Kämpfelbacher Heimatmuseum öffnet wieder seine Türen: Das hat sich verändert
Kämpfelbach. . Scheppernd klingelt im Friseursalon das alte, schwarze Telefon. Hebt man den Hörer ab, meldet sich „der Wilhelm“ und fragt, wann er endlich seine Haare geschnitten bekommt. Ein paar Minuten später ist am anderen Ende der Leitung ein kleiner Junge, der feststellt, dass es ihm auf dem Bolzplatz viel besser gefällt als beim Friseur. Echt sind die Anrufe natürlich nicht, genauso wenig wie der Friseursalon, in dem das Telefon steht. Aber sie zaubern den Besuchern ein Lächeln ins Gesicht und tragen dazu bei, dass der Besuch des Kämpfelbacher Heimatmuseums zu einem kurzweiligen Erlebnis wird.
Mit großem Aufwand, kreativen Ideen und viel Liebe zum Detail haben die engagierten Ehrenamtlichen dort in den vergangenen Monaten einige wegweisende Neuerungen eingeführt, um den Aufenthalt für die Besucher noch spannender und die Inhalte der Ausstellung noch greifbarer zu machen. „Es hat sich wirklich viel getan“, sagt Kevin Jost, Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege und Kultur, der das Museum ehrenamtlich betreibt. In den vergangenen drei Jahren war es für Besucher geschlossen: Zwangsweise, weil das Landratsamt wegen des Brandschutzes am Bürgerhaus einen zweiten Rettungsweg verlangt hatte. Realisiert hat ihn die Gemeinde inzwischen in Form eines freistehenden Treppenturms, der dank eines integrierten Aufzugs zudem einen barrierefreien Zugang ins Heimatmuseum schafft.
Dort freut man sich schon auf die Wiedereröffnung, die man am Sonntag, 1. November, mit einigen besonderen Aktionen feiern wird. Etwa mit einem Vortrag von Johann Beihofer über die Geschichte des historischen Gebäudes oder mit Vorführungen in dem Goldschmiedekabinett, das sich im oberen der beiden Stockwerke befindet: neben zahlreichen anderen Werkstätten, die fast alle funktionsfähig sind und lebendige Einblicke ermöglichen, mit originalen Werkzeugen, Maschinen und Materialien. Während die Werkstätten bei der Neukonzeption der Ausstellung nahezu unverändert geblieben sind, hat man an anderer Stelle größere Umgestaltungen vorgenommen, auch mit Unterstützung einer jungen Museumspädagogin, die ebenfalls zum ehrenamtlichen Team gehört und viele wertvolle Ideen eingebracht hat. Dazu gehört etwa ein Entdecker-Pfad mit mehreren, über das gesamte Museum verteilten Stationen, an denen Kinder selbst aktiv werden dürfen.
Mitmachstationen für alle
Beim Flechten lernen sie den Grundaufbau des Fachwerks, bei einem Zuordnungsspiel mit Schnüren die Abdrücke, die Wildtiere im Boden hinterlassen. Auch sonst ist Mitmachen angesagt, auch für die Erwachsenen, die Getreidekörner den Ähren zuordnen dürfen, den Unterschied zwischen Stroh und Heu riechen, Baumstämme im Profil sehen und die Streiche aufschreiben können, die sie früher in der Schule gespielt haben, natürlich anonym.
Die dafür vorgesehene Box steht im Nachbau eines Klassenzimmers. Mit viel Liebe zum Detail und originalen Gegenständen haben die Ehrenamtlichen verschiedene Bereiche des Lebens nachgebaut, etwa einen Einkaufsmarkt, einen Friseursalon, eine alte Küche und ein Wohnzimmer im Stil der 1950er-Jahre. Bei der Neukonzeption haben sie die Ausstellung entzerrt und aufgelockert, mit weniger Exponaten, die dafür besser in Szene gesetzt und erklärt sind. Die großen Stellwände mit Fotos wurden durch Bildschirme ersetzt, die ein Vor- und Zurückspringen erlauben. Alte Klassenfotos gibt es auf ihnen ebenso zu sehen wie längst geschlossene Gaststätten und Läden. An einem Stammtisch kann man über Kopfhörer den Geschichten lauschen, die Ersinger Originale erzählen.
Seine Wiedereröffnung feiert das Museum im Ersinger Bürgerhaus (Kirchstraße 3) am 1. November von 13 bis 17 Uhr. Es gibt Bewirtung und zudem den Verkauf des Kalenders für 2027 mit historischen Ansichten Kämpfelbach.
