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Pforzheim -  22.03.2026
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Im Kulturhaus Osterfeld: Purple Schulz feiert 53 Bühnenjahre

Pforzheim. 53 Bühnenjahre hat Rüdiger „Purple“ Schulz hinter sich. Die laufende Tournee zu seinem 70. Geburtstag trägt den mahnenden Hinweis „Ich hab nicht ewig Zeit“. Im gut besuchten  war am Samstagabend ihre bislang vierte Station. Den optischen Startschuss lieferte eine fotografische Rückblende aus dem Archiv des Musikers, Autors und Radiosprechers. Mit dabei: Aufnahmen der Eltern und der Brüder, der ersten Band „D’Accord“, vom Kölner Karneval – zugegeben, alles lange her –, sowie von Eri Schulz, dem „Fels in der Brandung“ seines Lebens, ihren inzwischen drei Kindern und immer wieder die wachen Augen von Purple Schulz. Das gab ersten wohlwollenden Beifall vom Pforzheimer Saalpublikum, das offenbar zeitgleich mit dem Sänger gealtert ist.

Leise Töne, große Sehnsucht – Purple Schulz (rechts) und Norma Keil auf musikalischer Zeitreise.
Leise Töne, große Sehnsucht – Purple Schulz (rechts) und Norma Keil auf musikalischer Zeitreise. Foto: Robin Daniel Frommer

Nach Pforzheim kam der weitgereiste Rock-Poet Purple Schulz tatsächlich erst auf Initiative von Peter Freudenthaler, im August 2024, im Rahmen der von ihm erneut gelobten Jubiläumsschau „33 Jahre Fools Garden“. Freudenthaler war am Samstag bei Purple Schulz’ und Norma Keils Konzert anwesend. Er ließ uns im Pausengespräch kurz wissen: „Sobald ich den Gesang von Purple Schulz höre, fühle ich mich geradewegs in die 80er-Jahre, in meine eigene Jugend zurückversetzt.“

Er habe lange überlegt, sagte Purple Schulz im Osterfeld, welcher Song sich für den Konzertbeginn anbietet. Seine Wahl ist auf das nonkonformistische Bekenntnis „Ohne mich“ gefallen. Der nur von Gitarre und Keyboard flankierte Text mag mehr als 40 Jahre alt sein, schien aber recht aktuell geblieben. Deutlich jüngeren Datums ist „Wohin willst du gehen?“, der leise genervte Blick auf die Welt, in der die eigenen Enkelzwillinge aufwachsen. Beides kam beim Saalpublikum gut an und wurde mit Beifall gefeiert. „Halt mich fest“ thematisiert die deprimierenden Tage „…wo selbst die große Liebe sich hemmungslos besäuft“. Zu „Nur mit dir“ rollte Purple Schulz sein neues Instrument – eine „Harpejji“ – mit sage und schreibe 22 Saiten auf die Bühne. Der rare US-Import verlieh dem Klang etwas Weiches, etwas fast Kammermusikalisches. Die letzten Titel stammen zwar aus dem 1985 aufgelegten Purple-Schulz-Album „Verliebte Jungs“; sie machten aber auch deutlich, dass an diesem Abend noch weiter auf Schulzes größte Hits wie „Deine Tränen, kleine Seen“, „Du hast mir gerade noch gefehlt“ oder „Sehnsucht“ gewartet werden musste.

Die Hits kamen zu guter Letzt – und auf leisen Samtpfoten. Selbst „Verliebte Jungs“ musste ohne das in den 80ern in unterschiedlichsten Versionen gespielte, in den Discos aber immer mit Veitstänzen gefeierte Hit-Medley von „All You Need Is Love“ (Beatles) über „This Is Not A Love Song“ (Public Image Limited) bis „Sugar Baby Love“ (Rubettes) oder „What’s Love Got To Do With It“ (Tina Turner) auskommen.

Dafür spielten Schulz und Keil aber die (nicht nur) im Osten Deutschlands unvergessene „Hymne der Ausreisewilligen“ namens „Sehnsucht“ mit dem lauten Schrei „Ich will raus“.

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