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Niefern-Öschelbronn -  27.07.2026
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Kollektivstrafe nach Diebstahl von Klassenarbeiten? Abschlussfeier an Realschule Niefern abgesagt

Niefern-Öschelbronn. Seit Tagen macht die Bildmontage zu einer Anfang Juli vorgesehenen Abschlussfeier der Zehntklässler der Realschule Niefern die Runde in der Gemeinde. „Eine Erinnerung und ein neuer Anfang, wir sind stolz auf euch“ – mit diesen Zeilen warben offensichtlich Eltern ursprünglich für die Veranstaltung. Doch jetzt springen in dicken roten Buchstaben zwei über das Plakat gelegte Zeilen ins Auge: „Abgesagt. Wegen Kollektivstrafe.“ Jahr auf Jahr hatte die Schulleitung bisher im großen Ameliussaal diese feierliche Verabschiedung der Realschüler nach ihrem mittleren Abschluss aufgezogen. Ein heftiger Konflikt im Schulleben hat diesmal jedoch dazu geführt, dass die Feier ausfiel.

Fotomontage in sozialen Netzwerken von Eltern der Realschule Niefernzur abgesagten Abschlussfeier der Zehntklässler.
Fotomontage in sozialen Netzwerken von Eltern der Realschule Niefernzur abgesagten Abschlussfeier der Zehntklässler. Foto: Screenshot Whatsapp Steinert

Doch warum werfen Eltern der Schulleitung vor, sie habe nach einem drastischen Vorfall mit der Absage alle abgehenden Schülerinnen und Schüler bestraft? Das kam so, wie Eltern der PZ schilderten: Vor einer schriftlichen Arbeit habe ein Mitglied einer zehnten Klasse aus der Tasche einer Lehrerin die Aufgaben stibitzt. Die Blätter wurden fotografiert und in den Netzwerken der jungen Leute verteilt. Zunächst hielten die Schüler zusammen, aber schließlich kam die Wahrheit doch ans Licht. Die Klassenarbeit musste wiederholt werden. Entgegen manchen Gerüchten handelte es sich nicht um die Abschlussprüfungen im Mai. Denn diese Unterlagen kommen erst sehr kurz vor oder frühmorgens an den jeweiligen Tagen zu den Schulleitungen und werden bis zur Ausgabe an die Schüler im Tresor der Rektoren aufbewahrt.

Aufsehenerregend

Jedenfalls zog die Schulleitung die Konsequenzen aus dem aufsehenerregenden Klau von Unterlagen aus der privaten Tasche einer Lehrkraft. Die Abschlussfeier wurde abgesagt. Zurzeit leitet Konrektor Andreas Steiger kommissarisch die Realschule. Rektorin Sylvia Schleifer-Dürr sei momentan krank, wie Volker Traub, der Leiter des zuständigen regionalen Schulamts in Pforzheim, auf Anfrage mitteilte. Vereinzelt meinten Eltern, Schleifer-Dürr wäre nach dem Streit über die abgesagte Feier „mittlerweile abgesetzt worden“. Doch das stimmt nicht.

Das Hin und Her um die Feier schlug Wellen. Manche Eltern verteidigten die Reaktion der Schule. Andere waren sauer.

„Viele Mädchen haben sich ja schon Wochen vorher hübsche Kleider gekauft, die Jungen schöne Anzüge“, so eine Mutter.

Was sagt Konrektor Steiger dazu?

„Es gibt niemand, der dazu etwas sagen würde“, wehrte das Sekretariat einen PZ-Anruf ab und stellte nicht zum stellvertretenden Schulleiter durch.

Und wie bewertet die Schulbehörde den Kurs?

„Die Planung und Organisation einer schulischen Abschlussfeier fällt in die Zuständigkeit der Schulleitung. Entscheidungen über solche Veranstaltungen werden grundsätzlich von der Schule im Rahmen ihrer Organisationsverantwortung getroffen“, teilte Amtsleiter Traub mit.

Viele Schüler der 10a und der 10b holten ihre Abschlusszeugnisse im Sekretariat ab. Im Raum 212 bot die Schule als eine Art Kompromiss Übergabetermine für die beiden Klassen an, zu denen auch Eltern kommen durften, jedoch nicht zum zweiten Teil der Klassengemeinschaft mit schulischem Rückblick von Lehrkräften. Diana Kirsch, die Vorsitzende des Elternbeirats, und Steiger schlugen schließlich in einem Schreiben Mitte Juli Eltern und Schülern noch „eine selbstorganisierte Abschlussveranstaltung“ vor. Bürgermeister Uwe Engelsberger hätte den Ameliussaal kostenlos zur Verfügung gestellt: „Und ich hätte auch ein Grußwort gehalten“, sagte der Rathauschef zur PZ.

Doch die Idee, eine Feier ohne Schulleitung und Lehrkräfte zu gestalten, stieß nicht auf die erhoffte Resonanz. „Die Fronten in der Elternschaft waren wohl schon unverrückbar verhärtet“, so Kirsch. Viele Eltern blieben bei ihrer Kritik und bewerteten die Absage des Abschlussfests weiter als geschlossene Bestrafung aller Zehntklässler.