicherheitsgründen.

Auch nach dem Ortsschild stehen in Eisingen noch Häuser an der Kreisstraße. Der FDP-Landtagsabgeordnete Erik Schweickert (von links), Hauptamtsleiter Nick Lamprecht, Bürgermeister Sascha-Felipe Hottinger, Ingenieur Frank Rogner undRamon Kurbatfinski vom Ordnungsamt wollen Verbesserungen für die Anwohner.
Auch nach dem Ortsschild stehen in Eisingen noch Häuser an der Kreisstraße. Der FDP-Landtagsabgeordnete Erik Schweickert (von links), Hauptamtsleiter Nick Lamprecht, Bürgermeister Sascha-Felipe Hottinger, Ingenieur Frank Rogner undRamon Kurbatfinski vom Ordnungsamt wollen Verbesserungen für die Anwohner. Foto: Nico Roller

Unterstützung bekommt er vom Landtagsabgeordneten Erik Schweickert (FDP), der sich schon seit mehr als sechs Jahren dafür einsetzt, in Eisingen die Geschwindigkeit auf vielbefahrenen Straßen zu reduzieren. Dabei denken er und Hottinger aktuell vor allem an die Talstraße, die von der Kreuzung mit der Steiner Straße beim Rathaus aus dem Ort führt und dort zur K4530 wird. Bis zum Ortsschild fordern Hottinger und Schweickert künftig Tempo 30, danach Tempo 50 zumindest bis zu der Stelle, an der die Wohnbebauung endet. Aktuell sind innerorts 50 Kilometer pro Stunde erlaubt, nach dem Ortsschild ortsauswärts sogar 100. „Es geht darum, eine kreative Lösung zu finden“, sagt Hottinger. Das Mittel der Wahl dafür ist der Lärmaktionsplan, den die Gemeinde in den kommenden Wochen fortschreiben will.

Kooperationserlass hilft

Nachdem dieser 2017 in Kraft getreten ist, hat er Tempo 30 auf weiten Teilen der Pforzheimer und Steiner Straße gebracht. Was auf der Talstraße seinerzeit nicht möglich war, könnte aus Hottingers Sicht künftig doch noch Realität werden, auch wegen des Kooperationserlasses des Landes, der den Kommunen in dieser Hinsicht mehr Handlungsspielraum erlaubt. Der Bürgermeister geht davon aus, dass auf der Talstraße die Auslösewerte überschritten werden, die tagsüber bei 65 und nachts bei 55 Dezibel liegen. Er weiß, dass nach dem Ortsschild die Häuser teilweise nur 15 Meter von der Fahrbahnmitte entfernt stehen. „Für die Anwohner ist das eine große Belastung“, sagt Hottinger, verbunden mit einem Verweis auf die Hecken und die privaten Lärmschutzwände, die viele Hausbesitzer entlang der Straße errichtet haben.

Wie groß die Belastung tatsächlich ist, sollen die Untersuchungen zeigen, die der Gemeinderat bereits an ein Fachbüro vergeben hat. In der kommenden Woche wird das Büro in der Talstraße die Zahl der Fahrzeuge zählen und die Lärmwerte berechnen. Bisher war das nicht möglich, weil die Talstraße während der Sanierung der Ortsdurchfahrt als Umleitungsstrecke diente. Aktuell pausieren die Bauarbeiten auch deshalb, weil mit Blick auf die dort verlegten Rohre noch Abstimmungen mit dem Abwasserverband nötig sind. Weil die Talstraße während der Bauarbeiten als Ausweichstrecke diente, war dort vorübergehend Tempo 30 angeordnet, mit positiven Auswirkungen.

Das zeigt laut Hauptamtsleiter Nick Lamprecht eine vom Rathaus vorgenommene Umfrage, die im November im Gemeinderat vorgestellt wurde. „Es gab keinerlei Beschwerden.“

Wenn alles gut läuft, soll die Fortschreibung des Lärmaktionsplans im Herbst beendet sein. Dass sie überhaupt notwendig ist, um eine Geschwindigkeitsreduzierung zu erreichen, kann Erik Schweickert nicht verstehen. Aus seiner Sicht gäbe es deutlich einfachere und kostengünstigere Alternativen, etwa ein Versetzen des Ortsschilds an die Stelle, an der die Bebauung endet. Zumal dort auch die Straße „In der Liss“ einmündet, die laut Schweickert zwar nicht als offizielle Erschließung des Wohngebiets gilt, aber rege als solche genutzt wird.

Er weiß das, weil er 2019 schon einmal vor Ort war und mit Anwohnern gesprochen hat. Für den FDP-Politiker war es eine „Initialzündung“, die ihn dazu veranlasste, im Enzkreis nach ähnlichen Stellen zu suchen. Gefunden hat er sie massenhaft. Für Schweickert steht fest: „Man muss den Kommunen mehr Möglichkeiten geben, selbst tätig zu werden.“ Wenn es nach dem Eisinger Bürgermeister ginge, müsste Tempo 50 auf der K4530 außerorts bis zur Einmündung der Straße gelten, die in die Mulde führt. Dass man auch auf ihr 100 fahren darf, hält er für ein Unding: nicht nur wegen der teils engen Kurven, sondern auch, weil einige Häuser dort nur rund 20 Meter von der Fahrbahn wegstehen. Deswegen will man bei der Fortschreibung des Lärmaktionsplans auch diesen Bereich in den Fokus nehmen.