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Enzkreis -  12.05.2026
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"Jeder Fehlalarm einer zu viel": Warum Feuerwehren in der Region auch häufig umsonst ausrücken

Enzkreis. Feuerwehren leiden nicht selten unter Fehlalarmen. Im Enzkreis machen sie 20 Prozent aus. Landesweit liegt der Anteil sogar noch höher.

Dachstuhlbrand Pforzheimer Strasse.
Ein Einsatz der Heimsheimer Wehr bei einem Dachstuhlbrand an der Pforzheimer Straße. Oft müssen die Einsatzkräfte allerdings auch zu Fehlalarmen ausrücken - und auch das schlaucht. Foto: Tilo Keller

Meldungen wie die der Feuerwehr Bad Wildbad sind an der Tagesordnung:

„Gestern Abend wurden wir zu einer ausgelösten Brandmeldeanlage alarmiert. Nach der Erkundung konnte schnell Entwarnung gegeben werden. Es handelte sich um einen Fehlalarm.“

Das riesige Problem: In Baden-Württemberg muss die Feuerwehr nach nahezu jedem vierten Ausrücken feststellen, dass es sich um einen Fehlalarm gehandelt hat. Hierzu hat die Deutsche Presse-Agentur im Gespräch mit dem Innenministerium von Baden-Württemberg recherchiert:

„Ein Grund könnte die wachsende Zahl automatischer Alarmierungssysteme sein, die in Gebäuden installiert sind und etwa durch Wasserdampf oder Staub versehentlich ausgelöst werden können“,

so das Ministerium.

Die Redaktion wollte wissen, wie sich die Entwicklung in der Region darstellt. Denn jeder Fehlalarm belastet die ehrenamtlich tätigen Wehrkräfte und sorgt für Herausforderungen in personell zumeist ohnehin angespannten Tagesverfügbarkeiten.

Kreisbrandmeister Carsten Sorg ordnet das Geschehen wie folgt ein:

„Die Anzahl der Fehlalarme der Feuerwehren im Enzkreis unterliegt einer normalen Schwankung. Ein starker Anstieg über die Jahre kann hierbei nicht festgestellt werden. Gleichwohl ist natürlich jeder Fehlalarm einer zu viel.“

Die Gründe für Fehlalarmierungen bei Brandmeldeanlagen seien vielschichtig. Klassiker seien beispielsweise Handwerkerarbeiten, Haarspray, Kochvorgänge oder technische Defekte.

Die Anzahl der Fehlalarmierungen durch Brandmeldeanlagen ließe sich durch die Abschaltung der betroffenen Bereiche bei Handwerkerarbeiten und durch eine regelmäßige Wartung beziehungsweise kontinuierliche Erneuerung der Anlagen reduzieren, sagt Sorg. Festzuhalten sei allerdings, dass Brandmeldeanlagen als Frühwarnsysteme unverzichtbare technische Einrichtungen des vorbeugenden Brandschutzes darstellten.

Sorg räumt unumwunden ein:

„Es sind schließlich Brandmeldeanlagen und keine Fehlermeldeanlagen, wobei zu beachten ist, dass Brandmeldeanlagen und Haushaltsrauchmelder zwei verschiedene Dinge sind.“

Nur ein Erkundungstrupp bei einem Brandmeldealarm reiche nicht aus. Eine solche Vorgehensweise hätte im echten Brandfall zur Folge, dass die Brandbekämpfung und die Menschenrettung nur verzögert anlaufen würden. Die Nachalarmierung von Kräften wäre mit einer immensen Zeitverzögerung verbunden. Bei der Auslösung einer Brandmeldeanlage gehe die Integrierte Leitstelle, bei der die Alarme auflaufen, daher immer von einem echten Einsatz aus. Sorg weiter:

„Es rückt dann, abhängig vom Objekt und dem Grad der Gefährdung, eine festgelegte Einsatzmittelkette aus. Immerhin könne jeder Bürger die Feuerwehr entlasten, indem er sich vor einer Alarmierung die kritische Frage stelle, ob die Feuerwehr aufgrund der Art des Einsatzes und des Vorkommnisses benötigt werde.

Sorg stellt gegenüber der Redaktion klar: „Eine Kleinmenge Wasser im Keller oder in der Wohnung oder ein kleiner Ast auf der Straße kann in vielen Fällen auch ohne Feuerwehrunterstützung entfernt werden. Diese Art von Einsätzen ist genau genommen auch gar nicht Aufgabe der Feuerwehr.“

Enzkreis-Kreisbrandmeister Carsten Sorg hat zur Entwicklung bei Fehlalarmen folgendes Zahlenmaterial herausgesucht. Die Anzahl der Feuerwehr-Fehlalarme lag im Enzkreis 2022 bei 332, davon durch Brandmeldeanlagen 234. 2023 bei 317, davon durch Brandmeldeanlagen 217. 2024 bei 343, davon durch Brandmeldeanlagen 248. Und 2025 bei 323, davon durch Brandmeldeanlagen 225.

Sorg bilanziert: „Daher lag die Anzahl der Fehlalarme bei den Feuerwehren im Enzkreis bei rund 20 Prozent des Gesamteinsatzaufkommens und daher etwas unter dem Landesschnitt.“

Michael Rentschler, Kommandant Bad Wildbad:

„Aus meiner Sicht kann sich die Feuerwehr Bad Wildbad nicht über eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Fehlalarmen beklagen. Zwar werden wir regelmäßig zu ausgelösten Brandmeldeanlagen in Rehakliniken, Schulen oder anderen Objekten alarmiert, jedoch gibt es in den meisten Fällen einen konkreten Auslösegrund. Wenn beispielsweise ein Toast zu lange im Toaster bleibt, entsteht Rauch, dieser wird von der Brandmeldeanlage erkannt, und die Feuerwehr wird alarmiert. In einem solchen Fall handelt es sich nicht um einen Fehlalarm, sondern vielmehr darum, dass die Brandmeldeanlage exakt ihre Aufgabe erfüllt: die frühzeitige Erkennung potenzieller Brandgefahren. Bei einem Brandmeldealarm rückt die Feuerwehr Bad Wildbad weiterhin gemäß der festgelegten Alarm- und Ausrückeordnung aus.“

Kevon Rössle, Kommandant Heimsheim:

„Wir hatten 2025 21 Fehlalarme bei 74 Einsätzen. Klassische Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen sind bei uns aber eher selten. Bei Alarmierungen zu ausgelösten Brandmeldeanlagen rücken wir nach einer definierten, kreisweit einheitlichen Alarm- und Ausrückeordnung aus. In Einzelfällen besteht zwischen der Integrierten Leitstelle und dem betroffenen Objekt bereits telefonisch Kontakt und es kann Entwarnung gegeben werden, dann reduzieren wir die anfahrenden Kräfte im Regelfall auf ein Führungsfahrzeug zur Erkundung. Da wir eine freiwillige Feuerwehr sind, wie die meisten in Deutschland, müssen unsere Einsatzkräfte ihre Arbeit verlassen oder ihre Freizeit opfern. Das tun wir gerne, wenn die Hilfe der Feuerwehr wirklich benötigt wird, aber es ist ärgerlich, wenn wir unverrichteter Dinge wieder abrücken müssen.“

Matthias Donath, Kommandant Mühlacker:

„Fehlalarm ist nicht gleich Fehlalarm. Das muss differenziert betrachtet werden. Ein klassischer Fehlalarm wäre ein technischer Defekt von einem Rauchmelder, der dann im Zuge seiner Auslösung über eine Brandmeldeanlage die Feuerwehr alarmiert. Grundsätzlich ist aber eine Brandmeldeanlage ein System zur Brandfrüherkennung. Je früher ein Brand erkannt wird, umso weniger müssen die Feuerwehren Schläuche einsetzen, um das Feuer zu löschen. Oft geht das dann mit Kleinlöschgeräten und wenig Aufwand. Es ist kein Fehlalarm, wenn sich Rauch bildet und die Anlage auslöst. Dann läuft alles richtig und der Schaden bleibt gering. Diesen Fall würde ich als häufig bezeichnen und somit auch als richtig. Wegen Lappalien sollte der Notruf nicht gewählt werden.“