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Enzkreis -  02.08.2023
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Keine Windräder: Das steckt wirklich hinter den Metall-Türmen an der A8

Pforzheim/Enzkreis. „Wir wundern uns über dieses Objekt, das neben der Autobahn auf Höhe von Kieselbronn errichtet wurde“, schreibt eine Leserin der PZ mit der Bitte um Aufklärung. Schließlich ginge in ihrem Umfeld die Vermutung um: „Das wird ein Windrad?!“ Mit diesem Rätseln ist sie nicht alleine. Auch andere Leser haben die Redaktion gefragt, warum denn da an der A 8 Windkraftanlagen gebaut würden. PZ-news hat nachgeforscht.

Hier die Antwort: Was dort zwischen Kieselbronn, Eutingen und dem Pforzheimer Norden in die Höhe wächst, hat zwar mit Energie zu tun, aber nicht mit deren Erzeugung. Dafür sind die Türme auch zu schlank und zu niedrig. Nein: In diesem Bereich der A8 baut die TransnetBW derzeit den Abschnitt der neuen 380-Kilovolt-Stromleitung, die als Pilotstrecke für eine neue Masttechnik geplant ist. 18 sogenannte Vollwandmasten werden die Höchstspannungskabel durch die Region tragen. Dazu kommen vier kleinere für eine 110-Kilovolt-Leitung Richtung Kieselbronn.

Eine Idee aus Kieselbronn

Es ist eine Neuerung mit Vorgeschichte: An der Stromtrasse wird schon seit rund 15 Jahren geplant. Strittig war das Vorhaben, das das Umspannwerk Birkenfeld mit der großen Überlandleitung Philippsburg-Pulverdingen bei Ötisheim verbindet, überall dort, wo die Masten den Wohngebieten nahe kommen. In Kieselbronn zum Beispiel. Von dort kam der Anstoß, Kompaktmasten zu nutzen, die zwar nicht aus Stahlgitter, sondern aus soliden Elementen bestehen, aber schmaler sind als herkömmliche Masten. Bei einem großen Strom-Gipfel im Kieselbronner Rathaus in der Vorweihnachtszeit 2016 entstand die Idee der Pilotstrecke für die schlankere Technik. Das ist schon so lange her, dass sich die Menschen in der Region nicht mehr daran erinnern.

Windräder sind deutlich höher

Die Größenunterschiede zwischen Windrädern und Strommasten ist freilich enorm. Je nach Geländeverlauf sind die Stahlrohre für die Stromleitung zwischen 50 und 95 Meter hoch. Zum Vergleich: Die Türme der Windräder bei Straubenhardt zum Beispiel sind 142,5 Meter hoch – und bis zur Rotorspitze greifen die Anlagen rund 200 Meter hoch in den Himmel. Außerdem haben die Masten einen viel schlankeren Fuß. Im Vergleich zu den herkömmlichen Stahlgitterbauten sind sie am Boden nicht einmal halb so breit.

Allerdings: Die TransnetBW-Planer entwickelten eine Art Hybridlösung, die aus Sicht der verärgerten Kieselbronner Vorteile der Kompaktmasten, wie sie beispielsweise in Italien gebaut werden, verspiele. Während italienische Vollwandbauten die Stromkabel viel enger am Mast führen, gleichen die Querstreben der Variante, die an der Autobahn gebaut wird, eher den bekannten Anlagen. Etwas schmaler sind sie zwar schon, aber die Stahlgitterbauwerke der neuen Stromleitung wurden dem angepasst. Auch in der Höhe.

Trotzdem: Es wird noch kräftig weitergebaut an der A8. Deshalb merken: Auch weitere vermeintliche Windräder sind mit Sicherheit Strommasten.

Autor: Alexander Heilemann