«Horrorhaus»-Prozess: Deutschen Eltern drohen 25 Jahre Haft
Der Fall ließ selbst erfahrene Ermittler in Spanien erschaudern: Deutsche Eltern sollen ihre drei Kinder jahrelang zwischen Müll eingesperrt haben. Nun müssen sie sich vor Gericht verantworten.
Die Kinder hätten in zum Teil zu kleinen Gitterbetten schlafen müssen. Sie seien von ihren Eltern gezwungen worden, Windeln und Mundnasenmasken zu tragen, und völlig von der Außenwelt abgeschottet gewesen. Nicht einmal in den Garten des Hauses hätten sie gedurft. «Wir haben drei Minderjährigen das Leben zurückgegeben. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in diesem Land passieren könnte», sagte Einsatzleiter Lozano damals.
Beim Anblick einer Schnecke «ausgeflippt»
Als die Kleinen von Beamten damals erstmals aus dem Haus geführt wurden, habe eines von ihnen erstaunt mit den Händen das Gras des Rasens berührt, ein anderes sei beim Anblick einer Schnecke «ausgeflippt». «Sobald wir sie herausgeholt hatten, begannen alle drei tief durchzuatmen, als wären sie noch nie an der frischen Luft gewesen», sagte ein Ermittler der Zeitung «La Nueva España».
Es wird vermutet, dass die Kinder seit der Anmietung des Hauses durch die Eltern im Oktober 2021 dort festgehalten wurden. Man weiß nach dem Verhör der Eltern, dass die Kleinen in Spanien nicht gemeldet wurden und sie in Oviedo nie zur Schule oder zum Arzt gegangen waren. Laut Staatsanwaltschaft führte das Einsperren bei den Kindern zu schweren physischen Schäden und zu Verzögerungen in ihrer sozialen Entwicklung.
Achtjährige Zwillinge konnten weder lesen noch schreiben
Die Zwillinge konnten nach dem Bericht der Ermittler, der unter anderem in der Zeitung «El Mundo» veröffentlicht und der Deutschen Presse-Agentur von den Behörden bestätigt wurde, weder lesen noch schreiben. Alle drei Kinder waren demnach unbeweglich, gingen gebückt und hatten Schwierigkeiten, Treppen zu steigen. Ein Arzt hatte sie zuletzt 2019 in Deutschland gesehen.
Die Eltern sollen ihre gesundheitlichen Probleme selbst diagnostiziert und behandelt haben. Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei auch große Mengen verschiedener Medikamente ohne ärztliche Verschreibung.
Entschädigung für Kinder gefordert
Neben der Haftstrafe fordert die Staatsanwaltschaft Maßnahmen wie ein Annäherungs- und Kontaktverbot zu den Minderjährigen sowie eine Entschädigung von 15.000 Euro für jedes der kleinen Opfer. Die Kinder werden seit ihrer Befreiung von den Sozialbehörden Asturiens betreut. Im Falle einer Verurteilung der Eltern wird unter anderem erwogen, sie zur Adoption freizugeben.
Die Behörden prüften nach eigenen Angaben zeitweilig, ob die Eltern der Mutter die Vormundschaft für die Kinder übernehmen könnten, nachdem das Gericht den Eltern das Sorgerecht entzogen hatte. Diese Option erwies sich jedoch als wenig praktikabel, da die Großeltern bereits in die USA zurückgekehrt sind. Weitere Angehörige konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden.
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