Gemeinden der Region
Pforzheim -  08.08.2020
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Jetzt spricht die Polizei: Beamte aus Pforzheim über ihren Job, Rassismus, Krawalle und Wünsche für ihren Alltag

Auf der einen Seite die Debatte um Rassismus, auf der anderen Seite die Krawalle in Stuttgart: Seit Wochen diskutiert Deutschland über die Polizei. Aber wie geht es den Beamten selbst – und welche Wünsche haben sie für ihren Alltag? Die PZ hat nachgefragt.

Holger Schramm, Volker Walter, Steven Tolonic, Anna-Maria Berghöfer, Anna Damm, Tamara Catalfamo, Georg Klamandt, Manuel Dilling (von links oben nach rechts unten) haben mit der PZ über Themen gesprochen, die die Polizisten aktuell beschäftigen.
Holger Schramm, Volker Walter, Steven Tolonic, Anna-Maria Berghöfer, Anna Damm, Tamara Catalfamo, Georg Klamandt, Manuel Dilling (von links oben nach rechts unten) haben mit der PZ über Themen gesprochen, die die Polizisten aktuell beschäftigen.

„Bei der Verkehrspolizei wird ein ganzes Spektrum an Maßnahmen und Aufgaben gebündelt - von der Verkehrsüberwachung bis hin zur qualifizierten Aufnahme schwerer Verkehrsunfälle. Dass in Filmproduktionen Beamte zur Verkehrspolizei strafversetzt werden, hat mit der Wirklichkeit absolut nichts zu tun. Ich wünsche mir in meinem Polizeialltag, durch unsere Arbeit den Verkehr sicherer zu machen, manches Leid durch Unfälle zu verhindern und ein respektvolleres Miteinander auf unseren Straßen zu erreichen.“

Georg Klamandt, 50 Jahre, Polizeihauptkommissar, Verkehrsgruppenleiter bei der Verkehrspolizei

„Gerade in letzter Zeit scheinen wir „Uniformträger“ leider immer mehr Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Die absolute Mehrheit meiner Kolleginnen und Kollegen geht nicht nur zum Geldverdienen und schon gar nicht wegen eines Machtgefühls arbeiten, sondern wir sehen unseren Beruf als Berufung an. Ich wünsche mir in meinem Polizeialltag, dass für uns der gleiche Maßstab angesetzt wird, den die Bevölkerung für sich in Anspruch nimmt. Keine Pauschalisierung und keine Vorverurteilung.“

Anna Damm, 38 Jahre, Polizeioberkommissarin, Dienstgruppenleiterin bei der Autobahnpolizei

„In den letzten Wochen wandelte sich das Meinungsbild über die Polizei erschreckend schnell. Sonnenklare Maßnahmen werden auf einmal hinterfragt und das Gegenüber wird provokanter. Ich habe mich vor vielen Jahren für einen abwechslungsreichen, aber auch gefährlichen Beruf entschieden und diese Entscheidung nie bereut. Ich wünsche mir in meinem Polizeialltag, dass meine Kolleginnen und Kollegen und ich nach Dienstende psychisch und physisch unversehrt zu unseren Familien und Freunden zurückkehren und dass wir als Menschen in Uniform wahrgenommen werden.“

Holger Schramm, 42 Jahre, Polizeioberkommissar, Streifendienstbeamter, Polizeirevier Mühlacker 

„Wir betreuen im Personalreferat alle Personalangelegenheiten und haben deshalb täglich Kontakt zu unseren Polizistinnen und Polizisten. So ist eine tolle Gemeinschaft entstanden, die weder zwischen Personen mit oder ohne Migrationshintergrund oder uniformierten oder nicht uniformierten Menschen unterscheidet. Ich bin davon überzeugt, dass diese Tatsache mit dem Teamspirit unserer Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten zusammenhängt. Ich wünsche mir in meinem Polizeialltag weiterhin eine so gute Gemeinschaft mit meinen Kolleginnen und Kollegen unabhängig vom Migrationshintergrund.“

Tamara Catalfamo, 29 Jahre, Referentin im Sachgebiet Personalverwaltung

„Wir haben uns bewusst für diesen Beruf entschieden, um etwas Gutes zu tun und immer für den Bürger da zu sein. Ich wünsche mir in meinem Polizeialltag einen respektvollen und wertschätzenden Umgang, ob persönlich oder am Telefon und in manchen Situationen etwas mehr Vertrauen in unser Handeln, da wir auch Zwangsmaßnahmen, die auf den ersten Blick nicht für Jedermann, bzw. Außenstehende nachvollziehbar sind, durchsetzen müssen. Es tut gut, dafür auch einmal nur ein „Dankeschön“ oder ein freundliches Lächeln zu erhalten.“

Steven Tolonic, 37 Jahre, Polizeioberkommissar, Streifendienstbeamter, Polizeirevier Neuenbürg

„Ich wünsche mir in meinem Polizeialltag, dass sich die Menschen mit Rücksichtnahme und Achtsamkeit begegnen. Als Leiter der Polizei Calw trage ich Sorge dafür, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr, die Sicherheit für 100.000 Einwohner auf einer Fläche von 550 Quadratkilometern gewährleisten. Oftmals leisten wir mit wenig viel! Und das funktioniert nur, weil wir uns der Aufgabe verantwortlich fühlen und uns mit der Region identifizieren.“

Volker Walter, 40 Jahre, Polizeioberrat, Revierleiter Polizeirevier Calw

„In meinem Polizeialltag wünsche ich mir, dass meine Kollegen und ich nach jedem Einsatz stets gesund nach Hause kommen. Aufgrund der besonderen Gefahren in unserem Beruf zum Schutz der Allgemeinheit ist es sehr wichtig, dass wir hierbei auch den nötigen Rückhalt aus der Bevölkerung erhalten. Wir übernehmen gerne die Rolle „Polizei – Dein Freund und Helfer“, daher sollten auch Respekt und Anerkennung für unsere Arbeit wieder zur Tagesordnung zählen.“

Manuel Dilling, 37 Jahre, Polizeihauptmeister, Polizei-Hundestaffel

„Die Bandbreite meines Aufgabengebietes der Spurensicherung umfasst den Bereich von kleineren Straftaten bis hin zu einem Tötungsdelikt. Trotz der aktuellen unruhigen Zeiten empfinde ich, dass ein Großteil der Bevölkerung unsere Arbeit schätzt und Verständnis für unsere Maßnahmen zeigt. Ich wünsche mir in meinem Polizeialltag und natürlich für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine respektvolle, teamorientierte Zusammenarbeit. Entscheidend ist hier das Wirken der Führungskräfte, die für die Rahmenbedingungen verantwortlich sind und uns immer begleiten und unterstützen.“

Anna-Maria Berghöfer, 46 Jahre, Polizeihauptmeisterin, Kriminaltechnikerin am Standort Pforzheim

Autor: pol/pz