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Mühlacker -  14.05.2026
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Große ISEK 2040-Befragung: Bürger wünschen sich neues Gesicht für Mühlacker

Mühlacker. Viele Bürger sehen ihre Stadt kritisch: 62 Prozent der Teilnehmer einer großen Befragung halten Mühlacker für eine Kommune ohne besonderes Profil. Vor allem bei Verkehr, Innenstadt und Lebensqualität formulieren die Teilnehmer deutlichen Handlungsbedarf.

Mühlacker Drohnenbild Luftbild
Die Bürger sehen bei Verkehr, Innenstadt und Lebensqualität Handlungsbedarf: Bei der Auftaktveranstaltung zum Stadtentwicklungskonzept wurden erste Ergebnisse einer umfangreichen Befragung vorgestellt. Foto: Pforzheimer Zeitung

Fast zwei Drittel der Teilnehmer einer Bürgerbefragung sehen Mühlacker derzeit als „Stadt ohne besonderes Profil“. Dieses Ergebnis einer groß angelegten Umfrage im Rahmen des neuen Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) ist bei der Auftaktveranstaltung am Montagabend im Uhlandbau vorgestellt worden. Wie die Verantwortlichen des beauftragten Planungsbüros Weeber+Partner erläuterten, sei der Wert im Vergleich mit anderen Kommunen ungewöhnlich hoch. Insgesamt hatten 62 Prozent der Befragten angegeben, Mühlacker aktuell als Stadt ohne besonderes Profil wahrzunehmen. Bürgermeister Armin Dauner wollte das Ergebnis allerdings nicht als grundsätzlich negatives Signal verstanden wissen. „Das muss eigentlich nichts Schlimmes sein“, sagte er im Gespräch mit PZ-news. Der Wert stehe eher dafür, „dass Mühlacker kein spezifisches Profil nur in eine Richtung hat“.

Die Befragung ist Teil des ISEK 2040, mit dem die Stadt Leitlinien und Entwicklungsziele für die kommenden Jahre erarbeiten will. Das Konzept soll Themen wie Wohnen, Verkehr, Innenstadtentwicklung, Klima, Wirtschaft und gesellschaftliches Zusammenleben bündeln. Rechtlich bindend ist das Konzept nicht, konkrete Maßnahmen müssten später jeweils vom Gemeinderat beschlossen werden.

Für die Umfrage waren Anfang Februar 3000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren angeschrieben worden. Am Ende beteiligten sich 1007 Menschen. Laut Präsentation entspricht das einer Rücklaufquote von 33,6 Prozent und damit einer „aussagekräftigen Befragung“. Dauner sprach von einem erfreulich hohen Rücklauf. „Ein Drittel der Leute hat geantwortet, das ist ein guter Wert“, sagte er. Positiv sei außerdem gewesen, dass die verschiedenen Altersgruppen und Stadtteile vergleichsweise gut vertreten gewesen seien. Laut Auswertung waren jüngere Menschen zwar leicht unterrepräsentiert, ältere Bürger ab 60 Jahren dagegen etwas stärker vertreten. Auch Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit nahmen seltener teil.

Inhaltlich zeigt die Umfrage, dass sich viele Menschen für die Zukunft ein deutlich klareres Bild ihrer Stadt erhoffen. Viele Bürger wünschen sich künftig stärker ein familienfreundliches, bürgerorientiertes und klimafreundliches Mühlacker. Die traditionelle Bezeichnung als „Senderstadt“ verliert dagegen an Bedeutung.

Als wichtigste Themen für die kommenden zehn Jahre nannten die Teilnehmer vor allem Einzelhandel und Versorgung, Wohnen und Wohnumfeld, Wirtschaft und Gewerbe sowie Mobilität und Verkehr. Kritisch bewerten viele Teilnehmer Verkehr und Innenstadt. Genannt werden unter anderem Straßenzustand, Barrierefreiheit, ÖPNV-Verbindungen zwischen den Stadtteilen, Leerstände, Lärm und fehlendes Grün in der Bahnhofstraße.

Viele Erwartungen

Ein auffälliges Ergebnis sieht Dauner beim Thema Klimaschutz und erneuerbare Energien. In der Umfrage sprachen sich viele Teilnehmer für stärkere Maßnahmen beim Klima- und Umweltschutz aus. Gleichzeitig sei die Bereitschaft deutlich geringer gewesen, selbst Geld für entsprechende Investitionen auszugeben. „Die Erwartungshaltung ist gerne groß – aber nur so weit es die anderen betrifft“, sagte Dauner. Das sei allerdings „kein Mühlacker-Spezifikum“.

Zur Auftaktveranstaltung kamen nach Angaben Dauners rund 60 bis 70 Besucher. Er rechnet jedoch damit, dass die Beteiligung in den kommenden Stadtteilworkshops deutlich größer ausfallen wird. „Da ist die Identifikation im jeweiligen Stadtteil noch einmal eine andere“, sagte er.

Im weiteren Verlauf des ISEK-Prozesses sind bis Oktober sieben Stadtteilworkshops geplant – unter anderem in Dürrmenz, Enzberg, Großglattbach, Lomersheim und Mühlhausen. Dort sollen Bürgerinnen und Bürger konkrete Ideen und Probleme aus ihren Stadtteilen einbringen.