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Illingen -  09.06.2021
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Illinger OpenArt: Kunstschaffende nehmen sich Vorbild

Für Kunstliebhaber gab es doppelten Grund zur Freunde: Nach coronabedingter Pause luden am Wochenende Kunstschaffende zur fünften Illinger OpenArt in ihre Ateliers. Bei ihren Arbeiten hatten sie sich von Wilhelm Hager inspirieren lassen. Der renommierte Künstler wäre diesen Mai 100 Jahre alt geworden. Ein Querschnitt seines vielseitigen Schaffens ist noch bis zum 20. Juni im Foyer der Stromberghalle zu sehen.

Bildhauer Eugen Schütz ist Hager einst persönlich begegnet.
Bildhauer Eugen Schütz ist Hager einst persönlich begegnet.

Zu den zwei Gründen gesellte sich am Freitagabend ein dritter Anlass zur Freude. Die Organisatoren hatten zur Vernissage auf den Platz vor der Stromberghalle geladen. Und die Besucher genossen es, endlich wieder einmal Kunst persönlich erleben zu können. „Wenn ihr so einen schönen Abend gestaltet, dann kann man nicht daheim blieben“, betonte ein Gast, kurz bevor Rolf Bissinger (Flöte) und Susanne Callenberg-Bissinger (Geige) zum musikalischen Auftakt aufspielten. Gespannt und an ihren durch Programmzettel am Boden markierten Platzhaltern verfolgten die Besucher Abstand haltend auch die Laudatio von Regina Fischer. Die Pforzheimer Kunsthistorikerin stellte in ihrer Einführungsrede eine Verbindung zwischen den Künstlern der OpenArt und dem Werk Hagers her.

Farben aus Pflanzen

Eugen Schütz, der den Künstlernamen KWAKU trägt, erinnerte sich an eine persönliche Begegnung mit Hager in der Zeit, als er selbst den Künstler in sich entdeckte. Fischer charakterisierte KWAKU als einen Recycling-Künstler, der als Bildhauer universell agiere. Derzeit bemüht er sich um eine dritte Teilnahme an einer Begleitveranstaltung zur Biennale in Venedig, wie die Besucher seines Ateliers erfuhren.

Annette Wiesner stellte, so Fischer, bildnerische Korrespondenzen zu Wilhelm Hagers Kriegstagebuch (1944) her. Die Malerin und Kräuterpädagogin fertige seit 2009 Farben aus gesammelten heimischen Wildpflanzen, Flechten oder Pilzen selbst. Die Laudatorin: „Die Farben, die sie dünn aufträgt, wirken sehr zart in fein nuancierten Naturtönen, haben ähnliche Qualität wie Aquarellfarben.“

Vom umfangreichen Schaffen Hagers haben Hans Schmid vor allem der Kinderkopf am Gefallenendenkmal und der Betonfries an der Stromberghalle beeindruckt. Wie vielseitig auch sein eigenes Werk ist, erlebten die Gäste im Seidenhof. Kunsthistorikerin Fischer: „Seine künstlerische Intention sind Experimente mit verschiedenen Materialien und ein freies Spiel mit Form, Farbe und Struktur.“

Ehrenmal und Betonfries begleiteten Regina Allgaier schon in ihrer Kindheit und stellten eine frühe Verbindung zur Kunst her. „Sie schafft Bilder, bei denen es ihr auf den emotionalen Gehalt, die Authentizität ankommt“, so Kunsthistorikerin Fischer. Am Wochenende konnten Besucher ihres Ateliers ein Hager gewidmetes Bild bewundern. Analog zu Hagers Porträtkopf von Hermann Hesse malte sie den Schriftsteller.

Inszenierung in Ton und Tönen

Das Relief der Stromberghalle und die Pietà am Illinger Friedhof waren für die Keramikerin Andrea Holler-Liebhaber Inspiration. Ihrem Material, dem Ton, füge sie als Ausdruck „kindlicher Verzauberung“ Gold hinzu. „Und formt aus diesen Elementen ihre Wilhelm-Hager-Geburtstagsschale“, so die Kunsthistorikerin.

„Thomas Knodel ist ein Allrounder“, kam Regina Fischer zum nächsten Künstler der Open-Art, der Lieder und Gedichte schreibt, malt und fotografiert. In seiner Serie „Kopfstand“ tue er genau das, stelle sich am Strand, in Kunstinstallationen oder einer Fußgängerzone auf den Kopf. Am Sonntag gestaltete Knodel mit Ehefrau Rotraut die musikalische Finissage.

„Wilhelm Hagers Werke begeistern mich immer wieder aufs Neue“, sagte Künstlerin Andrea Mohr, die dieses Mal bei der Illinger OpenArt nicht dabei sein konnte. Der am 26. Mai 1921 im tschechischen Karlsbad geborene Hager war 1944 ins Entlassungslager nach Illingen gekommen und hatte hier seine spätere Frau Irmgard Kilian kennengelernt. Schon sein Kriegstagebuch lasse seine Persönlichkeit und seinen unabhängigen Geist erkennen, so die Kunsthistorikerin. Illingens Ehrenbürger Ewald Veigel regte eine ständige Ausstellung an, denn Hager habe als Künstler zum Ruhm der Gemeinde beigetragen.

Autor: Ulrike Stahlfeld | Illingen