Im Weinfass aus Remchingen geflohen? So abenteuerlich war das Leben des Revolutionärs Carl Dittler
Remchingen. Das Remchinger Römermuseum erzählt die Geschichte von Carl Dittler neu: Er war Landwirt, Wilferdinger Rössle-Wirt und einer der treibenden Kräfte der badischen Revolution: Neu beleuchtet hat das Remchinger Römermuseum nun das Leben von Carl Dittler mit einer Sonderausstellung 150 Jahre nach dessen Tod.
„Sie können eine Zeitreise machen zu einer enorm wichtigen Stätte des Umbruchs und der Demokratie“, verdeutlichte Museumsleiter Dirk Vogeley zur Eröffnung am Sonntag, gleichzeitig Tag des offenen Denkmals. „Auch wenn die Badische Revolution 1849 zunächst scheiterte, hat sie viel angestoßen für Grundrechte, eine Verfassung und Themen, für die die Menschen noch heute auf die Straßen gehen.“ Bürgermeisterin Julia Wieland dankte als Vorsitzende den Ehrenamtlichen des Heimatvereins – allen voran Helene Schwarz, Christa Kröner-Kußmaul, Monika Foemer und Edgar Kunzmann die zusammen mit den Museumsleitern Sabine Stalf und Dirk Vogeley die Ausstellung konzipiert haben. Neben Infotafeln an den Außenwänden samt Leseecke historischer Kopien versetzen im Innern ein gedeckter Tisch, stilecht gekleidete Figuren und jede Menge Alltagsgegenstände eindrucksvoll in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Fast alles stammt aus örtlichem Privatbesitz, während ein Hecker-Hut in Erinnerung an Freiheitskämpfer Friedrich Hecker zu den Leihgaben gehört.
Dittler, geboren 1802, Wilferdinger Landwirt, übernahm das noch heute bestehende Gasthaus Rössle. 1849 gründete er einen Volksverein und zog als Wahlmann mit 8.000 Stimmen in das erste frei gewählte Parlament Badens, die verfassungsgebende Landesversammlung. Als die Revolution scheiterte, verurteilte man ihn zu acht Jahren Zuchthaus. Er verlor sein ganzes Vermögen. Im Weinfass soll ihn ein Schwiegersohn ins nahe gelegene Württemberg gerollt haben, Schließlich wanderte er nach Amerika aus. Er verstarb 1876 als Patriot im Exil.
Die Sonderausstellung ist bis Anfang Dezember im Römermuseum am Niemandsberg jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr zu sehen. Es gibt einen Cafébetrieb. Führungen an anderen Tagen auf Anfrage.
