Hunderte Wohnungen auf Eis: Diese Pforzheimer Neubau-Projekte stehen in der Warteschleife
Pforzheim. Neubauten sind bei der Arlinger Baugenossenschaft momentan kein Thema. Zu hoch die Kosten für die Finanzierung, egal ob das Geld durch Förderung oder vom Kapitalmarkt kommt. Vorstandsvorsitzender Carsten von Zepelin hat mehrere Projekte deshalb auf Eis gelegt. Und das, obwohl die Zahl der Baugenehmigungen bundesweit seit Anfang des Jahres steigt. Für Pforzheim scheint das nicht zuzutreffen.
Von der geplanten Bebauung des Theresienareals mit 2700 Quadratmetern Fläche an der Brendstraße unweit des Pflegeheims Erich-Bähner-Haus im Arlinger, das zwölf seniorengerechte Wohnungen, eine Tagespflege und eine Kita beherbergen sollte, ist nur noch das Kitavorhaben für vier Gruppen übrig geblieben. Dafür zahlt der Träger auskömmliche Mieten, sagt von Zepelin. Er hofft, noch vor Jahresende mit dem Bau beginnen zu können. Es müsse noch Baurecht geschaffen werden.
Sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern, könne jederzeit weitergebaut werden. Das Grundstück gehört der katholischen Kirche. Für dieses Bauvorhaben müsste der historische Theresiensaal weichen, um Platz zu schaffen. Der Gestaltungsbeirat als Beratungsgremium der Stadt hatte sich bereits 2021 mit dem Umbau beschäftigt. Die FDP-Fraktion hatte damals Kritik am Abriss des identitätsstiftenden Baus geübt.
Bewirtschaftung des Bestands
Das Stocken bei der Umwandlung des Theresienareals ist kein Einzelfall. Für die Baugenossenschaft stehen etliche genehmigte Bauvorhaben in der Warteschleife – und sind auf einen unbekannten Zeitpunkt verschoben. So könnte die Schönbergstraße mit zwei Holzgebäuden ein Ort für zehn Wohnungen werden, mit Gemeinschaftsraum, Gästewohnung und Tiefgarage werden. Und auch an der Hohlohstraße in direkter Nachbarschaft könnte eine Erweiterung der Geschäftsstelle entstehen – ein Holzbau, verbunden mit dem Bestandsbau. Im Erdgeschoss sind 300 Quadratmeter Büroflächen und darüber 220 Quadratmeter fürs Wohnen reserviert. Dazu kommt eine Tiefgarage.
Mit der Bewirtschaftung des Bestands sei sein Unternehmen gut beschäftigt, erklärt von Zepelin. Großmodernisierungen wie etwa das Gebäude an der Helmutstraße 3 mit 14 Wohnungen aus den 1960er-Jahren gilt es auf den neuesten energetischen und wohnlichen Standard zu bringen. Neue Grundrisse, Dämmung und neue Heizungen stehen an. Damit sich Bauen wieder lohnt, brauche es außerdem weniger Vorschriften und Auflagen, sagt von Zepelin. Auch die Bau und Grund fokussiert sich auf die Sanierung von Bestandsgebäuden, erklärt Geschäftsführer Lothar Girrbach.
Punkthäuser im Haidach
Die Punkthäuser im Haidach, Ende der 1960er-Jahre gebaut, brauchen eine Generalüberholung. Die Breslauer Straße 7 ist schon eingerüstet, weitere vier Punkthäuser in der Straße sollen in den nächsten Jahren folgen, sagt Girrbach. Der Haidach als Hotspot der Spätaussiedler verfügt über eine treue Mieterschaft. In Innenstadtlagen neu und wirtschaftlich auskömmlich zu bauen ist aus Sicht des Experten hingegen risikobehaftet. Die Wohnungen müssten für 20 Euro den Quadratmeter vermietet werden, de facto können aber nur 14 Euro erwirtschaftet werden.
Ein großes Neubauprojekt dümpelt seit Jahren dahin: Die Realisierung von 40 Wohnungen an der Moltkestraße in einem einzigen neu zu bauenden Haus. Drei Umplanungen auf Wunsch der Stadt und mehrere Baubürgermeister später ist das Baurecht immer noch ungeklärt. Gerne würde die Wohnbaugesellschaft auch zehn Wohnungen am Ende der Blumenheckstraße errichten. Dort befinden sich momentan Garagen. Auch die Entwicklung des Areals Güterbahnhof lässt auf sich warten. Der Investor S&P Commercial Development GmbH mit Sitz in Erlangen hatte seine Pläne für die Bebauung des 14.500 Quadratmeter großen Güterbahnhofareals erstmals 2022 in öffentlichen Sitzungen des Gestaltungsbeirats vorgestellt.
Es soll ein Mix aus Kindergarten, 220 Wohnungen, Nahversorger und einem mehrstöckigen Hotel auf dem 14.500 Quadratmeter großen Areal gebaut werden – mittendrin die denkmalgeschützte Halle. Daraufhin hatte Frank Jourdan, Geschäftsführer des gleichnamigen Fachgeschäfts auf dem Areal, mit der Suche nach einem alternativen Standort begonnen – ohne Erfolg. Der Investor habe den im Dezember ausgelaufenen Pachtvertrag unbefristet verlängert, sagt er. Für Jourdan ein klares Signal, dass das Areal in den nächsten Jahren nicht bebaut werde.
