Gemeinden der Region
Mönsheim -  27.01.2026
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Jahrelang umkämpft: Porschestraße zwischen Mönsheim und Flacht ist fertig und freigegeben

Mönsheim. Der Weg von der schmalen Holperstrecke zur Freigabe der frisch ausgebauten Porschestraße am Dienstagmorgen war lang. Und es war zudem ein steiniger Weg, der nicht nur die Straßenverbreiterung mit sich brachte, sondern auch Klagen, von denen eine bis vor das Verwaltungsgericht Karlsruhe ging. Nun ist das Bauprojekt, das rund 8 Millionen Euro gekostet hat, abgeschlossen.

Verkehrsfreigabe K4569
Viele Hände durchtrennen das Band zur Eröffnung der Porschestraße (K 4569). Die Kreisräte (von links) Hartmut Lutz, Günter Bächle, Hans Vester, Böblingens Landrat Roland Bernhard, Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau, die Kreisräte Erik Schweickert und Michael Seiß, Mönsheims Bürgermeisterstellvertreterin Margit Stähle, die Erste Landesbeamtin des Enzkreises Hilde Neidhardt, Mario Weisbrich, Weissachs Rathauschef Jens Millow und die Kreisräte Thomas Fink und Bernd Kauffmann. Foto: Meyer

Landrat Bastian Rosenau zeigt sich von der Verkehrsfreigabe begeistert. Der Verkehrsdruck auf den 2,4 Kilometern zwischen der Landesstraße bei Mönsheim und Weissachs Ortsteil Flacht, sei in den letzten Jahren enorm angestiegen. Dies liege nicht zuletzt daran, dass sie die Südzufahrt zum Porsche-Werk bilde. Wichtig sei in solchen Situationen vor allem eines so Rosenau: „Wir dürfen nicht stehenbleiben, sondern müssen stetig Neues ausprobieren.“ Dem stimmt auch Roland Bernhard, Landrat des Nachbarkreises Böblingen zu: „Wir sind eine innovative Region. Das Porscheentwicklungszentrum soll weiter von uns gepusht werden.“

Aufgrund von wetterbedingten Verzögerungen wird der Verkehr allerdings erst ab Mittwoch, 4. Februar, über die Straße geleitet werden. Auch der geplante Radweg, durch den eine Lücke im Radwegenetz BW geschlossen worden sei, sei noch nicht freigegeben, dies würde aber bald folgen, resümiert Rosenau.

Eine Besonderheit auf der ausgebauten Kreisstraße stellt eine autarke Ampelanlage dar, die mithilfe einer Photovoltaikanlage betrieben wird. Die Errichtung der Ampelanlage, so Cyrosh Ebrahimi, Geschäftsführer der zuständigen Firma, sei ohne Schwierigkeiten vonstattengegangen. Ganz im Gegensatz zum Bau der Straße selbst.

Eine heiße Vorgeschichte

Begonnen haben die Arbeiten an der Straße zum Porsche-Werk bereits im Oktober 2024. Das Ziel: Die an einigen Stellen damals nur fünf Meter breite Straße sollte sicherer werden – unter anderem durch die Entschärfung einer S-Kurve und die Verbreiterung auf sieben Meter. Dafür brauchte es Flächen in Privatbesitz, die die Eigentümer nicht verkaufen wollten. Am Ende mussten 14 Grundbesitzer ihr Land zwangsweise abgeben. Unter ihnen auch das Ehepaar Annette Schade-Michl und Joseph Michl. Kritisiert wurde vieles: Kosten, Ausbaubreite, Folgen für Tiere und Wasser, der Radweg als Teil des Projekts. Im Juni letzten Jahres versuchten sie, das Projekt trotz bereits laufender Bauarbeiten noch vor Gericht zu stoppen. Die Klage wurde im August 2025 abgewiesen.

Von seinem Ziel abbringen lassen hat sich das Ehepaar Michl auch nach der Verkehrsfreigabe nicht. „Die Straße kriegen wir nicht mehr weg. Jetzt müssen verkehrslenkende Maßnahmen greifen, um sie sicher zu machen“, sagt Joseph Michl am Rande der Freigabe. Denn auch die Sicherheit macht ihm Sorgen: Die Strecke lade durch ihre offene Straßenführung und die angebrachten Leitplanken geradezu zum schnellen Fahren ein.

„Wenn man 100 fahren darf, fährt man auch 100. Hoffentlich passieren nicht zu viele Unfälle“, so die Mönsheimer Gemeinderätin und Grundstücksbesitzerin Simone Reusch.

Kämpfen will man um Tempo 70.

Der Protest wird vor Ort deutlich: Die Kritiker haben großes, mit KI generiertes Plakat mit ihren Botschaften dabei. Ohne Streit zu suchen, betont Annette Schade-Michl. Und auch Landrat Bastian Rosenau äußert sich zu der ungleichen Meinungslage: „Man kann unterschiedlicher Meinung sein, muss aber auch akzeptieren, wenn eine Entscheidung getroffen wurde.“ Trotzdem lobt der Landrat die Art und Weise, wie sich die Auseinandersetzung abgespielt habe: „Es gab immer einen ordentlichen Umgang.“

Autor: Pia Philippen