Hitze und Personalmangel: Freibäder in der Region gehen in die Knie
Remchingen/Ötisheim/Neuenbürg. Ausgerechnet jetzt, mag man denken. Ausgerechnet, wenn die Temperaturen am Wochenende auf bis zu 40 Grad klettern, ziehen viele Freibäder in der Region die Reißleine. Neuenbürg und Ötisheim begrenzen die Gästezahl. In Remchingen geht man sogar noch einen Schritt weiter: Dort werden zudem am Samstag, Sonntag und Montag die Öffnungszeiten um je drei Stunden gekürzt. Abkühlung gibt es dann nur von 11 bis 19 Uhr, am Montag sogar erst ab 12 Uhr.
Pressesprecherin Alina Di Sannio erklärt, warum: „Wir haben unter der Woche derzeit rund 2000 Besucher, an Wochenenden sogar doppelt so viele. Das ist für die Bademeister schwer zu überblicken“. Drei Hauptamtliche kümmern sich im Remchinger Schlossbad um den Badebetrieb. Dazu kämen Helfer, die in unterschiedlichen Modellen angestellt und deshalb nur eingeschränkt verfügbar seien. Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) unterstützen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Doch irgendwann sind die Kapazitäten erschöpft. „Mehr Gäste bedeutet mehr Personal“, sagt Di Sannio. Da das Badepersonal üblicherweise in drei Schichten arbeite, die erste beginnt um 7 Uhr, die letzte endet um 22 Uhr, habe man sich entschieden, an den Randzeiten zu kürzen. So könne man das Personal besser einteilen. Sicherheit gehe vor. Doch nicht nur das Personal ist an der Belastungsgrenze. Auch die Technik sei am Anschlag, verrät einer der Verantwortlichen. „Wir kriegen das Wasser nicht mehr kalt“, schildert der Mann eines der Probleme. Außerdem sei der Wasserverbrauch derzeit hoch, weil immer wieder Frischwasser zugesetzt werden müsse.
In Ötisheim und Neuenbürg ist man noch nicht so weit, dass die Badezeiten eingeschränkt werden. Aber auch dort hat der derzeit hohe Andrang Auswirkungen. In Ötisheim gilt ab sofort: Nur maximal 800 Gäste dürfen gleichzeitig auf das Gelände. Danach kommen nur noch Saisonkarten-Inhaber rein. Ab 900 Besuchern ist aber endgültig Schluss. In Neuenbürg wird zwar keine konkrete Zahl genannt, aber auch dort machen die Verantwortlichen klar: „Sollte die Kapazitätsgrenze überschritten werden, kann der Eintritt ins Freibad nicht mehr gewährleistet werden. Zudem rät man den Besuchern, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Die Parkplatzkapazitäten seien schnell am Limit – wildes Parken sei nicht erlaubt und werde geahndet.
Die hohen Besucherzahlen führen zunehmend zu kritischen Situationen, begründen die Rathäuser in Neuenbürg und Ötisheim. Auch dort ist – wie in Remchingen – von einer Überlastung der Einrichtung und des Personals die Rede. Hygiene- und Sicherheitsstandards müssten gewährleistet sein. „Die Überlastung beginnt bei einer angespannten Parkplatzsituation und reicht bis zu dichtem Gedränge und Rangeleien am Beckenrand“, erklärt der Ötisheimer Hauptamtsleiter Christian Bauer. Erschwerend komme hinzu, dass die anhaltend hohen Temperaturen „erfahrungsgemäß auch die Reizschwelle und Konfliktbereitschaft strapazieren“, was das Personal vor zusätzliche Herausforderungen stelle. „In solch einem Umfeld stößt die Aufmerksamkeitsgrenze des Badepersonals an ihre Limits. Gerade dann ist jedoch eine lückenlose Wachsamkeit am Beckenrand lebenswichtig und muss höchste Priorität haben“, erklärt Bauer. Auch in Remchingen wird deutlich, am besten kann man die Bademeister in der derzeit schwierigen Situation entlasten, wenn man sich uneingeschränkt an die Baderegeln hält, den Anweisungen des Personals Folge leistet und die eigenen Kinder nicht aus den Augen lässt.
Weitere Einschränkungen
Die hohen Besucherzahlen in den Bädern hängen aber nicht nur mit der Hitze zusammen, sondern auch mit den Einschränkungen in anderen Freibädern. So fallen im Pforzheimer Wartbergbad der Kinderplanschbereich, der Kinderspielplatz und die Spielfelder aufgrund der beginnenden Neubauarbeiten für das Panoramabad weg. Auch die Liegefläche musste dort reduziert werden. Die Freibäder in Dillweißenstein und in Calmbach bleiben wegen einer Generalsanierung in diesem Jahr sogar komplett geschlossen.
