Kaum noch freie Flächen: Wie es mit der Wilferdinger Höhe in Pforzheim weitergeht
Pforzheim. Die Wilferdinger Höhe ist einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Pforzheims – doch freie Flächen gibt es kaum noch. Wirtschaftsförderer Markus Epple erklärt, wo trotzdem Entwicklungspotenzial besteht, warum eine größere Erweiterung nahezu ausgeschlossen ist und was für neue Parkhäuser spricht.
Jahrhundertelang landwirtschaftlich genutzt, vollzog sich ab dem Ende der 1960er-Jahre der große Wandel: Die Wilferdinger Höhe ist heute der wichtigste Pforzheimer Wirtschaftsstandort, der Handel, Dienstleistung und produzierendes Gewerbe vereint. Eben dieser Mix ist jedoch weiterhin und mehr denn je die große Herausforderung, wie im Gespräch mit Wirtschaftsförderer Markus Epple deutlich wird. Denn flächenmäßig ist das Gewerbegebiet nahezu ausgereizt.
PZ: Die Entscheidung, aus den Flächen nahe der Autobahnauffahrt Pforzheim-West Ende der 1960er-Jahre ein Gewerbegebiet zu machen, ist ein bedeutendes Kapitel in Pforzheims Wirtschaftsgeschichte. Wie ist der Stellenwert heute?
Markus Epple: Der Stellenwert des Gewerbegebiets Wilferdinger Höhe ist nach wie vor sehr hoch. Die Nachfrage nach Neuansiedlungen im großflächigen Einzelhandel konzentriert sich neben der Innenstadt fast ausschließlich hier. Trotz aktuell fehlender Flächenpotenziale ist auch die Nachfrage von produzierenden und verarbeitenden Betrieben nach Standorten auf der WiHö groß. Gleiches gilt, wenn auch etwas weniger stark als in den vergangenen Jahren, für Flächen für Dienstleister. Die Wilferdinger Höhe ist nach wie vor ein wichtiger Anlaufpunkt für die Bürgerinnen und Bürger des Enzkreises und der Stadt Pforzheim und dient als Versorgungsstandort für die unterschiedlichsten Arten von Waren – für den schnellen Verbrauch wie auch für langlebige Konsumgüter.
An welchen Stellschrauben könnte man drehen, um bei der Infrastruktur – Stichwort nachhaltige Standortentwicklung – noch einige Optimierungen vorzunehmen?
Die Problematik der teilweise ungesteuerten Ansiedlung aus den Gründungsjahren des Gewerbegebiets hat bis heute erhebliche Auswirkungen auf die Weiterentwicklung der WiHö. Die Mischung und Vermischung von Handelsflächen und Einheiten für produzierende und verarbeitende Betriebe sowie das oftmals scheinbar willkürliche Einstreuen von Dienstleistungs- und Versorgungsflächen machen eine strategische Betrachtung und Betreuung so wichtig. Im Detail bedeutet das beispielsweise, dass bei baulichen oder strukturellen Veränderungen durch eine intensive Betreuung und Begleitung der Vorhabensträger bei ihren Veränderungsabsichten Verbesserungen erzielt werden können – etwa durch die Optimierung der Nutzung, die Verlegung von Einfahrten oder die Optimierung des ruhenden Verkehrs. Vorrangig setzen wir den Fokus aktuell auf die Nachverdichtung, wie bei Haecker Metall. Hier sind auf einigen Bestandsgrundstücken noch Entwicklungspotenziale vorhanden. Es gibt zudem Gespräche über mögliche Standorte für Parkhäuser, um den Parkdruck durch die Beschäftigten zu verringern. Das geht jedoch nur im guten Austausch und im gemeinsamen Schulterschluss mit den Unternehmen auf der WiHö, da die Stadt keine Flächen mehr im Angebot hat.
Verkaufsoffene Sonntage scheinen außerhalb der City passé zu sein? Wie sehen Sie das, der eine oder andere Händler hier scheint nicht abgeneigt zu sein.
Ein verkaufsoffener Sonntag ist nach wie vor rein rechtlich kein freier Shopping-Tag für die ganze Stadt, sondern immer an einen Anlass gebunden, beispielsweise an das Wirtschaftswunder. Mit dieser Anlassbindung geht immer auch eine räumliche Bindung einher. Eine Ausweitung auf das Gewerbegebiet ist daher nach wie vor nicht möglich, auch wenn die Nachfrage danach besteht.
Wie ist die Stand der Dinge, was eine mögliche Erweiterung angeht?
Eine Erweiterung des Gewerbegebiets Wilferdinger Höhe in nennenswertem Umfang ist so gut wie ausgeschlossen. Die Themen Waldausgleich, Naturschutz und Kaltluftschneisen sind hier begrenzende Faktoren. Kleinere Arrondierungen sind jedoch in der Planung. Hierbei handelt es sich allerdings nur um wenige Flächen, insgesamt möglicherweise rund 8000 Quadratmeter. Daher liegt, wie beschrieben, der Fokus auf der Nachverdichtung und dem Bauen in die Höhe, also der besseren Ausnutzung der bereits bestehenden baurechtlichen Möglichkeiten innerhalb der geltenden Bebauungspläne.
Markus Epple leitet seit 2019 den Geschäftsbereich Wirtschaftsförderung des städtischen Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). Der in Landsberg am Lech geborene Diplom-Wirtschaftsgeograf, Jahrgang 1974, war zuvor Geschäftsführer der Erlanger Markt und Standort Beratungsgesellschaft mbH. Er hat berufliche Erfahrungen in den Bereichen Standortentwicklung, Kommunalberatung, Finanzmarktforschung, Stadtentwicklung, City-Management sowie in regionalen Standortforschungsthemen.
