Großbaustelle wirft ihre Schatten voraus: Sparkasse Pforzheim Calw plant riesigen Komplex am Marktplatz
Pforzheim. Die Stadt Pforzheim befindet sich baulich und damit optisch gesehen in einem großen Umbruch. Der Abriss des alten Technischen Rathauses steht an, der Abbruch des SinnLeffers-Gebäudes ist angelaufen. Eine weitere Großbaustelle wird noch im Frühjahr an ganz zentraler Stelle entstehen, nach einem Jahrzehnt der Vorbereitung: Die Sparkasse Pforzheim Calw plant an der Westlichen 1, direkt am Marktplatz, einen riesigen Komplex.
Wobei sich dieser auf zweifache Art und Weise entfalten soll. Zum einen wird das Bestandsgebäude umfassend saniert. Zum anderen ist geplant, an der südlichen Marktplatzkante einen neuen Anbau anzudocken.
Schon in den Startlöchern
Im Spätfrühjahr wohl könnten die eigentlichen Bauarbeiten starten, die bedeuten: Entkernung und umfassende Revitalisierung. Zusätzlich ist ein ebenfalls sechsgeschossiger Anbau mit einer Gesamtfläche von 840 Quadratmetern zum Dr. Walter-Witzenmann-Platz hin auf der Südseite vorgesehen (an der Höllgasse) und parkt quasi auf der bereits bestehenden Tiefgarage (PZ berichtete). Der ganze Komplex wird nach Darstellung der Sparkasse eine einheitliche Beton-Glas-Fassade bekommen, die den neuesten Energiestandards entspricht.
Die Sparkasse zieht sich an dieser Stelle aber nicht mit ihren bisherigen Angeboten zurück; wo bisher lediglich zwei Geldautomaten und ein Kontoauszugsdrucker vorhanden sind, wird eine moderne SB-Filiale ohne Personal mit mehreren Geldautomaten entstehen – die genaue Anzahl kann bisher nicht angegeben werden –, die eine Gesamtfläche von circa 3000 Quadratmetern haben wird. Im Erdgeschoss sollen Ladengeschäfte entstehen; in den Obergeschossen Gewerbe- und Büroeinheiten.
An den ursprünglichen Plänen hat sich nichts geändert; lediglich ein paar rechtliche und organisatorische Fragen wurden geklärt. So ist nicht mehr die Haus GmbH der Sparkasse Pforzheim Calw Grundstücksgesellschaft & Co. KG so genannter „Vorhabenträger“, sondern die Sparkasse Pforzheim Calw. Das bringt es mit sich, dass Sicherheitsleistungen unter den Tisch fallen können.
Bauzeit zweieinhalb Jahre
Wenn im späten Frühjahr oder auch zum Sommer hin die eigentlichen Bauarbeiten beginnen, dann werden zweieinhalb Jahre reine Bauzeit ins Land ziehen. Erst danach, so heißt es aus der Presseabteilung auf Anfrage der PZ, könne mit dem Ausbau für die Mieter begonnen werden. Bis der gesamte Komplex als „fertig“ deklariert werden kann, könnten also schon vier Jahre vorübergehen.
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Stephan Scholl hatte das, was an dieser Stelle geplant ist, bereits 2019 der PZ gegenüber als „ansehnlich“ und „städtebaulich vernünftig“ bezeichnet. Nun steht das Projekt an der Startrampe. Dem Planungs- und Umweltausschuss wird in seiner Sitzung am Mittwoch, 28. Januar, der Antrag vorgelegt, dem „Durchführungsvertrag zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan Westliche Karl-Friedrich-Straße/Marktplatz“ zuzustimmen.
Damit soll eine zeitnahe Realisierung des Vorhabens gewährleistet werden, heißt es in der Vorlage. Bereits im Jahr 2017 hatte der Gestaltungsbeirat dieses Vorhaben in Augenschein genommen; der Planungs- und Umweltausschuss hatte im März 2021 grünes Licht und äußerte breite Zustimmung. Allerdings gab es Hindernisse, die die Umsetzung des „Durchführungsvertrags“ entgegen standen. Deshalb wurde dieser Vertrag damals nicht unterzeichnet. Die Hindernisse, die nicht näher benannt werden seitens der Verwaltung, sind nun aber offenbar auf die Seite geräumt.
Damit könnte der Beginn der Arbeiten an dieser zentralen Stelle in greifbare Nähe rücken, der eine Sanierung und Erweiterung des sechsstöckigen Gebäudes vorsieht. Die Presseabteilung des Bankhauses sagt: Die Vorarbeiten beginnen nach Eingang der Baugenehmigung; geplanter Beginn der Baustelleneinrichtung sei dieses Frühjahr. Ein genauerer Zeitpunkt wird nicht genannt.
Sparkassen-Baustelle und Festivitäten auf dem Marktplatz: Geht das?
Bei ihrem Vorhaben arbeitet die Sparkasse Hand in Hand mit weiteren Akteuren, denn auch die Umgebung an dieser „stadtbildprägenden Stelle“ wird eingeplant und soll dauerhaft der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Die Zusammenarbeit bezieht sich auch auf die Frage, wie Veranstaltungen und das öffentliche Leben während der Bauzeit möglichst reibungslos und störungsfrei ablaufen können. Klar ist, dass diese zentrale Baustelle auf keinen Fall Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt oder das Oechsle Fest gefährden soll. Wie der Leiter der Presseabteilung im Rathaus Pforzheim, Philipp Mukherjee, auf Anfrage der PZ klarstellt, begrüße man es von Seiten der Stadtverwaltung „sehr, dass sich an dieser zentralen Stelle in der Innenstadt etwas bewegt“. Und zwar innerhalb des Sanierungsgebiets, das das östliche Gesicht der Stadt maßgeblich verändern wird. Wie Mukherjee weiter ausführt, stehen sowohl die Stadtverwaltung als auch der Eigenbetrieb Wirtschaft- und Stadtmarketing (WSP) in „engem Austausch“ mit der Sparkasse. Ein erster Abstimmungstermin habe Ende vergangenen Jahres stattgefunden.
„Im Fokus standen dabei unter anderem die Organisation der Baustelle, insbesondere die Gewährleistung von Fluchtwegen, aber auch die Abstimmung im Hinblick auf größere Veranstaltungen wie das Oechsle Fest und den Weihnachtsmarkt.“
Gemeinsames Ziel aller Beteiligten sei es, die Baustelle so zu organisieren, „dass die Durchführung dieser für die Innenstadt wichtigen Events weiterhin möglich bleibt“.
Im Rahmen des Möglichen sollen Einschränkungen minimiert werden. Welche konkreten Einschränkungen sich dennoch ergeben könnten, das vermag man zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen. Einiges hängt auch vom Fortschritt der Bauarbeiten ab. rot
