In Mannheim verletzter Islamkritiker war auch schon in Pforzheim: Wer ist Michael Stürzenberger?
Mannheim/München. Einer der Verletzten des Mannheimer Messerangriffs ist der 59-jährige Michael Stürzenberger. Er ist einer der führenden Köpfe der Bewegung Pax Europa (BPE), die auf dem Marktplatz einen Stand aufgebaut hatte. Die Bewegung beschreibt sich auf ihrer Website als «Menschenrechtsorganisation», die «über Wesen und Ziele des Politischen Islam» aufkläre. Auch in Pforzheim trat die islamkritische Bewegung schon in Erscheinung.
Dabei macht die BPE keinen Unterschied zwischen Islam und Islamismus - beiden schreibt sie unter anderem «aggressive Verachtung und Intoleranz» zu.

Der bayerische Verfassungsschutz schrieb in seinem Bericht für das Jahr 2022 über Stürzenberger und den bayerischen Landesverband der BPE, es lägen «tatsächliche Anhaltspunkte» dafür, dass diese «verfassungsschutzrelevante islamfeindliche Bestrebungen» verfolgten, «die auf eine Abschaffung der Religionsfreiheit für Muslime gerichtet sind». Im jüngsten Bericht der Behörde für das Jahr 2023 tauchen Stürzenberger und die BPE nicht mehr auf. Das liegt nach Angaben des Landesamts für Verfassungsschutz aber nur daran, dass diese weniger aktiv seien. Sowohl Stürzenberger als auch der BPE Landesverband Bayern würden weiter beobachtet.
Der 1964 im bayerischen Bad Kissingen geborene Politikwissenschaftler Stürzenberger war über Jahre als Journalist für mehrere Medien tätig. Ende 2003 wurde er Pressesprecher der CSU in München. Auf den Posten geholt hatte ihn damaligen Medienberichten zufolge die Bezirksvorsitzende Monika Hohlmeier, Tochter von CSU-Urgestein Franz Josef Strauß.
Als ein Schlüsselerlebnis in Stürzenbergers politischer Laufbahn gilt der Tod eines CSU-Kollegen bei der blutigen Terrorserie in Mumbai im November 2008, als von Islamisten Luxushotels und ein jüdisches Zentrum angegriffen wurden. Er verließ die CSU und stieg 2011 bei der Partei Die Freiheit ein, die alsbald beim Landesverfassungsschutz als islamfeindliche Gruppierung auftauchte. Er wurde erst ihr bayerischer Landesvorsitzender, später Bundesvorsitzender. Als sich die Partei Ende 2016 auflöste, sagte er dem «Münchner Merkur»: «Unsere letzte verbliebene Aufgabe, die Islamkritik in die Öffentlichkeit zu tragen, ist erfüllt, da die AfD dies nun überzeugend fortsetzt.»
Mehrfach trat Stürzenberger auf Veranstaltungen der islamfeindlichen Pegida-Bewegung in Dresden auf.
Auch in Pforzheim veranstaltete er mit seiner Gruppe im Oktober 2020 eine Kundgebung. Damals kam es zu hitzigen verbalen Auseinandersetzungen auf dem Leopoldplatz. 80 Gegendemonstranten, auch aus der Antifa-Szene, kamen. Die Versammlung wurde durch hohe Poliezipräsenz begleitet.
