H2Stamping-Gruppe in Königsbach-Stein: Restrukturierung steht vor dem Abschluss
Die Insolvenzverfahren bei vier Gesellschaften der früheren Härter-Gruppe sollen im Juli enden. Geschäftsführung spricht von aktuell „guter Auftragslage“ und blickt positiv nach vorn.
Königsbach-Stein. Die Restrukturierung des operativen Geschäfts der früheren Härter- und heutigen H2Stamping-Gruppe in Königsbach-Stein steht vor dem Abschluss. „Wir haben alle Schritte für das Sanierungskonzept geklärt“, sagt der Verfahrensbevollmächtigte Alexander Verhoeven. Im Juli sollen die Insolvenzverfahren von vier Gesellschaften der Unternehmensgruppe beendet und der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden – bei „guter Auftragslage“, wie Verhoeven und Felix Nußbaum, einer der drei Geschäftsführer von H2Stamping, auf PZ-Anfrage mitteilen.
Die auf Stanztechnik spezialisierte Unternehmensgruppe hatte im Dezember 2024 für die H2Stamping Germany GmbH & Co. KGaA, H2Stamping Tools GmbH, Hottinger Präzisionstechnk GmbH und Hoffmann GmbH beim Amtsgericht Pforzheim Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Wenige Monate später wurden die Verfahren eröffnet. Im Zuge der Restrukturierung der vier Gesellschaften wurden Personal abgebaut, der Gerätepark verringert und die Fläche für den Geschäftsbetrieb verkleinert.
„Das war eine Herausforderung für alle Beteiligten“, sagt Nußbaum. „Auch für die, die leider nicht mehr Teil des Unternehmens sind.“ Von den zuvor rund 500 Beschäftigten verloren rund 180 ihren Job – etwa ein Drittel des bisherigen Personals. Ihnen wurde angeboten, in die Transfergesellschaft eines Dienstleisters zu wechseln, der die Suche nach einem neuen Job unterstützt. Wie viele das Angebot angenommen haben, vermochte Nußbaum nicht zu beziffern. Seines Wissens seien aber die meisten in die Transfergesellschaft gewechselt. Schmerzhaft war für die Geschäftsführung die Entscheidung, das Personal zu verringern, auf jeden Fall.
„Wir mussten uns von guten Mitarbeitern trennen“, sagte H2Stamping-Geschäftsführer Felix Nußbaum. „Aber das war nicht zu verhindern.“
Ohne Alternative war auch die Verringerung des Geräteparks: Maschinen aus dem Eigentum des Unternehmens wurden veräußert, geleaste Geräte zurückgegeben – und die Verkleinerung des bisher genutzten und angemieteten Areals in Königsbach-Stein. „Die Mietfläche wurde nach unten gebracht“, so Verhoeven. Einen Teil der bisherigen Fläche nutzt H2Stamping weiter – und besitzt dafür laut Nußbaum und Verhoeven längerfristige Verträge. „Wir wollen hierbleiben“, sagt der Geschäftsführer.
Standort in Pforzheim wird aufgegeben
Nicht mehr genutzt wird dagegen der Standort der Hoffmann GmbH in Pforzheim, die 2023 von der damaligen Härter-Gruppe übernommen worden war. Schon da sei klar gewesen, dass man diesen Standort aufgeben werde, so Nußbaum. Im Laufe der Restrukturierung seien die Hoffmann-Aktivitäten nach Königsbach-Stein verlagert worden. Das Areal wurde bekanntlich schon vor dem Insolvenzverfahren verkauft und soll nun „Mitte des Jahres wie geplant“ an den von Nußbaum nicht genannten neuen Besitzer übergeben werden.
Was mit den von H2Stamping nicht mehr benötigten Gebäuden in Königsbach-Stein geschieht, das sei Sache des dortigen Eigentümers, sagen Nußbaum und Verhoeven. Nach PZ-Informationen werden sie derzeit über einen Fachmakler für Industrie- und Gewerbeimmobilien angeboten.
„Mit dem Zuschnitt, den wir den Gesellschaften verpasst haben, kann die Unternehmensgruppe auskömmlich wirtschaften“, sagt Verhoeven zum voraussichtlichen baldigen Abschluss des Restrukturierungsprozesses. Sollte nicht etwas Unvorhergesehenes passieren, würden die Insolvenzverfahren im Juli aufgehoben, sagt der Verfahrensbevollmächtigte. Das Sanierungskonzept stehe, der Insolvenzplan sei fertig. Gläubigerausschuss, Sachwalter und Gericht hätten zugestimmt. Auch der Erörterungs- und Abstimmungstermin durch das zuständige Insolvenzgericht stehe fest – sollten die noch ausstehenden formalen Hürden genommen werden, sei die Unternehmensgruppe „vollständig aus dem Insolvenzverfahren raus“. Die Restrukturierung wäre dann abgeschlossen.
„Wir sind erleichtert, dass es vorbei ist“, sagt Nußbaum. „Das Leben beginnt, wieder normal zu werden.“ Und: „Wir werden uns zeigen als Unternehmen“, fügt der Chief Sales Officer (CSO), der führende Vertriebsmanager von H2Stamping, hinzu. Für ihn sei die kommende Woche schon komplett für Kundentermine verplant.
„Zurzeit gut beschäftigt“
Zwar ist es laut Nußbaum wirtschaftlich nach wie vor keine entspannte Zeit, doch spricht er von einer aktuell „guten Auftragslage“ für das Unternehmen. „Zusatzvolumina“ von Kunden seien platziert worden, zudem gebe es „signifikante Neuprojekte“. „Wir sind zurzeit gut beschäftigt“, sagt Nußbaum, der die Unternehmensgruppe nach der Restrukturierung der Standorte im Nordschwarzwald auf einem „guten Weg“ sieht.
Was für die Geschäftsführung, deren Aufmerksamkeit zuletzt den Gesellschaften in Deutschland galt, nun wieder stärker in den Fokus rückt, sind die ausländischen Standorte in Polen, den USA, Mexiko und China – sie alle waren von den Insolvenzverfahren nicht betroffen. „Sie sind in sich stabil und selbstständig sowie außerhalb jeder Diskussion und wirtschaftlicher Schwierigkeiten.“
