Gemeinden der Region
Bad Wildbad -  07.07.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Kreativität und angepasste Abläufe: Das sorgt bei den Bad Wildbader Islandpferden für Abkühlung

Bad Wildbad. Über dem idyllisch gelegenen Enztalhof in Bad Wildbad brennt die Sonne gnadenlos vom Himmel. Schon am Morgen kratzen die Temperaturen an der 30-Grad-Marke. Die rund 60 Islandpferde, die auf dem Hof leben, sind genetisch auf ganz andere Bedingungen eingestellt. Nicht nur Menschen stöhnen unter dem Hitzesommer, auch den Pferden aus dem hohen Norden verlangen die Temperaturen alles ab.

Eine kühle Dusche sorgt für Erfrischung: Maria-Chiara Kionka verschafft ihrer Islandstute Camilla an einem heißen Sommertag auf dem Enztalhof in Bad Wildbad eine willkommene Abkühlung.
Eine kühle Dusche sorgt für Erfrischung: Maria-Chiara Kionka verschafft ihrer Islandstute Camilla an einem heißen Sommertag auf dem Enztalhof in Bad Wildbad eine willkommene Abkühlung. Foto: Röhr

Doch Alexandra, Peter, Maria-Chiara und Maximilian Kionka lassen sich einiges einfallen, wenn es darum geht, den geliebten Vierbeinern Abkühlung zu verschaffen – sei es durch ein spezielles Pferdeeis oder eine erfrischende Dusche.

Islandpferde stammen aus einem kühlen, feuchten und oft windigen Klima. Auf der Insel sind die Sommer kurz und vergleichsweise frisch, die Temperaturen liegen meist deutlich unter dem, was Pferde in Deutschland während eines Hitzesommers aushalten müssen. Die robusten Tiere sind deshalb von Natur aus eher auf Kälte, Wind und wechselhaftes Wetter eingestellt als auf lange Hitzeperioden. Ihr dichtes Fell schützt sie im Winter hervorragend, kann ihnen bei hohen Temperaturen aber zu schaffen machen.

Damit Islandpferde in Deutschland gut durch heiße Tage kommen, muss besonders auf ausreichend Schatten, jederzeit frisches Wasser und angepasste Weidezeiten geachtet werden – etwa in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Auch das Training wird bei großer Hitze reduziert oder in kühlere Tageszeiten verlegt. Genau deshalb beginnt der Arbeitstag auf dem Enztalhof derzeit schon im Morgengrauen.

Die Kionkas stellen ihre Routine in der Hitze den Tieren zuliebe um.

„Geritten wird in den frühen Morgenstunden bis spätestens 9 Uhr“, berichtet Alexandra Kionka.

Alle Pferde, auch die Stuten mit ihren Fohlen, die normalerweise weit weg vom Trubel auf abgelegenen Weiden stehen, haben freien Zugang zum schattigen Stallgebäude. „Mähnen werden eingeflochten, die Beine mit Wasser abgekühlt. Zusätzlich erhalten die Tiere Elektrolyte“, erzählt sie weiter.

Bei den Reitschülern stoßen die Maßnahmen auf großes Verständnis. Kein Wunder, schließlich wird in diesen Tagen nicht auf der Bahn, oder im Dressurviereck geübt, sondern es geht gemeinsam mit den Pferden auch mal in die nahe gelegene Enz zum gemeinsamen Schwimmen. Und am Ende schlecken dann alle gemeinsam ein Eis. Die zotteligen Nordländer bekommen das Schleckvergnügen im XXL-Format serviert: ein im Eimer gefrorenes Gemisch aus Wasser, Fruchtsaft und frischen Apfelschnitzen. So können die kleinen Vulkaninsel-Bewohner auch dem heißesten Schwarzwälder Sommer trotzen.

Bad Wildbader Nachwuchsreiterin schafft den Sprung ins Nationalteam

Die Erfolgsserie der jungen Ausnahmereiterin Maria-Chiara Kionka aus Bad Wildbad reißt nicht ab. Mit gerade einmal 17 Jahren wurde sie nun in die deutsche Junioren-Nationalmannschaft für die Mitteleuropäischen Meisterschaften (MEM) der Islandpferde berufen. Damit vertritt sie Deutschland bei den Titelkämpfen, die vom 6. bis 9. August in Kassel stattfinden. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in St. Peter-Ording sammelte sie fleißig Medaillen. Unter anderem wurde sie Deutsche Jugendmeisterin in der Fünf-Gang-Kombination und Deutsche Vizemeisterin im Fünfgang. Damit zählt sie zweifellos zu den besten Nachwuchsreiterinnen im deutschen Islandpferdesport. Kein Wunder also, dass die Bundestrainer auf sie aufmerksam wurden. In St. Peter-Ording durfte sie sich zudem über die Berufung in den Jugend-Bundeskader freuen – vergleichbar mit einer Jugend-Nationalmannschaft.

Doch ihre Erfolge beruhen nicht allein auf ihrem Können, wie sie im Gespräch mit der PZ betont. Gemeinsam mit ihrem Hengst Nôi bildet sie auf Turnieren eine perfekte Einheit. Von ihm schwärmt sie in den höchsten Tönen: „Er zeigt Spitzenleistungen und hat einen Top-Charakter.“

Der Schecke, der übrigens genauso alt – beziehungsweise jung – ist wie seine Reiterin, ist selbst eine kleine Berühmtheit. Er wurde auf Island geboren und war dort bereits Landsmót-Sieger. Damit gehörte er in seiner Heimat zu den besten Islandpferden des Landes – und das bei rund 80.000 Pferden, die auf der Insel leben. Im Rahmen der Islandpferde-Weltmeisterschaften kam er schließlich nach Berlin, bevor er vor zwei Jahren auf dem Enztalhof in Bad Wildbad bei Maria-Chiara Kionka eine neue Heimat fand.

Nach Island zurückkehren darf Nôi allerdings nicht mehr. Pferde, die die Insel einmal verlassen haben, dürfen aus Gründen des Seuchenschutzes und zum Erhalt der einzigartigen Pferdepopulation nie wieder eingeführt werden.

Und wie geht es für Maria-Chiara weiter? Nach der MEM ist die Turniersaison für dieses Jahr beendet. Dann arbeitet sie wieder auf dem Enztalhof ihrer Eltern, bereitet sich auf den Trainerschein vor und möchte später die Ausbildung zur Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt Spezialreitweisen absolvieren.

VG WORT Zählmarke