Hoffnung auf Glaube und Liebe: Christliche Partnervermittlung in der Region löst sich auf
Birkenfeld. „Mein Ziel ist, hinter dem Eisernen Vorhang den Wodka saufenden Russen das Evangelium zu verkünden. Da kann man keine Familie gründen. Kommst du mit nach Moskau?“, fragte der Mann. „Wenn Gott uns schickt, komme ich mit“, antwortete die Frau. So begann sie, die große Liebe zwischen Walter Nitsche und seiner Frau Iris. Seit 46 Jahren sind sie inzwischen verheiratet. In Russland waren die Eheleute nie, aber Glaube und Liebe blieben die bestimmenden Themen im Leben des 69-jährigen Birkenfelders.
„Ich bin eine Ozeanseele, ich muss tiefer gehen“, erklärt Nitsche seine intellektuelle Umtriebigkeit. „Gutes Auskommen und auf die Rente warten, das reicht mir nicht.“ Nach einer abgeschlossenen Polizeiausbildung begann er, sich mit Jesus zu beschäftigen und intensiv die Bibel zu lesen. „Ich brauche für meinen Glauben eine rationale Grundlage“, so Nitsche weiter. Und daher habe er die rationale Entscheidung getroffen, sein Leben Jesus anzuvertrauen.
Er beginnt im Alter von 21 Jahren an einer freikirchlichen Missionsschule im schweizerischen Kanton St. Gallen mit christlicher Jugendarbeit. Dort trifft er seine Frau und erkennt: „Geistliche Übereinstimmung ist eine der Säulen einer guten Ehe.“
Geistliche Übereinstimmung
1985 entsteht aus diesen Überlegungen – damals noch in der Schweiz beheimatet – der Christliche Partnerschafts-Dienst (CPD). 37 Jahre arbeitet Nitsche als „christlicher Eheberater“, bietet Seminare für Singles an. Aber hauptsächlich betreibt er mit einem kleinen Team die Partnervermittlung, die zum Ziel hat, christliche Männer und Frauen miteinander bekannt zu machen. Über 4000 von ihnen habe er nach eigenen Angaben in all den Jahren vermittelt.
Die Vermittlung erfolgte anonymisiert. Für 340 Euro konnten sich Interessierte anmelden und einen Fragebogen zur geistlichen Orientierung, Lebenssinn und Wunschgefährten ausfüllen. Ein Computerprogramm ermittelte aus den Einsendungen Übereinstimmungen und spuckte 20 mögliche Kandidatinnen oder Kandidaten aus. Die drei passendsten wurden hieraus handverlesen und bei beidseitiger Zustimmung kam es zum Austausch der Kontaktdaten. Ein Erfolgshonorar von nochmals 300 Euro wurde bei Heirat oder Verlobung fällig. Hierzu kam es nicht selten: In einem kleinen Sammelband hat Nitsche die Erfahrungsberichte unzähliger erfolgreich vermittelter Paare zusammengestellt. Was sie alle eint: Sie danken Gott dafür, ihnen einen lieben Menschen geschenkt zu haben. Doch in diesem Jahr war Schluss. CPD stellte seinen Dienst nach 37 Jahren ein. Die Anmeldungen gingen während Corona zurück. Nitsches Lebensprojekt ging pleite. Die Single-Freizeiten und -Wochenenden führt die Arbeitsgemeinschaft seelsorglicher Berater weiter.
Zeiten der Not
„Wenn Zeiten kommen von Krankheit und Not, dann braucht man einen Partner an der Seite“, ist sich der 69-Jährige nach wie vor sicher. Auch aus eigener Erfahrung. Zu Beginn der Ehe erkrankt Nitsches Frau Iris schwer. Eines der vier Kinder des Ehepaars leidet ebenfalls an einer schweren Krankheit. Er selbst ist Dialytiker und sagt: „Ohne meinen Glauben hätte ich mich vielleicht umgebracht.“ Auch seine eigene Ehe sieht er als Geschenk Gottes. „Meine Frau ist sehr tapfer. Das hat mich damals beeindruckt und beeindruckt mich noch heute.“
Aber was weiß er, selbsterklärter Experte in Sachen Liebe, über die Geheimnisse von Zuneigung und Sehnsucht des Herzens? „Man kann auch als Single ein erfülltes Leben führen. Nicht jeder Topf findet einen Deckel“, beginnt Nitsche. Auch von der märchenhaften Vorstellung, dass es den Einen oder die Eine gebe, hält er nichts. Niemand passe perfekt zum anderen. „Gegensätze ziehen sich im Wesen an. Gleich und gleich gesellt sich gern in der Gesinnung. Wenn ich mit jemandem drei Stunden kuscheln kann, ist das genauso bedeutend wie drei Stunden reden.“
Am Ende sei die Liebe auch eine Entscheidung. „Liebe bedeutet, die wahren Bedürfnisse des Partners zu suchen und zu stillen.“
