Kieselbronn: Im Stromnetz wird es eng
Kieselbronn. Versorgungssicherheit ist ein Wort, das man im Kieselbronner Rathaus am Mittwochabend immer wieder hört: nicht nur von den Mitgliedern des dort tagenden Gemeinderats, sondern auch von Any Schlatterer vom Netzbetreiber Netze BW. Die für das Verteilnetz zuständige Regionalmanagerin lässt keinen Zweifel daran, dass durch die Energiewende die Komplexität im Verteilnetz steigt. Vor allem dann, wenn man auf die großen Veränderungen schaut, die sich aus der Art ergeben, wie der Strom entsteht.
Wurde er bisher überwiegend in großen Kraftwerken erzeugt und anschließend vor allem über Höchst- und Hochspannung im Übertragungsnetz eingespeist, verlagert sich das Ganze seit einiger Zeit immer mehr in die Städte und Kommunen: Strom entsteht dezentral, etwa durch Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Zu den Verbrauchern gelangt er über Verteilnetze mit Mittel- und Niederspannung. Nicht nur deswegen, sondern auch mit Blick auf die notwendige Infrastruktur für neue Verbraucher wie Wärmepumpen und Elektroautos geht Schlatterer fest davon aus, dass die Netze künftig ausgebaut werden müssen. Auch in Kieselbronn.
Die Regionalmanagerin hat den Eindruck, dass die Energiewende immer mehr an Dynamik gewinnt. Weil inzwischen immer mehr Akteure an der Stromerzeugung mitwirken, sieht Schlatterer einen deutlich höheren Bedarf für Steuerung und intelligente Messsysteme, etwa in Form von „Smart Metern“. Im Gemeinderat betont die Regionalmanagerin, dass das Netz in Kieselbronn „sehr gut aufgestellt“ sei, nicht zuletzt dank der hohen Investitionen, die NetzeBW dort in den vergangenen Jahren getätigt habe. Seit 2020 sind insgesamt rund 623 000 Euro in das Kieselbronner Stromnetz geflossen, davon 126 000 Euro allein im vergangenen Jahr.
Aktuell gibt es in der Gemeinde knapp 58 Kilometer Stromnetz, davon gut 14 Kilometer mit Mittel- und 43 Kilometer mit Niederspannung. Die größten Verbraucher sind die Haushalte und das Gewerbe, gefolgt von den deutlich dahinter liegenden Elektroautos. Insgesamt wurden in Kieselbronn im vergangenen Jahr gut 7000 Megawattstunden verbraucht und knapp 1400 erzeugt, vor allem über Photovoltaikanlagen. Blockheizkraftwerke spielen dagegen kaum eine Rolle.
Rein rechnerisch erzeugt Kieselbronn rund 20 Prozent seines Strombedarfs selbst. Wobei Bürgermeister Heiko Faber (parteilos) darauf hinwies, dass in dem Verbrauchswert nur der Strom auftaucht, der auch übers Netz fließt. Unberücksichtigt bleibt dagegen die Energie, die zum Beispiel von einer Photovoltaikanlage direkt vor Ort verbraucht wird. Was Stromausfälle angeht, ist Kieselbronn laut Schlatterer „eine der besten Kommunen“ in der Region: Bis zum Juni lag die Ausfallzeit bei gerade einmal 0,1 Minuten – und damit auf demselben Wert wie 2023. Im vergangenen Jahr war der Strom über alle zwölf Monate verteilt zusammengerechnet für zwei Minuten weg. Zum Vergleich: Im bundesweiten Durchschnitt sind es fast 13 Minuten, in Frankreich, in Österreich und in den Vereinigten Staaten noch deutlich mehr.
