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Ötisheim -  25.08.2026
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„Ich hinterlasse ein gut bestelltes Haus“: Ötisheims Bürgermeister Werner Henle wird am Freitag verabschiedet

Ötisheim. Kaffee steht auf dem Tisch. Beim letzten Pressegespräch mit Ötisheims Bürgermeister Werner Henle gibt es dazu sogar Gebäck. Und weil 32 Jahre als Bürgermeister ein bedeutender Zeitabschnitt im Leben sind, findet das Gespräch symbolträchtig im Ötisheimer Ratssaal statt. Denn dort wurden in Henles langer Amtszeit gemeinsam mit dem Gemeinderat zahlreiche Entscheidungen für den Ort getroffen.

Werner Henle, ist gut gelaunt vor dem letzten Pressegespräch im Ratssaal zum bevorstehenden Ruhestand, aufgenommen fast an derselben Stelle wie knapp ein Vierteljahrhundert früher (siehe Archivfoto unten).
Werner Henle, ist gut gelaunt vor dem letzten Pressegespräch im Ratssaal zum bevorstehenden Ruhestand, aufgenommen fast an derselben Stelle wie knapp ein Vierteljahrhundert früher (siehe Archivfoto unten). Foto: Prokoph

„Ich hinterlasse ein gut bestelltes Haus“, blickt der mittlerweile 69 Jahre alte Henle zufrieden zurück. Der in Augsburg Geborene war von 1977 bis 1988 als Zeitsoldat Oberfeldwebel bei der Bundeswehr in Ulm und als sogenannter „Schirmmeister“ Chef über 300 Fahrzeuge und 360 Soldaten.

Danach absolvierte er in Weinstadt im Remstal eine vier Jahre dauernde Ausbildung im gehobenen Dienst als Diplomverwaltungswirt. Auf Ötisheim wurde Henle durch eine Anzeige aufmerksam. „4700 Ötisheimer suchen einen Bürgermeister“ stand in der Stuttgarter Zeitung. „Wenn man damals östlich von Stuttgart lebte, dann hat die Welt in Stuttgart aufgehört und man kannte Ötisheim nicht“, berichtet Henle schmunzelnd. Aber genau diese eher ungewöhnliche Anzeige habe ihn persönlich berührt. Denn: „Wenn so eine Anzeige in der Stuttgarter Zeitung steht, dann weiß man, da stimmt etwas nicht“, sagt Henle.

Haustürwahlkampf 1994

1994 kämpften in Ötisheim zehn Kandidaten – davon sechs Fachleute – um die Nachfolge des langjährigen Bürgermeisters Willy Benndorf. Im zweiten Wahlgang hat Henle dann die Wahl mit 54 Prozent und sieben Prozent Vorsprung gewonnen.

Dazu muss man wissen, dass seine Ötisheimer Amtsvorgänger alle langjährig um die 30 Jahre im Amt waren. „Da, wo drei Leute auf einem Haufen standen, habe ich mich dazu gestellt und mit ihnen geschwätzt“, blickt Henle auf seinen erfolgreichen Haustürwahlkampf im Jahr 1994 zurück. „Ich habe versprochen, dass Ötisheims Selbständigkeit erhalten bleibt“, sagt Henle. „Bei der ersten Wiederwahl 2002 war ich erleichtert“, bekennt Henle.

Und bei seiner vierten Wiederwahl 2018 habe er sich über 40 Prozent Wahlbeteiligung als Anerkennung seiner Bürger und Bürgerinnen gefreut. Alle Errungenschaften seiner Amtszeit aufzuzählen, sprengt hier den Rahmen.

Wichtige Ereignisse waren unter anderem die Wasserenthärtungsanlage, der Bau der neuen Dreifeldsporthalle, die komplette Sanierung des Freibades und der Erhalt der Erlentalhalle, die 1979/1980 erbaut wurde. Persönlich freut Henle, dass die Alte Kelter aus dem Jahr 1702 erhalten werden konnte. Und seit 23 Jahren sei Ötisheim schuldenfrei. Das neue Bebauungsgebiet „Hofäcker“ ist auf den Weg gebracht. „Da bin ich sicher, dass viele Ötisheimer zurückkommen und hier bauen“, sagt Henle. Früher, so Henle, hätten die Kommunen mehr Unterstützung durch die gewählten Landtags- und Bundestagsabgeordneten gehabt.

Als Beispiele dafür nennt Henle Gerhard Mayer-Vorfelder (CDU), der von 1980 bis 2001 Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg war, von 1980 bis 1991 Kultus- sowie von 1991 bis 1998 Finanzminister des Landes Baden-Württemberg, und den Wiernsheimer FDP-Landtagsabgeordneten Hans Albrecht (1923 bis 2006). „Sie hatten immer ein Ohr für die Kommunen“, sagt Henle. Am Engagement der beiden könne man, so Henle, nachvollziehen, wie sich die Politik seither eher zum Nachteil der Kommunen verändert habe. „Die heutigen Abgeordneten identifizieren sich nicht mehr mit ihren Wurzeln“, sagt Henle.

Hätte er drei Wünsche für die kommunale Zukunft frei, würde der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Kreistag „den Landtag Baden-Württemberg halbieren und sämtliche neue Gesetze auf ein Jahr befristen“. Und: „Der Anteil der Kommunen an Bundes- und Landesvorgaben muss wie früher zu 100 Prozent finanziert werden“, sagt Henle. Mit seiner Frau Petra Klein, die ihm immer den Rücken freigehalten habe, will er nun seinen Ruhestand im Ötisheimer Eigenheim genießen, sich aus der dörflichen Kommunalpolitik raushalten und seinem Hobby Tauchen frönen. „Ich kann dann morgens entspannt aufwachen und muss im Ort keine Herausforderungen meistern“, sagt Henle. Darauf freue er sich.