Gemeinden der Region
Glaube -  12.09.2019
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Geheimnisvolles Gemäuer: Das ist das Besondere an der Steiner Stephanuskirche

Königsbach-Stein. Gertrud Diekmeyer steht fast jeden Sonntag zum Gottesdienst auf der Kanzel der Steiner Stephanuskirche. Dort hält die Pfarrerin auch Hochzeiten, Konfirmationen und Beerdigungen ab. Für sie ist die Kirche mehr als nur ein Arbeitsplatz: „Wenn ich in die Kirche komme, dann gehe ich auch selbst zum Gottesdienst.“ Und für Jeff Klotz ist sie mehr als nur ein Gebäude.

Die Stephanuskirche ist ein besonderes Gebäude, da sind sich (von links) Prädikant Jürgen Klein, Pfarrerin Gertrud Diekmeyer und Historiker Jeff Klotz einig. Foto: Roller
Die Stephanuskirche ist ein besonderes Gebäude, da sind sich (von links) Prädikant Jürgen Klein, Pfarrerin Gertrud Diekmeyer und Historiker Jeff Klotz einig. Foto: Roller

Der studierte Historiker hat zur Geschichte der Stephanuskirche geforscht und ist dabei einigen ihrer Geheimnisse auf die Spur gekommen. Schon ihre Erbauung in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sei bemerkenswert, sagt Klotz. Denn Stein gehörte vom Mittelalter bis zur Abschaffung der Monarchie durchweg dem Markgrafen von Baden und war damals ein politisch bedeutsamer Ort. Ein Ort, in dem die Kirche weniger Einfluss hatte als anderswo. Deshalb wurde das Kirchengebäude damals als eines der wenigen in der Region am Rand des Orts auf einer Erhöhung errichtet. Weil Stein damals Amtsort war, übernahm die Kirche auch eine repräsentative Funktion. So verweisen die vier Fenster des Kirchenschiffs etwa auf die vier Hausklöster Badens. „Jeder theologisch gebildete Gast erkannte das damals sofort“, sagt Klotz. Heute können nur noch Experten wie er die Hinweise in den bunten Fenstern entschlüsseln.

Der Historiker hat sich intensiv mit dem Gebäude befasst und ist dabei auch auf eine Einlassung an der südlichen Chorwand gestoßen. Auf den ersten Blick wirkt sie unscheinbar. Heute ist sie figurenlos und unbebildert. Aber früher war sie ein Symbol für das Felsengrab – „das letzte verbliebene im Enzkreis“. Bis zur Reformation wurde dort bei der Karfreitagsprozession eine Christusfigur eingelegt. Auch andere Besonderheiten der Kirche sind noch erhalten: etwa das Gewölbe des Chorraums.

Nicht mehr im Originalzustand ist die Orgel. Auch zu ihr hat Klotz etwas Interessantes herausgefunden, das in Zusammenhang steht mit der Entwicklung einer neuen Musikkultur durch die Protestanten. Nachdem im Jahr 1576 in Pforzheim die Gesamtregel für die Benutzung der Orgel im Gottesdienst festgelegt worden ist, war Stein das erste Beispiel einer Landkirche, in der diese Regel umgesetzt wurde. Als im Jahr 1701 eine neue Orgel gebaut werden sollte, bat man um Spenden. Heute noch kann man auf einer Tafel neben der Türe zur Sakristei nachlesen, welcher Bürger damals wieviel Geld gab. Das Besondere: Wurde nichts gespendet, ist eine null vermerkt. „So etwas gibt es im ganzen Enzkreis nur hier in Stein“, sagt Klotz.

Mehr lesen Sie am Freitag, 13. September, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Autor: Nico Roller