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Bad Wildbad -  23.06.2026
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Im Oberen Enztal sollte mal ein Staudamm gebaut werden: Wasser soll Windhof-Kraftwerk betreiben

Bad Wildbad. Bad Wildbad/Enzklösterle/Kreis Calw.Was bewegte wohl vor 75 Jahren im Oberen Enztal die Menschen? Ein angedachtes Großprojekt mit Wasserstollen und Windhof-Kraftwerk am südlichen Ende des Kurparks von Wildbad springt da Anfang des Jahres 1951 in den Nachrichten ins Auge.

Statt der Brücke über die Große Enz ins Rohnbachtal würde sich hier – wären die Pläne der EVS von 1951 zum Tragen gekommen – wohl ein Stausee zur Versorgung eines Kraftwerks beim Wildbader Windhof mit Triebwasser ausdehnen.
Statt der Brücke über die Große Enz ins Rohnbachtal würde sich hier – wären die Pläne der EVS von 1951 zum Tragen gekommen – wohl ein Stausee zur Versorgung eines Kraftwerks beim Wildbader Windhof mit Triebwasser ausdehnen. Foto: Schabert

Lange musste dazu früher Näheres durch Blättern in alten Zeitungsbänden und Archiven gesucht werden. Dies konnte Wochen, Monate und noch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Heute geht dies im Landkreis Calw ganz einfach mit einer Jahreszahl und einem Stichwort. Denn Kreisarchivar Kilian Spiethoff hat seit seinem Amtsantritt 2022 mit viel Engagement das von seinem Vorgänger Martin Frieß begonnene digitale und mit Texterkennung durchsuchbare Kreisarchiv beharrlich ausgeweitet.

200 Jahre alte Zeitungen digital

Hunderttausende Seiten von bis zu 200 Jahre alten Zeitungen und Dokumente können dort mit ein paar Klicks detailliert eingesehen werden. Es dürfte in Deutschland wenige Regionen geben, in denen die Heimatgeschichte weit zurück so einfach durchforschbar geworden ist. Die Jahreszahl „1951“ und „Wildbad“ unter der jedermann zugänglichen Adresse https://digital.kreisarchiv-calw.de/ in die Suche einzugeben, verschafft schon einmal einen groben Überblick mit 165 Nennungen nur in Zeitungen. Gleich im Januar tauchen die Stollen- und Kraftwerkspläne auf. Eine Verfeinerung der Suche auf Wasserkraft bringt noch 13 Artikel, von denen im Calwer Tagblatt am 27. Januar 1951 einer unter der Überschrift, „das Obere Enztal birgt ‚weiße Kohle‘“, samt erklärender Skizze eine ganze Seite einnimmt. Man könne zwischen Enzklösterle und Birkenfeld mit dem angedachten Bauvorhaben 50 Millionen Kilowattstunden Strom fürs Enztal gewinnen, heißt es in dem Beitrag. Eine 170 oder 240 Meter lange Staumauer nahe dem Zusammenfluss von Rohnbach und Großer Enz mit 17 Metern Höhe für einen 450 oder 25 Meter hoch für einen 800 Meter langen Stausee sollte das Tal absperren. Ein zusätzliches Staubecken sollte am Kegelbach kurz vor Sprollenhaus entstehen. Rohre neben der Großen Enz sollten das Wasser bis zum Kohlhäusle und ab dort durch einen Stollen zum „Krafthaus“ beim Windhof leiten. Dank 160 Meter Höhenunterschied hätten so Turbinen bis zu 5.800 Kilowatt erzeugen können.

Ein drei Meter tiefes Ausgleichsbecken sah der Plan beim Paulinenhof am Südrand Wildbads vor. Dies könne endlich ein Freibad bringen, „das seiner Bedeutung als Kurstadt gerecht wird“. Übersehen oder als nicht ausreichend betrachtet wurde dabei wohl das stattliche Schwimmbad, schon seit 1930 bis um 1960 bestehende private „Strandbad“ beim Windhof. Die Kraftwerks-Planungen waren bei der Energieversorgung Schwaben (EVS) entstanden. So verwundert es nicht, dass sich Oberingenieur Frick vom Wasserkraftwerk im Teinachtal in einem großen Zeitungsbeitrag im Februar 1951 sehr positiv äußerte.

Er unterstrich, man müsse beim Abwägen von Vorhaben der Energie- und Wasserversorgung den Naturschutz hintenan stellen.

Erhebliche Gegenargumente zeigte am 3. März 1951 ein Bericht in der Calwer Zeitung unter der Überschrift „Enzklösterle gegen Stauseeprojekt im Enztal“ auf. Der Gemeinderat der Gemeinde befürchtete eine zeitweilige teilweise Trockenlegung der Enz „vom Rohnbach bis zum Krafthaus nahe Sportplatz Wildbad“, die Gefährdung der Wasserversorgung, Rückgang des Grundwasserstands und „katastrophale Auswirkungen auf das Landschaftsbild“, dazu Entzug des Fischwassers und Schädigung der Wässerwiesen.

Als Kompromiss wurde ein Stausee an der Mündung des Süßbachs in den Rohnbach ins Gespräch gebracht. Aber die Argumente waren wohl stark genug, dass die gesamte Planung ad acta gelegt wurde.  Nach 1909 war das Große Enztal oberhalb von Wildbad zum zweiten Mal vor einem derartigen Vorhaben bewahrt. Damals war der Plan der Stadt Stuttgart gescheitert, die ihre Wasserversorgung mit einem Stausee beim Lautenhof sichern wollte.

https://digital.kreisarchiv-calw.de