Königsbacher Realschule bringt zeitlosen Klassiker wieder auf die Bühne
Königsbach-Stein. Recht unsanft landet die Straßenkehrerin in der Zwangsjacke. Unverhohlen droht man ihr, sie in eine Nervenklinik zu sperren, wenn sie nicht damit aufhört, die Wahrheit über die grauen Herren und ihre Verbrechen an der Zeit zu verbreiten. Doch da ist es bereits zu spät, denn an der Seite der Schildkröte Kassiopeia hat sich Momo aufgemacht, um ihnen das Handwerk zu legen. Wie ihr das gelingt, erzählen die Schüler der Königsbacher Willy-Brandt-Realschule mit starken Bildern, unverkrampften Dialogen und berührender Musik.
Monatelang haben die Schauspieler der Theater-Arbeitsgemeinschaft, die Sänger des Chors, die Musiker der Band und die Mitglieder der Bühnentechnik-AG geprobt, alle neben dem Unterricht, den sie dafür an anderer Stelle nachholen mussten. „Die Kinder sind echt gewachsen und haben eine tolle Entwicklung vollzogen“, sagt Lehrerin Johanna Panizzi, die mit ihren Kollegen Mara Slavik, Dennis Wickersheim und Martin Sax die Gesamtleitung innehat. Sie gibt offen zu, dass es nicht immer ganz einfach war, alle Beteiligten unter einen Hut zu bringen, dass es viel Kommunikation und Planung brauchte. Alle, das sind insgesamt mehr als 35 Mitwirkende aus vier Arbeitsgemeinschaften, die zunächst jede für sich geprobt haben, später immer öfter zu zweit, manchmal auch zu dritt. Erst zwei Tage vor dem Musical hat man alles zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Panizzi spricht von einer „riesigen Gemeinschaftsleistung“ und betont: „Einer allein hätte das nicht stemmen können.“ Das Skript haben die Lehrer von einem Verlag bezogen, die Kostüme und das Bühnenbild selbst erstellt, mit Ausnahme der vier großen Podeste, die die Werkstatt der Lebenshilfe aus Holz gefertigt hat.
Als Herzstück der Kulisse erlauben sie im Stück schnelle Szenenwechsel, auch für den Chor. Die Lieder hat Panizzi mit Unterstützung einer Freundin selbst komponiert, extra für die vier Aufführungen, zu denen insgesamt mehr als 500 Zuschauer kommen: sowohl Kinder als auch Erwachsene. Immer wieder spenden sie tosenden Beifall für die Schüler, die auf der Bühne über sich selbst hinauswachsen. Egal, wen man fragt: Alle betonen, dass ihnen das Projekt großen Spaß gemacht hat. Den einen wegen der Musik, den anderen wegen der Choreografien. „Wir sind so richtig zu einer Gruppe zusammengewachsen“, sagt ein Mädchen: „Wir verstehen uns jetzt viel besser.“ Einer der Jungs hat anfänglich gedacht, ein kurzes Stück mit ein paar Liedern einzustudieren. „Aber dann ist das auf einmal ein richtig großes Ding geworden.“
Einige der Schüler kannten Michael Endes Geschichte von Momo und den grauen Herren, die die Zeit stehlen. Anfangs fanden sie das Ganze ziemlich gruselig, doch dann erkannten sie die Botschaft, die in dem 1973 erschienenen Roman steckt. Panizzi hat den Eindruck, dass sie nach wie vor aktuell ist, dass die Gesellschaft immer schnelllebiger wird und gerade junge Menschen großem Druck ausgesetzt sind, auch durch soziale Medien. Mit ihren Aufführungen wollen die Schüler ihren Zuschauern die Augen öffnen für die Bedeutung des Moments und den Wert der Gemeinschaft.
