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Bundeswehr -  16.04.2026
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Großübung der Bundeswehr im Südwesten: Ist auch der Enzkreis betroffen?

Enzrkeis. 850 Soldaten trainieren bei der Übung „Orange Road“ im Südwesten den Ernstfall. Ob auch der Enzkreis betroffen ist, bleibt unklar – eine Anfrage der PZ brachte keine konkreten Antworten.

De Maizière besucht Feldjaäger
Feldjäger sichern bei einer Übung militärische Abläufe. Das Foto entstand in Nordrhein-Westfalen und dient als Symbolbild für die anstehende Großübung im Südwesten. Foto: picture alliance / dpa

Mehr Soldaten, mehr Fahrzeuge, engere Zusammenarbeit mit zivilen Behörden: Die Bundeswehr verstärkt ihre Übungsaktivitäten in der Region. Zwischen dem

20. und 30. April findet die Großübung „Orange Road“ im Raum Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim, Speyer und Kehl statt. Ob auch Auswirkungen auf den Enzkreis bestehen, ist bislang unklar.

Rund 850 Soldatinnen und Soldaten des Feldjägerregiments 3 nehmen an der Übung teil, unterstützt von Reservisten. Trainiert wird ein Szenario der Bündnis- und Landesverteidigung mit militärpolizeilicher Ausrichtung. Dazu gehören unter anderem die Begleitung militärischer Marschbewegungen sowie die Organisation von Gewässerüberquerungen gemeinsam mit Pionierkräften, wie das Landeskommando Baden-Württemberg der Bundeswehr auf Anfrage mitteilt.

Post sorgt für Spekulationen

Die Übung ist zwar fiktiv angelegt, orientiert sich aber an einem möglichen realen Einsatz: der Unterstützung der 10. Panzerdivision im NATO-Partnerland Litauen. Damit spiegelt sie die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa wider. Ein Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit zivilen Behörden. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sind in die Abläufe eingebunden. Während der gesamten Übung besteht ein gemeinsames Lagezentrum mit der Polizei. Im Vorfeld wurden die zuständigen Behörden, darunter auch Landratsämter, informiert.

Ob auch der Enzkreis direkt von der aktuellen Großübung betroffen ist, bleibt allerdings offen. Eine entsprechende Anfrage der PZ beim Landeskommando Baden-Württemberg blieb ohne detaillierte Angaben zu konkreten Orten oder möglichen Bewegungen im Kreisgebiet. Für Spekulationen sorgte allerdings ein Beitrag der Gemeinde Ölbronn-Dürrn in den sozialen Medien. Darin hieß es, dass neben der eigenen Gemarkung auch Nachbarorte betroffen sein könnten. Bürgermeister Norman Tank relativierte diese Darstellung im Gespräch jedoch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Enzkreis betroffen sein könnte, konkrete Informationen dazu lägen der Gemeinde aber nicht vor.

Für die Bevölkerung sollen die Auswirkungen insgesamt möglichst gering bleiben. Die Bundeswehr kündigt an, Beeinträchtigungen im Straßenverkehr so niedrig wie möglich zu halten. Für militärische Kolonnen gelten die üblichen Verkehrsregeln. Scharfe Munition wird nicht verwendet, Übungsmunition kann jedoch unter Einhaltung strenger Sicherheitsvorgaben zum Einsatz kommen. Die Bevölkerung wird gebeten, Abstand zu den übenden Truppen zu halten.

Blick auf frühere Übungen

Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, dass die Bundeswehr den Raum Pforzheim und Enzkreis immer wieder für Übungen nutzt. Im März 2024 trainierten rund 100 Soldaten auf dem Gelände des Senders in Mühlacker. Neben Fahrzeugen kamen dabei auch Hubschrauber und ein Flugzeug zum Einsatz. Details zum Szenario wurden nur in begrenztem Umfang bekannt. Für Anwohner war die Übung vor allem durch Flugbewegungen wahrnehmbar, größere Einschränkungen gab es nicht.

Bereits im Juni 2023 hatte das ABC-Abwehrbataillon 750 aus Bruchsal im Bereich des Bundeswehrlagers in Pforzheim-Huchenfeld sowie im umliegenden Enzkreis geübt. Rund 100 Soldaten und mehr als 30 Fahrzeuge waren im Einsatz. Im Mittelpunkt standen dabei spezielle Gefahrenlagen, wie sie etwa bei chemischen oder biologischen Bedrohungen auftreten können.

Ebenfalls 2023 nutzte die Bundeswehr den Nordschwarzwald, insbesondere den benachbarten Landkreis Calw, für großflächige Übungen. Mehrere Gemeinden waren betroffen, die Truppe bewegte sich dabei auch im Gelände. Die Bevölkerung wurde im Vorfeld auf mögliche Gefahren im Übungsbereich hingewiesen. Dass auch kurzfristige und für die Bevölkerung überraschende Übungen stattfinden können, zeigte sich bereits im Juni 2022 in Engelsbrand. Dort landeten am Nachmittag zwei Militärhubschrauber mitten im Ort, begleitet von Soldaten am Boden sowie Polizeikräften. Die Maschinen setzten unterhalb eines Wasserspielplatzes zwischen Hauptstraße und Brennermißweg auf und hoben kurze Zeit später wieder ab. Wie die Polizei damals bestätigte, handelte es sich um eine angemeldete Übung der Bundeswehr.

Dass solche Übungen auch mitten im Siedlungsraum stattfinden können, zeigte bereits ein Fall aus dem Jahr 2015: Damals trainierte die Bundeswehr im Pforzheimer Stadtteil Herrenstriet in leerstehenden Gebäuden. Anwohner kritisierten im Nachgang vor allem eine aus ihrer Sicht unzureichende Information über die Maßnahme.

Die aktuelle Großübung „Orange Road“ reiht sich damit in eine Serie von Manövern ein, mit denen die Bundeswehr ihre Einsatzbereitschaft auch in der Region trainiert – mit Blick auf Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung, wie sie auch bei der aktuellen Übung im Mittelpunkt stehen.