Knittlinger Finanzen sehen nicht gut aus: „2028 wird es richtig schmerzhaft“
Knittlingen. Kreditaufnahmen von 9,55 Millionen Euro stehen im Knittlinger Doppelhaushalt 2026/2027. Das bedeutet eine Erhöhung der Verschuldung von 8,1 Millionen Euro (Stichtag Anfang 2025) auf rund 17,09 Millionen Euro bis Ende 2028. Gleichzeitig erhöhen sich die Tilgungsleistungen von rund 300.000 Euro (2024) auf rund 709.000 Euro (2028) im Jahr.
Damit wird der Puffer über der Mindestliquidität laut Verwaltung „sehr klein“.
Strukturreformen angemahnt
Bürgermeister Alexander Kozel sagte in der Weissachtalhalle Freudenstein, dass mit den Haushalten bis 2028 „keine positiven Ergebnisse erwirtschaftet werden können“. Durch Rücklagen könne der Finanzierungsbedarf nicht gedeckt werden. Kozel nannte als Gründe „Aufgabenzuwachs, die strukturelle Schieflage bei einem Anstieg der Kreisumlage von rund 2,5 Millionen Euro 2018 auf 7,7 Millionen Euro 2029, die Tarifkostensteigerung für das Personal seit 2018 um 27,58 Prozent und der Kostenanstieg bei den Einrichtungen für Kinder und Kleinstkinder. Ab 2028 wird es „richtig schmerzhaft“, meinte Bürgermeister Alexander Kozel. Wiederholt mahnte der Rathauschef Strukturveränderungen für die Kommunen im föderalen System an.
Bei den Sanierungen sind Maßnahmen an folgender Gemeindeinfrastruktur vorgesehen: auf der Straße Im Bergfeld, beim barrierefreien Ausbau von Bushaltestellen, am Basketball-Multifunktionsplatz am Sportplatz Knittlingen, Brandschutzsanierungen, an der Grundschule Freudenstein, im Rathaus Knittlingen, im Faustmuseum, im Erdgeschoss des Steinhauses und an der Kelter Knittlingen, bei der die Standsicherheit im Fokus ist. Investiert werden soll zudem in den Glasfaser-Ausbau, den Solarpark Schillingswald/Kleinvillars, in den Abbruch des Schulhauses Kleinvillars und den Neubau Waldensersaal mit Räumen für die Feuerwehr.
Ziemlich lang ist dagegen auch die Streichliste: Nicht weiter verfolgt werden sollen die Vorhaben Neugestaltung des Pausenhofs der Johannes-Faust-Schule, weitergehende Maßnahmen am Sportplatz, der Kelter und dem Steinhaus Knittlingen, die Sanierung des roten Platzes Freudenstein-Hohenklingen, der Neubau Grundschule Freudenstein, größere Sanierungen außerhalb des Brandschutzes in der Grundschule Freudenstein, die Vergrößerung des Platzes vor der Aussegnungshalle am Friedhof Freudenstein und die dortige Neugestaltung des Vordachs. Vom Tisch sind dagegen die Schließung der Grundschule Freudenstein und des Faustmuseum, ein weiterer Personalabbau über den bereits geplanten und realisierten Abbau – seit 2022 wurden über zehn Prozent der Gesamtbelegschaft abgebaut – und eine Streichung der Vereinsförderung.
Steuern und Gebühren steigen
Angehoben werden die Grundsteuer B, deren Hebesatz von 190 auf 265 Prozentpunkte steigt. Die Gewerbesteuer steigt von 380 auf 400 Prozentpunkte Hebesatz. Die Die Kindergartenbeiträge sollen ab September 2026 – , vorgesehen sind rund zehn Prozent – erhöht und die Öffnungszeiten im Paul-Kieselmann-Bad ab 2027 reduziert werden. Das könnte rund 100.000 Euro Einsparung bringen.
Grund für den Doppelhaushalt ist für Alexander Kozel, dass damit „ein Jahr Ruhe vor weiteren Haushaltsberatungen“ ist. Im Februar oder März soll der Doppelhaushalt dann vom Gemeinderat beschlossen werden.
