Kosten steigen auf 7,8 Millionen Euro: Katastrophenschutzlager in Pforzheim wird deutlich teurer
Pforzheim. Bittere Pille für die Verwalter und Hüter der Pforzheimer Stadtfinanzen: Das neue Katastrophenschutzlager auf dem Hohberg kommt wohl gut anderthalb Millionen Euro teurer als bislang angenommen. Dies liegt insbesondere an Problemen mit dem Baugrund, die im Zuge der detaillierteren Planung zutage traten. Das Zentrum soll aber auch einen zusätzlichen Nutzen bringen.
Dass beim Katastrophenschutz Handlungsbedarf besteht, daran gibt es wenig Zweifel. Droben auf dem Hohberg stehen hierfür bislang nur baufällige Holzbaracken und ein Mini-Lagerraum zur Verfügung. „Eine Zumutung“, urteilen OB Peter Boch und Baubürgermeister Tobias Volle in einer aktuellen Beschlussvorlage für den Gemeinderat.
„Aufgrund der schlechten Bausubstanz sowie des regelmäßigen Schädlingsbefalls stellte die Nutzung der Gebäude für die Feuerwehr zuletzt eine Zumutung dar“, so die Stadtverwlatung in ihrer Beschlussvorlage.
Zunehmende Gefahren
Zugleich steigen die potenziellen Gefahren durch Waldbrände, Hochwasser, Pandemien sowie Engpässe bei Strom und Gas. Ein Neubau war bereits im Feuerwehrbedarfsplan fixiert gewesen, 2024 fällte der Gemeinderat dann die entsprechende Sachentscheidung. Doch nun, da der Baubeschluss naht, ist nicht mehr wie damals von 6,2, sondern von 7,8 Millionen Euro die Rede. Zumindest vonseiten des Landes seien keine Fördermittel zu erwarten. Verhandlungen mit dem Enzkreis wegen einer etwaigen finanziellen Beteiligung liefen noch. Inzwischen haben Gutachten gezeigt, dass der Baugrund auf jenem Flurstück in Pforzheims Norden nicht tragfähig für solch einen Neubau ist. Die Maßnahmen zur Verbesserung und Stabilisierung des Untergrunds seien ein „wesentlicher Kostentreiber“, so Boch und Volle. Hinzu kommt, dass im Zuge des Bebauungsplans zur Erschließung des Gewerbegebiets „Südlich des Hohbergs“ die Bauschlotter Straße künftig komplett durch das Flurstück verläuft. Das verkleinere die zur Verfügung stehende Fläche. Und die Straße liege deutlich über dem aktuellen Niveau, was in Kombination mit dem abschüssigen Geländeverlauf großflächige Aufschüttungen nötig macht.
Parallel musste sich die Stadtverwaltung in der Zwischenzeit auch mit der effektiven Bekämpfung von Tierseuchen beschäftigen – wegen des Ausbruchs der afrikanischen Schweinepest und der Annahme, dass durch die zunehmende Mobilität und den Klimawandel Tierkrankheiten auftreten werden, die es bislang in hiesigen Gefilden nicht gab.
Das entsprechende Landesgesetz schreibe vor, „dass Tierseuchenbekämpfungszentren beim Ausbruch einer hochansteckenden Tierseuche unverzüglich einsatzbereit sein müssen“, heißt es in der Vorlage.
Deshalb galt es, in das beschlossene Katastrophenschutzlager ein Tierschutzbekämpfungszentrum als zusätzlichen Gebäudeteil zu integrieren. Man entspreche hier lediglich den Mindestanforderungen – je nach Art und Heftigkeit einer etwaigen Tierseuche müssten im Außenbereich zusätzlich Container temporär platziert werden.
Insgesamt vorgesehen sei ein „kompaktes Gebäude“ mit hoher Kosten- und Flächeneffizienz. Erstellt werden soll ein zweigeschossiger Massivbau: das Erdgeschoss komplett aus Stahlbeton, darüber Stahlbetonwände außen und gemauerte Wände innen. Alles mit Vollwärmeschutz sowie isolierverglasten Türen und Fenstern und mit Photovoltaik auf dem begrünten Dach, um den Standard „Effizienzhaus 55“ zu erreichen. Daran grenzen eine Lager- und Fahrzeughalle sowie Parkplätze und Rangierflächen an.
Sportlicher Zeitplan
Das Haupthaus soll eine Fußbodenheizung samt Wärmepumpe erhalten. Mit diesem System könnten die Räume im Sommer auch etwas heruntergekühlt werden. Die Halle bleibt unbeheizt, dort könnten bei Bedarf Umlufterhitzer zum Einsatz kommen.
Am Mittwoch, 15. April, befasst sich der Bau- und Liegenschaftsausschuss in seiner um 16 Uhr beginnenden Sitzung mit den veränderten Koordinaten des Baubeschlusses, der am 12. Mai vom Gemeinderat gefasst werden soll. Bereits im Oktober könnten dann die Erdarbeiten beginnen, der Start für den Rohbau wird für April 2027 taxiert. Läuft alles glatt, könnte das neue Zentrum im Oktober 2028 fertig sein und Ende des Jahres in Betrieb genommen werden.
