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Bad Wildbad -  20.10.2026
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Klimapolitik zieht zahlreiche Teilnehmer nach Bad Wildbad: Kritik an der Union

Bad Wildbad. Wenn außerhalb von Wahlkampf-Zeiten, Politikerinnen und Politiker zu Diskussionsabenden einladen, herrscht in den Sälen zumeist gähnende Leere. Als jetzt Nina Scheer, eingeladen von ihrer Calwer SPD-Bundestagskollegin Saskia Esken, auf dem Bad Wildbader Sommerberg eindringlich ein entschlossenes Umdenken in der Klimapolitik einforderte, war das anders. Rund  70 Personen wollten die  energiepolitische Sprecherin der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion hören und sorgten dafür, dass kaum ein Platz frei blieb.

Über alte Zeiten mit der Familie Scheer berichtete in Bad Wildbad Hildegard Walleczek (stehend). Sitzend von links: Nina Scheer und Saskia Esken.
Über alte Zeiten mit der Familie Scheer berichtete in Bad Wildbad Hildegard Walleczek (stehend). Sitzend von links: Nina Scheer und Saskia Esken. Foto: Bruno Knöller

Das hatte nicht allein damit zu tun, dass ihr noch berühmterer und im Jahre 2010 verstorbener Vater Hermann Scheer für sein entschlossenes Eintreten für Solar-Politik einst mit dem Alternativen Nobelpreis sowie nacheinander mit den drei Weltpreisen für Solarenergie, Bio-Energie und Windenergie ausgezeichnet wurde. Die 55-jährige Parlamentarierin aus Schleswig-Holstein hatte viel zu sagen und nahm kein Blatt vor den Mund: „Wir sind jetzt in einer entscheidenden Phase der Energiepolitik. Im November gilt es, viele Gesetze zu verabschieden. Innerhalb der CDU/CSU gibt es ein paar Leute, die hören sich — in Parteifarben gesprochen — Blau an.“ Es müssten aber Fakten berücksichtigt werden, an denen man nicht vorbei komme: Erneuerbare Energien seien günstiger als Atomstrom und Fossile Brennstoffe. Ihr Vater habe schon vor langer Zeit dafür weltweit geworben.  Mehrfach attackierte Nina Scheer Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).

So unter anderem: „Sie gehört zu den Bremsern. Beispielsweise will sie die Förderung für kleine Solar-Dachanlagen streichen.“ Außerdem verlangte die Juristin mehr staatliche Anteile an der Netz-Infrastruktur, damit der Strom für alle billiger werde. „Unter Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) haben wir damit angefangen.“ „Vor 50 Jahren waren Umwelt- und Energiepolitik große Exoten“, ergänzte  Esken, die sich bei der Wahl um den Bundesvorsitz 2019 unter anderem gegen Scheer durchgesetzt hatte.

„In meinem Wahlkreis Calw/Freudenstadt und bei Euch im Rems-Murr-Kreis waren Liesel Hartenstein und Hermann Scheer Pioniere.“ 

In der angeregten und ausführlichen Diskussion war vor allem Ministerin Reiche immer wieder die Zielscheibe der Kritik, die in der Forderung mündete: „Wann wird sie endlich entlassen?“ Da sprang ihr jedoch Esken zur Seite, wohl in Anspielung auf den Verzicht von Bärbel Bas auf Ministerposten und Parteivorsitz: „Ich habe erlebt, was passiert, wenn sich der Koalitionspartner und konservative Medien auf eine Ministerin einschießen.

Ich schließe mich nicht an, wenn jemand eine Entlassung fordert.“ Dass überhaupt die Veranstaltung, moderiert von Rico Kaufmann, in Bad Wildbad stattfinden konnte, hat auch damit zu tun, dass die frühere SPD-Ortsvereinsvorsitzende Hildegard Walleczek und ihr Mann Michael im Remstal mit der Familie Scheer eng befreundet waren. In einem Grußwort zu Beginn sagte Walleczek: „Wir kennen Nina schon seit sie vier oder fünf Jahre alt war. Manfred Wende war als Bundestagsabgeordneter Hermann Scheers Vorgänger. Und als wir nach Wildbad gezogen sind, war Manfred Wende schon  da.“  Wende ist auf dem Wildbader Friedhof bestattet. So schließt sich der Kreis.