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Königsbach-Stein -  25.01.2026
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Königsbach-Stein muss Millionen in die Kinderbetreuung investieren

Königsbach-Stein. Wie viel das Ganze am Ende kosten wird, konnte der stellvertretende Hauptamtsleiter Frank Schreck noch nicht sagen. Klar ist allerdings schon jetzt, dass es für die Gemeinde Königsbach-Stein alles andere als günstig wird, die verpflichtende Ganztagesbetreuung an ihren beiden Grundschulen zu ermöglichen. Allein schon deshalb, weil dafür in Stein ein neues Gebäude errichtet werden soll. Als „ganz, ganz grobe Hausnummer“ nannte Schreck dafür in der Sitzung des Gemeinderats auf Basis von Erfahrungswerten eine Summe von 2,6 Millionen Euro.

Auf dem Gelände der Steiner Heynlinschule will der Gemeinderat einen Neubau mit Betreuungsräumen und Mensa errichten lassen. Wie er aussehen und wo er platziert werden könnte, ist öffentlich noch nicht bekannt. Roller
Auf dem Gelände der Steiner Heynlinschule will der Gemeinderat einen Neubau mit Betreuungsräumen und Mensa errichten lassen. Wie er aussehen und wo er platziert werden könnte, ist öffentlich noch nicht bekannt. Roller Foto: Nico Roller

Einstimmig fassten die Ratsmitglieder mehrere Beschlüsse zur Ganztagesbetreuung, einen davon zur angedachten Kooperation mit der Volkshochschule, die sich auch um die Akquise des Personals kümmern soll. Mit Blick auf den ab Herbst bestehenden Rechtsanspruch ließ Schreck keinen Zweifel daran, dass sich die Gemeinde zeitnah auf den Weg machen muss. Weil sich die zu erwartende Nachfrage für die Verwaltung nur schwer schätzen lässt, ist sie bei ihren Berechnungen davon ausgegangen, dass die Hälfte der Grundschüler das neue Angebot nutzen wird. Zieht man auf Basis dieser Annahme die stärksten Jahrgänge heran und die bereits in Hort und Kernzeit vorhandenen Kapazitäten ab, dann ergibt sich für alle vier Klassenstufen an der Königsbacher Johannes-Schoch-Schule ein Bedarf von 30 Plätzen. In Stein hätte man dagegen elf zu viel. Dort gibt es aktuell zwei Kernzeitgruppen, beide in Kooperation mit der Volkshochschule. Aktuell sind die Raumkapazitäten laut Schreck „weitgehend ausgeschöpft“. Durch einen internen Tausch der Räume wäre zwar eine Verbesserung möglich, allerdings nur noch solange, bis die aktuell an die Johannes-Schoch-Schule ausgelagerten Klassen nach Stein zurückkehren.

Dann muss neuer Platz geschaffen werden: in einem Neubau, der auch über eine Mensa verfügen soll. Erste Entwürfe wurden dem Gemeinderat laut Schreck schon vorgestellt, allerdings in nicht-öffentlicher Sitzung. Aufgrund der Kostenschätzung ist ein europaweites Verfahren zur Auswahl der Architekten und Fachplaner notwendig. Leichter und kostengünstiger lässt sich die Ganztagesbetreuung in Königsbach realisieren: im Musikpavillon, der dafür durch die bereits existierende Trennwand in zwei Räume geteilt werden soll. Gegessen werden könnte im davor liegenden Foyer, wenn die vorhandene Küche „minimal ertüchtigt“ wird. So steht es in der Sitzungsvorlage, in der ein Start bereits zu Beginn des neuen Schuljahrs für realistisch gehalten wird. Kümmern soll sich um die Ganztagesbetreuung in beiden Ortsteilen die Volkshochschule. Starten soll die Betreuung um 7 Uhr und dauern entweder bis 14 Uhr ohne oder bis 15 Uhr mit verpflichtendem Mittagessen. Schreck könnte sich zudem vorstellen, sie in Blöcken entweder vor oder nach der verlässlichen Grundschule anzubieten. Ob auch ein tageweises Buchen der Betreuung möglich wäre, will Schreck nach einer entsprechenden Anfrage von Luisa Schorr (Grüne) noch abklären.

Sondervermögen könnte helfen

Nicole Weinbrecht (Grüne) regte an, für den Neubau einen Teil der sechs Millionen zu verwenden, die aus dem Sondervermögen des Bundes in Aussicht stehen. Zusätzliche Fördermöglichkeiten will man laut Bürgermeister Heiko Genthner dennoch prüfen. Erneut übte der Rathauschef Kritik an Bund und Land, die mit der Ganztagesbetreuung den Kommunen eine weitere Pflichtaufgabe auferlegten, ohne die im Sinne des Konnexitätsprinzips nötige Finanzierung sicherzustellen.

Wolfgang Ruthardt (SPD) stellte sich hinter die Planungen. Allerdings nicht, ohne auf die Auswirkungen auf die kommunalen Finanzen hinzuweisen. Ruthardt will bei der Kinderbetreuung vorankommen. Aber für ihn steht auch fest: „Wenn wir das durchwinken, müssen wir an anderer Stelle Einschnitte vornehmen.“